Der Chef des Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, ist immer gut für einen flotten Spruch. Den deutschen Atom-Ingenieuren bot er zum Beispiel öffentlich eine Jobgarantie an – falls es zum Ausstieg aus der Kernkraft kommt. Ebenfalls über die Presse lancierte er ein Angebot für die Stromnetze der Energieversorger – als diese in Brüssel politisch unter Druck gerieten. Und nun schreckt Asbeck per Eilmeldung die gesamte Autoindustrie Deutschlands mitten in der Krise auf. Der Solarchef macht dem US-amerikanischen Autohersteller General Motors (GM) ein Angebot zur Übernahme der vier deutschen Opel-Werke. Damit nicht genug, auch das moderne Entwicklungszentrum in Rüsselsheim will er haben und obendrauf 1 Mrd. Euro.

Auf den ersten Blick ist das nicht viel mehr als eine lächerliche PR-Flause. Doch ganz so einfach ist das nicht. Solarworld-Chef Asbeck verfolgt seit Jahren die Idee eines Elektroauto-Konzerns unter dem Dach seiner Solarworld. Er lässt in Sachen Sonnenmobil forschen und gewinnt damit Preise. Der Konzernlenker sieht jetzt in der Krise die Chance, seine Idee umzusetzen. Asbeck sagte Morgenpost Online: „Das ist ein ernsthaftes Angebot.“ Ohne seine deutschen Beteiligungen könne sich GM auf sein Kerngeschäft konzentrieren. „Wir haben die Kompetenz, Opel in Deutschland weiterzuentwickeln“, sagte Asbeck.

Auch auf die Frage, warum GM ausgerechnet seine üblicherweise florierenden deutschen Werke verkaufen soll, hat der Sonnenstromer eine Antwort: „Man kann nur etwas losschlagen, was einen Wert hat.“ Und weiter: „Wenn die Braut eine Mitgift kriegt, können wir das stemmen.“ Asbeck will aus Opel den ersten „grünen“ Autokonzern machen. Er träumt von einem integrierten Riesen, der von der Solarzelle, über die Sonnentankstellen bis zum Öko-PKW alles liefert. Im Zentrum steht der Bau von Elektrofahrzeuge wie dem „Volt“, der derzeit in Rüsselsheim entwickelt wird.

Doch kann das überhaupt funktionieren? Tatsächlich hat Asbeck Erfahrungen mit spektakulären Deals. Als Selfmade-Unternehmer machte er aus seiner Bonner Sonnen-Klitsche innerhalb kurzer Zeit einen Milliarden-Konzern. Erst vor zwei Jahren überredete Asbeck den Ölmulti Shell, ihm die komplette Solarsparte sowie 100 Mio. Euro zu schenken. In der Folge hat Asbeck die Ex-Shell-Sparte an Standorten in den USA modernisiert und in die schwarzen Zahlen geführt. Zuvor hatte Solarworld die Solarfabrik in Gelsenkirchen von Shell samt Millionen-Bonus übernommen.

General Motors (GM) erteilte einer Trennung von seiner Tochter Opel eine klare Absage. „Opel steht nicht zum Verkauf“, sagte ein Konzern-Sprecher. Solche Überlegungen seien „pure Spekulation“.

Am Aktienmarkt sorgte der Vorschlag zunächst für Verwunderung. „Ich halte das nicht für realistisch und ist wahrscheinlich auch nicht politisch gewollt, da stünden einfach zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagte ein Börsianer. Doch zumindest der Markt nahm die Nachricht ernst. Die Solarworld Aktie geriet stark unter Druck.