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Billigflieger Ryanair darf Tickets stornieren

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Hannelore Crolly

Foto: dpa

Bedauerlich, aber zulässig, so lautet das Urteil von EU-Juristen: Billigflieger Ryanair darf tatsächlich Tausende von Tickets, die über Drittanbieter verkauft wurden, stornieren. Die spanische Vermittlungsagentur eDreams will trotz des Urteils die Anerkennung der Buchungen vor Gericht einklagen.

Ryanair bietet seine Leistungen nur noch über die eigene Internet-Seite oder seine – Callcenter an. Flugscheine, die von Fremdanbietern ausgestellt wurden, sind ab 25. August ungültig. Die Entscheidung sei zwar bedauerlich, verstoße aber nicht gegen europäisches Recht, sagte EU-Kommissionssprecher Ton Van Lierop. „Grundsätzlich steht es dem Unternehmen frei, seine Buchungspolitik selbst zu bestimmen, so lange es transparent geschieht.“ Er appellierte aber an Ryanair, die bereits bestätigten Buchungen anzuerkennen. Die spanische Internet-Agentur eDreams will das sogar bei Gericht einklagen. Ryanair handle mit der einseitigen Stornierung „verantwortungslos und fahrlässig.“

Mit seiner ungewöhnlichen Entscheidung will die irische Gesellschaft gegen sogenannte „Screenscraper“ vorgehen. Bei dieser Methode übernehmen Internet-Agenturen wie eDreams, eBookers, ferien.de oder Bravofly Buchungsdaten in ihr System und vermitteln damit Reisen. Ryanair-Chef Michael O'Leary, bekannt für seine markigen Sprüche an der Grenze zur Beleidigung, hält diese Agenturen für „das Online-Äquivalent zu Kartenschwarzhändlern“. Sein Vorwurf: Die Internet-Anbieter verzerrten die günstige Preisstruktur von Ryanair, indem sie zusätzliche Gebühren verlangten. Außerdem werde das Markenzeichen von Ryanair geschädigt, weil Passagiere oft bei Flugverschiebungen nicht informiert würden. Häufig seien auch Aufschläge etwa für Reisegepäck nicht eindeutig ausgewiesen. Das Personal von Ryanair müsse sich dann mit den Beschwerden herumärgern.

Verkaufschefin Sinead Finn riet Kunden, sich wegen der Rückerstattung der Kosten an den jeweiligen Internet-Anbieter zu wenden. „Wir haben bereits begonnen, das für die Tickets bezahlte Geld an die Internet-Agenturen zurückzugeben, damit diese es ihren Kunden erstatten können.“ Auch laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist bei Problemen der jeweilige Vertragspartner die richtige Adresse, nicht die Fluggesellschaft. Wer dennoch nach dem 25.August mit Ryanair fliege wolle, müsse noch einmal direkt bei der Airline buchen, betont Ryanair.

In der Reisebranche stößt der Schritt auf Unverständnis. „Ryanair entzieht sich einem direkten Preisvergleich“, kritisierte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Dadurch, dass Ryanair anderen Online-Anbietern oder Reisebüros verbiete, in Preisvergleichssystemen gelistet und buchbar zu sein, sei kein direkter Vergleich mit anderen Fluggesellschaften mehr möglich. „Es ist schon erstaunlich, dass dies gerade jetzt in Anbetracht der wirtschaftlich schwierigen Situation der Airlinebranche passiert.“

Anbieter Bravofly gibt sich gelassen. „Wir wollen erst mal abwarten und sehen, ob die wirklich so töricht sind und ihre eigenen Passagiere am Boden stehen lassen“, sagte Sprecherin Rosangela Leone. Auch andere Beobachter halten für möglich, dass die Entscheidung in erster Linie Aufmerksamkeit erregen soll. Die irische Airline und ihr streitbarer Chef sind schließlich bekannt dafür, mit ungewöhnlichen Aktionen um Publicity zu kämpfen.