Der deutsche Sparer verliert den Überblick. Die Kapriolen an den Finanzmärkten sind für ihn nur schwer nachvollziehbar. Doch nicht nur unter Aktien- und Fondsanlegern macht sich Sorge breit. Viel zu verlieren haben auch diejenigen, die Monat für Monat Geld für ihre private Altersvorsorge zurücklegen. Sie fragen sich beispielsweise: Ist die sicher geglaubte Lebensversicherung vor Verlusten geschützt oder kann der Riester-Fonds wertlos verfallen?
Riester-Rente
Relativ entspannt zurücklehnen können sich all diejenigen, die eine Riester-Rente abgeschlossen haben - ganz gleich, ob sie sich für einen Bank-, Fondssparplan oder aber eine Versicherung entschieden haben. Sie erhalten zu Beginn des Ruhestands die eingezahlten Beträge plus Zulagen. Das müssen die Anbieter garantieren. Die Fondsgesellschaften, die Riester-Fondssparpläne anbieten, haben die Verträge, die eine geringere Restlaufzeit haben, in den vergangenen Tagen in sicherere Anlageformen umgeschichtet. So auch Union Investment. Die durchschnittliche Restlaufzeit bis zum Rentenbeginn liegt bei der UniProfiRente bei 28 Jahren.
Daher wurden vor allem Verträge mit einer kurzen Restlaufzeit in Rentenfonds umgeschichtet", bestätigt Markus Temme, Sprecher der Union Asset Management Holding. Auch in dem Fall, dass eine Fondsgesellschaft pleitegeht, ist die Fondsanlage sicher. Denn es handelt sich um Sondervermögen, das bei einer Insolvenz nicht angetastet werden darf. Sollte eine Sparkasse oder Volksbank nicht mehr zahlungsfähig sein, springt die Einlagensicherung des jeweiligen Geldinstituts ein. Ähnliches gilt für Versicherungen. Wird eine Assekuranz zahlungsunfähig, springt die Auffanggesellschaft Protektor ein. Doch diese ist ähnlich wie der Einlagensicherungsfonds lediglich geeignet, um einzelne strauchelnde Institute aufzufangen. Gerät das komplette System ins Wanken, müsste der Staat einspringen.
Rürup-Rente
Bei der Rürup-Rente sind die eingezahlten Beiträge zu Rentenbeginn laut Gesetz nicht garantiert. Da aber die meisten Rürup-Sparer eine Versicherung abgeschlossen haben, müssen sie - sofern sie keine fondsgebundene Police ohne Garantie abgeschlossen haben - keine Kursverluste fürchten. Die Einlagen sind relativ sicher, sofern der Versicherungsgesellschaft nicht das Geld ausgeht und gleich mehrere Gesellschaften ins Straucheln geraten. Zudem erhalten die Sparer eine Garantieverzinsung von derzeit 2,25 Prozent. Bei fondsgebundenen Policen sind jedoch sehr wohl - ähnlich wie bei Fondssparplänen - Verluste möglich. Bisher bieten zwei Gesellschaften Rürup-Fondssparpläne an: Deka und DWS. Wer den Deka-ZielGarant und die DWS Basisrente Premium abgeschlossen hat, muss keine Kursverluste fürchten, da diese ausschließlich mit Garantie verkauft werden. Wer sich hingegen für den Deka-Zielfonds entschieden hat, muss mit Kursverlusten rechnen. "Sparer haben jedoch jederzeit die Möglichkeit, vom Zielfonds in den ZielGarant zu wechseln und umgekehrt", sagt Felizitas Mertz, Sprecherin der DekaBank. Sollte die Fondsgesellschaft in Konkurs gehen, sind die Einlagen Sondervermögen, das dem Sparer erhalten bleibt.
Betriebsrente
Bei der betrieblichen Altersversorgung müssen Anleger zwischen fünf Durchführungswegen unterscheiden. Letztendlich müssen die Anbieter - ähnlich wie bei Riester - das eingezahlte Kapital garantieren. "Dabei spielt es keine Rolle, welche Vorsorgeform der Arbeitnehmer gewählt hat", sagt Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung. Die Firmen in Deutschland bieten Direktzusagen, Pensionsfonds, Pensionskassen, Unterstützungskassen und Direktversicherungen an, in die Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei einzahlen können.
Selbst wenn im Fall einer Direktzusage das dafür geradestehende Unternehmen pleitegeht, springt der Pensionssicherungsverein ein. "Wenn die Finanzinstitute und die Sicherungssysteme versagen, hat der Arbeitnehmer das Recht, den Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen", sagt Ulf Kesting, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung. Daher sei die Betriebsrente ausgesprochen sicher. "Die Finanzkrise kann sich lediglich indirekt über niedrigere Renditen auf die betriebliche Altersversorgung auswirken", fügt Stiefermann hinzu.
Versicherungen
Wer eine Lebens- oder private Rentenversicherung abgeschlossen hat, hat eine relativ sichere Anlageform gewählt. "Das Geld der Kunden wird in einem getrennten Deckungsstock angelegt und ist auch im Fall einer Insolvenz der Versicherungsgesellschaft sicher", sagt Maximilian Zimmerer, Vorsitzender Hauptausschuss Lebensversicherung des Branchenverbands GdV. "Lediglich künftige Erträge können niedriger ausfallen", sagt Zimmerer.
Mit Verlusten müssen all diejenigen rechnen, die fondsgebundene Policen ohne Garantien abgeschlossen haben. Denn die fondsgebundenen Policen unterliegen den Schwankungen an den Kapitalmärkten. "Anleger, die fondsgebundene Rentenversicherungen haben, sollten abwarten", rät Zimmerer: Auf lange Frist dürften sich die Märkte wieder beruhigen.


