Der Tod von Qimonda war in Wahrheit schon seit Jahren beschlossene Sache. Schon als die Speicherchipsparte 2006 vom Mutterkonzern Infineon abgespalten wurde, war es ein Eingeständnis des Scheiterns. Es hieß übersetzt: Massenprodukte in der Halbleiterindustrie lassen sich in Deutschland zu vernünftigen Preisen nicht mehr herstellen. Was Qimonda produziert, können die Konkurrenten in Taiwan und China genauso gut – und billiger.

Nur die Übernahme durch einen Konkurrenten hätte vielleicht noch etwas retten können. Doch nicht einmal geschenkt wollte jemand den Laden haben. Alle späteren Stabilisierungsversuche geschahen schon im Bewusstsein, dass da wahrscheinlich nichts zu retten sein würde – auch die letzten durch den Freistaat Sachsen und die Muttergesellschaft. Schließlich hätte das zugebutterte Geld nicht einmal gereicht, um einen Quartalsverlust auszugleichen. Und die marode Lage Qimondas hat ausnahmsweise nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun.

Vom Freistaat Sachsen ist es durchaus weise, sein Geld zu behalten und nicht in einem sterbenden Unternehmen zu versenken. Eine Firma, die mehr Verlust als Umsatz macht, ist nicht zu retten. Da ist es klüger, die Mitarbeiter umzuschulen. Für eine bessere Zeit, die ja auch wiederkommt.

Viel spannender ist die Frage, was die Insolvenz Qimondas für die Muttergesellschaft Infineon bedeutet. Ihr geht es schließlich nicht sehr viel besser, die kranke Tochter war nur ein Problem. Infineon stellt zwar ungleich innovativere Produkte her als Qimonda. Einer der Hauptkunden ist aber die Autoindustrie. Das verschlechtert die Genesungsprognose für den verlustträchtigen Halbleiterkonzern ebenfalls. Die Konzernchefs von Infineon verkünden seit langem immer wieder das Ende der Umbauphase – um wenig später mit einem neuen Stellenabbauplan um die Ecke zu kommen. Infineon unterlief zudem eine ganze Reihe hausgemachter Fehler. Dazu zählt der Ausstieg aus der Produktion von Flashspeichern 2006: ein Entschluss, den Infineon schon ein Jahr später bereute.

Qimonda auf jeden Fall war nicht innovativ genug, um profitaböen Ersatz für seine Massenprodukte zu finden. Wenn es der Muttergesellschaft Infineon genauso ergeht, erleben wir wohl den Anfang vom Ende der Halbleiterindustrie in Deutschland. Nur ein paar kleine und spezialisierte Hersteller blieben dann übrig.

Einige gewinnträchtige Sparten hatte Infineon zuletzt noch, etwa so genannte Leistungshalbleiter oder Hochfrequenzbausteine, bei denen der Konzern nach eigenen Angaben führend ist. Vielleicht bringt das den Konzern ans rettende Ufer, jetzt, nachdem Infineon die Altlast Qimonda los ist.