Das Wintergeschäft sei „bereits sehr gut gelaufen", sagte Laepple Morgenpost Online. Zurückhaltung erwartet Laepple lediglich bei den Kurzreisen. In der gegenwärtigen Situation werde „so mancher eine Kurzreise übers Wochenende noch mal überdenken. Da wird ja oft mehr Geld ausgegeben als für eine Woche Pauschalurlaub auf Mallorca.“ Unter dem Strich werde die Branche bei den Pauschalreiseveranstaltern aber wie im Vorjahr voraussichtlich um die drei Prozent beim Umsatz zulegen. Besonders gut liefen derzeit vor allem Kreuzfahrten. „Die wachsen derzeit zweistellig.“
Damit nährt Laepple die Hoffnung, dass die krisenanfällige Tourismusbranche die Finanzkrise glimpflicher übersteht als nach den Anschlägen in den USA. Damals verbuchten die deutschen Veranstalter innerhalb von zwei Jahren Umsatzeinbußen von insgesamt knapp 15 Prozent und brauchten Jahre, um wieder an das Rekordniveau aus dem Jahr 2001 anzuschließen.
Genaue Zahlen, wie das gerade zu Ende gegangene touristische Reisejahr 2007/2008 (Oktober 2008) gelaufen ist, will der DRV auf seiner Jahrestagung am heutigen Donnerstag in Budapest veröffentlichen. Das Interview im Wortlaut:
Morgenpost Online: Wird schon beim Urlaub gespart?
Klaus Laepple: Es gibt derzeit keine markanten Auswirkungen auf das Urlaubsverhalten der Deutschen. Über das Sommergeschäft 2009 können wir zum jetzigen Zeitpunkt zwar fast nichts sagen, denn es kann erst seit kurzem gebucht werden. Der Winter ist in diesem Jahr aber bereits sehr gut gelaufen. Ende September hatten wir beim Umsatz ein Plus von 31 Prozent, weil die Kataloge vier Wochen früher als im Vorjahr im Reisebüro lagen. Natürlich relativieren sich jetzt die Buchungseingänge auf ein Normalniveau. Unter dem Strich werden wir bei den Pauschalreiseveranstaltern aber wie im Vorjahr voraussichtlich um die drei Prozent beim Umsatz zulegen. Überproportional werden sich auch in diesem Jahr Studienreisen und Kreuzfahrten entwickeln. Die wachsen derzeit zweistellig. Die Deutschen entwickeln sich immer mehr zu einem Volk von Seefahrern.
Morgenpost Online: Werden die Deutschen weiterhin so oft in Urlaub fliegen wie bisher?
Laepple: In der gegenwärtigen Situation wird mancher eine Kurzreise übers Wochenende noch mal überdenken. Da wird ja oft mehr Geld ausgegeben als für eine Woche Pauschalurlaub auf Mallorca.
Morgenpost Online: Der Ölpreis ist gesunken. Jetzt müssten doch die Reisepreise purzeln.
Laepple: Die Kerosinzuschläge müssen auf jeden Fall angepasst werden. Sonst ist es natürlich sehr schwierig, Reisepreise von Jahr zu Jahr zu vergleichen. Zwar haben die Veranstalter angekündigt, dass die Preise für den kommenden Sommer in einigen Zielgebieten angehoben werden. Allerdings waren in diesem Jahr auch die Kerosinzuschläge ziemlich hoch. Realistisch gerechnet müsste es, wenn der Ölpreis nicht wieder steigt, gleich teuer oder sogar billiger werden.
Morgenpost Online: Die Konsolidierungsversuche der deutschen Fluggesellschaften sind alle gescheitert. Ist das gut oder schlecht für die Kunden?
Laepple: Ein breites Angebot ist für die Kunden immer am besten.
Morgenpost Online: Easyjet und Ryanair prognostizieren trotzdem, dass sie als stärkste Player übrig bleiben werden.
Laepple: Das ist Wunschdenken. Ich finde es bemerkenswert, dass kleinere Fluggesellschaften wie Hamburg Airlines oder Blue Wings ihre Kapazitäten gerade ausbauen.
Morgenpost Online: Billigflieger setzen beim Vertrieb aufs Internet. Auch Reiseveranstalter würden gern die starre Preisbindung bei Pauschalreisen aus dem Katalog aufheben und mehr zu Tagespreisen verkaufen. Warum sind Sie dagegen?
Laepple: Viele Veranstalter würden künftig am liebsten mit Ab-Preisen in den Katalogen arbeiten. Das ist rechtlich unzulässig. Allerdings: Es ist jetzt möglich, die Preise auch für die Endkunden anzuheben, wenn Veranstalter Flugsitze und Hotelzimmer zu höheren Preisen nachkaufen müssen. Die Endkunden müssen aber vor Vertragsabschluss den neuen Preis kennen.
Morgenpost Online: Veranstalter machen wieder mehr Reisebüros auf. Ein Indiz für eine Renaissance der Reisebüros?
Laepple: Das ist so. Natürlich sind im laufenden Jahr wieder Reisebüros geschlossen worden. Wir haben aber gleichzeitig 500 Neueröffnungen gehabt. Ich finde es erstaunlich, wie viele junge Unternehmer den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen sind.




