Denn während zu Beginn des Jahres vor allem die steuerliche Benachteiligung vor Einführung der Abgeltungsteuer als Hauptsorge genannt wurde, so waren am Ende der Einbruch an den Kapitalmärkten und der Vertrauensschwund nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die entscheidenden Gründe für das abrupte Ende einer Erfolgsstory.

Die Anlage- und Vertrauenskrise trifft die Zertifikateanbieter jedoch nicht allein. Auch bei der Anlage in Aktien und Fonds kam es im vergangenen Jahr zu drastischen Verlusten. Sie waren so massiv, dass nicht einmal die Aussicht auf steuerfreie Kursgewinne bei Fondskäufen vor dem Jahreswechsel etwas gegen die Massenflucht aus dem Kapitalmarkt anrichten konnte.

Mit dem ersten Handelstag des neuen Jahres ist diese Chance nun dahin. Ab sofort müssen Anleger bei jeder Investition die neu eingeführte Pauschalabgabe von mehr als einem Viertel ihrer Gewinne an das Finanzamt akzeptieren. Und spätestens wenn dies zum ersten Mal geschieht, werden sich einige Anleger ärgern, dass sie den Abgeltungsteuer-Schlussverkauf Ende 2008 ausgelassen haben.

Aber die Abgeltungsteuer hat nicht nur Nachteile. Auch wenn der Steuersatz mit 25 Prozent unverhältnismäßig hoch erscheint, so könnte die neue Regelung immerhin bewirken, dass bei Geldanlagen künftig mehr auf das Anlagekonzept und weniger auf die steuerliche Behandlung geachtet wird. Das wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ob Zertifikate in dem neuen Umfeld dann wieder zu den Gewinnern gehören werden, muss sich zeigen. Die Aussichten sind aber nicht schlecht. Denn ungeachtet der zuletzt verstärkt erhobenen Kritik bieten diese Produkte eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Chancen und Risiken der Geldanlage zu steuern und sie auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen.

Bei der Umsetzung der Anlagestrategie sollten sich Anleger aber immer vor Augen führen, dass Zertifikate in aller Regel nur als Werkzeuge zu verstehen sind, die von den emittierenden Banken zur Verfügung gestellt werden. Welches dieser Werkzeuge im konkreten Fall zu nutzen ist, bleibt aber Sache der Investoren. In diesem Punkt ähnelt der Zertifikatemarkt einem Baumarkt: Im Angebot sind Hammer und Äxte, welches Produkt besser geeignet ist, um einen Nagel in die Wand zu bekommen, liegt im Ermessen des Kunden.