Der Speicherchiphersteller Qimonda schließt sein US-Werk in Richmond. Betroffen seien rund 1500 Mitarbeiter, teilte das Unternehmen mit. Zur Begründung hieß es, die Umstellung des Standorts auf eine neue, zukunftsweisende Chiptechnik könne in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht finanziert werden. Kunden würden künftig verstärkt mit Chips aus dem Werk in Dresden beliefert. Die Infineon-Tochter Qimonda hatte am 23. Januar Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beschäftigt weltweit derzeit rund 12000 Menschen.twa 2.800 Beschäftigte und Angehörige haben in Dresden für den Erhalt des Chip-Herstellers Qimonda demonstriert. Zu der Aktion hatten IG Metall und Betriebsrat aufgerufen. Der Dresdner IG Metall-Chef Willi Eisele erklärte, „es geht nicht nur um Qimonda, sondern um den Erhalt einer selbstständigen europäischen Halbleiterindustrie.


Außer dem Mutterkonzern Infineon und dem Insolvenzverwalter seien auch der Bund und die EU sowie die Länder Sachsen und Bayern in der Verantwortung, sagte der Gewerkschafter. Demonstranten zeigten Spruchbänder und Plakate mit Aufschriften wie „Qimonda ist kein Totenschiff“ oder „Wenn Qimonda niemand hilft, muss ich mit Papi in den Westen“.


EU-Industriekommissar Günter Verheugen erklärte unterdessen, er sehe keine Möglichkeit, das Unternehmen mit Hilfe der Europäischen Union zu retten. „Niemand kann ein Unternehmen retten, das sein Eigentümer nicht retten will“, sagte der SPD-Politiker der „Sächsischen Zeitung“ zufolge. Wenn ein Unternehmen nicht mehr an einen Standort glaube, seien in einer Marktwirtschaft die Würfel gefallen.

Verheugen fügte hinzu, generell gelte, dass gemeinschaftliche Fördermittel nicht für eine Firmenrettung eingesetzt werden dürften. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) hatte am Vortag angesichts der Qimonda-Insolvenz Hilfen aus Brüssel für die europäische Chipindustrie gefordert. Qimonda hatte vor anderthalb Wochen Insolvenz angemeldet. Allein in Dresden stehen 3.000 Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft. Der Insolvenzverwalter hatte deutlich gemacht, dass bis Ende März ein Investor gefunden sein muss. Ansonsten droht endgültig das Aus.

dpa/Reuters/PHJ