Es bleibt dabei. Die Börsen sind von enormen Schwankungen geprägt. Seit Ende Oktober pendelt der Dax zum Beispiel zwischen 4000 und 5300 Punkten. Eine ungewöhnlich breite Range von 1300 Zählern. Für kurzfristig agierende Anleger bedeutet das erhöhte Chancen und Risiken zugleich. Bei optimalem Timing lassen sich in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielen. Wer sich verspekuliert, erleidet jedoch ebenso schnell immense Verluste. Eine solche „Zockerei“ ist also gerade im aktuellen Marktumfeld nichts für schwache Nerven.
Das gilt insbesondere im Bereich der Einzelaktien, wo die Kursausschläge noch wesentlich stärker ausfallen. Die Allianz schwankte zuletzt zwischen 45 und gut 77 Euro. Gegenüber dem Tief hat sich der Kurs in der Spitze damit um über 70 Prozent verteuert. Zuvor war die Aktie jedoch auch um fast 40 Prozent gefallen. Und das alles in nur fünf Wochen. Bei diesen schnellen Richtungswechseln erscheinen Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Märkte wie Ratespiele. Während am Donnerstag noch die Hoffnung auf eine Jahresendrallye überwog, kam es am Freitag bereits zur nächsten Verkaufswelle.
Ein hohes Maß an Sicherheit bleibt damit für die meisten Investoren oberstes Gebot. Kapitalschutz-Produkte wie Garantie-Zertifikate bieten zurzeit jedoch vergleichsweise unattraktive Konditionen. Ganz anders sieht das bei Discount-Zertifikaten aus, die deshalb auch seit Wochen ganz oben auf der Einkaufsliste der Investoren stehen. Wohl auch deshalb, weil die Funktionsweise dieser Papiere relativ leicht zu verstehen ist. Zwei Merkmale sind entscheidend. Auf der einen Seite verzichtet der Anleger ab einer bestimmten Marke (dem Cap) auf die Teilhabe an steigenden Kursen. Die Gewinnchancen sind damit limitiert. Als Gegenleistung wird ihm ein Rabatt (Discount) auf den Aktienkurs gewährt. Das Zertifikat ist beim Kauf also günstiger als die Aktie.
Wie hoch der Kursvorteil ausfällt, hängt vor allem davon ab, welche Schwankungen in Zukunft erwartet werden. Und weil momentan weiterhin mit sehr volatilen Märkten gerechnet wird, fallen die Rabatte entsprechend hoch aus. Was für Anleger insofern günstig ist, weil der Discount bis zum Ende der Laufzeit komplett abgebaut wird. Das Zertifikat wird also bei Fälligkeit zum Kurs der Aktie zurückgezahlt, wobei aber der Cap als Maximalbetrag zu beachten ist.
Soweit zur Theorie. In der Praxis bieten vor allem Discounter auf Automobil- und Finanztitel sehr reizvolle Konditionen. Eben weil hier die Unsicherheit zurzeit besonders groß ist. Hohen Gewinnchancen stehen entsprechend große Risiken gegenüber. Wer mit einem Crash oder sogar einem möglichen Konkurs dieser Werte rechnet, sollte sich hier also besser nicht engagieren. Dennoch eignen sich Discounter durchaus auch für Anleger, die für den Markt eher skeptisch sind. Papiere mit entsprechend defensiver Ausstattung ermöglichen selbst bei fallenden Kursen noch positive Renditen. Wichtig ist nur, dass der Kurs der Aktie am Ende möglichst über dem gewählten Cap notiert.
HSBC Trinkaus bietet zum Beispiel ein noch gut ein Jahr laufendes Discount-Zertifikat auf die Aktie der Deutschen Bank mit einem Cap bei zehn Euro zu einem Kurs von gut neun Euro an. Sollte die Aktie am Ende auf oder über dem Cap notieren, kommt es zur Auszahlung von zehn Euro. Die in dem Fall erzielte Maximalrendite von 10,6 Prozent ist selbst dann gesichert, wenn die Aktie noch einmal gut 60 Prozent verliert (WKN: TB2GS2). Bei der Allianz können Investoren mit einem Discounter der Commerzbank auf Jahressicht sogar fast 15 Prozent Rendite einstreichen, wenn der Risikopuffer von knapp 60 Prozent ausreicht und die Aktie bei Fälligkeit mindestens 28 Euro kostet (WKN: CM2BFD). Im Autosektor wiederum ergibt sich bei einem Daimler-Discounter die Kombination aus 61 Prozent Puffer und gut 14 Prozent Renditechance bis Ende 2009 (WKN: CM2BMF).
Wichtig bei allen diesen Papieren: Entscheidend für die Rückzahlung ist ausschließlich der Kurs am jeweiligen Bewertungstag, der meist kurz vor dem Fälligkeitstermin liegt. Fällt die Aktie während der Laufzeit unter den Cap, hat das erst mal keine negativen Auswirkungen auf die Renditechance. Verluste sind aber natürlich trotzdem nicht ausgeschlossen. Wenn die Aktie am Ende klar unter dem Höchstbetrag notiert, wird auch das Zertifikat deutlich im Minus liegen. Allerdings fallen die Verluste beim Discounter durch den günstigeren Einkauf geringer aus als bei der Aktie (Konkurs ausgenommen).
Fazit: Die anhaltende Unsicherheit an den Aktienmärkten beschert Anlegern bei Discount-Zertifikaten weiterhin sehr reizvolle Konditionen. Bei Discountern auf Einzelaktien sind selbst bei 50 oder 60 Prozent Risikopuffer auf Jahressicht noch zweistellige Renditen möglich. Allerdings schwanken die entsprechenden Aktien auch sehr stark, was die Gefahr erhöht, dass auch solch hohe Puffer bei zwölf Monaten Laufzeit nicht ausreichen.

