Die Börsen in Asien und den USA haben sich erneut auf Sturzflug begeben: Der japanische Nikkei-Index brach um 11,41 Prozent auf 8458,45 Punkte ein. Das ist zweithöchste Verlust in Prozent überhaupt. Den mit 14,90 Prozent höchsten Verlust hatte der Nikkei am 20. Oktober 1987 gesehen. Der breit gefasste TOPIX stürzte um 90,99 Punkte oder 9,52 Prozent auf den Stand von 864,52 Punkten.
Der Dow-Jones-Index an der Wall Street war zuvor um 7,87 Prozent auf 8577 Punkte abgesackt - der schlimmste Tag seit dem Börsencrash 1987. Auch die Börsen in Hongkong, Shanghai, Taiwan, Singapur, Südkorea und Australien verbuchten kräftige Verluste.
„Tokio folgt den Vorgaben aus New York“, sagte Börsenexperte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. „Die Anleger werfen Aktien in großen Mengen auf den Markt.“ Man müsse von Panikverkäufen sprechen. Exportwerte wie Toyota litten zusätzlich unter einem stärkeren Yen. Die Aktie des Autogiganten büßte 6,3 Prozent ein. Die Papiere des Elektronnikriesen Sony verloren 9,6 Porzent. Die Furcht vor den Folgen der Finanzkrise hatte den Nikkei in der vergangenen Woche 24 Prozent abrutschen lassen. Allein am Freitag erlitt der Leitindex mit einem Minus von knapp zehn Prozent den größten Tagesverlust seit rund 21 Jahren. Nach den weltweiten Rettungspaketen vom Wochenende hatte der Nikkei dann am Dienstag mit einem Kurssprung von mehr als 14 Prozent den größten Tagesgewinn seiner fast 60-jährigen Geschichte erzielt.
US-Anleger fürchten, dass die bisherigen Maßnahmen zur Beilegung der Finanzkrise und Lockerung der Kreditklemme nicht ausreichten, um eine weltweite Abkühlung der Konjunktur abzuwenden. Die Sorgen wurden durch skeptische Äußerungen von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke über den Zustand der Wirtschaft und schwache Konjunkturdaten zusätzlich angeheizt. Er nährte damit Hoffnungen auf eine Zinssenkung. Die Krise bremse durch eine eingeschränkte Vergabe von Krediten an Firmen, Verbraucher und staatliche Ebenen die Wirtschaftsleistung, sagte der Fed-Chef. „Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge nutzen, um das Funktionieren des Marktes und die Liquidität zu verbessern.“
Die Rezessionsängste wurden durch aktuelle Daten zum Einzelhandel geschürt. Vor allem wegen der schleppenden Auto-Nachfrage ging der Umsatz im September binnen eines Monats um 1,2 Prozent zurück – das größte Minus seit drei Jahren. Die Einzelhandelsdaten gelten als wichtiger Indikator für die weltgrößte Volkswirtschaft. Entsprechend gaben die Papiere von Wal-Mart 8,06 Prozent nach. Die Titel des Baumaschinen-Herstellers Caterpillar verloren sogar 11,4 Prozent.
Bei den Banken konnten sich die Titel von JP Morgan und Wells Fargo nach Vorlage ihrer Geschäftsberichte nicht gegen den allgemeinen Abwärtstrend behaupten. Die Aktien von JPMorgan verloren rund 5,5 Prozent, Wells Fargo notierten um 0,5 Prozent schwächer. Auch Citigroup-Papiere büßten 12,8 Prozent ein, die Anteilsscheine von Morgan Stanley verloren sogar 16,3 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 9,03 Prozent auf 907 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 8,47 Prozent auf 1628 Punkte. In Frankfurt hatte der Dax am Mittwoch 6,5 Prozent schwächer bei 4861 Punkten geschlossen.
Die Rezessionsangst hat auch Auswirkungen auf den Ölpreis: London wurde Nordseeöl der Sorte Brent für ein Barrel (159 Liter) zeitweise unter 70 Dollar gehandelt. Bei Handelsschluss lag die Sorte bei 70,80 Dollar, 3,73 Dollar weniger als am Vortrag. An der New Yorker Börse Nymex fiel die Sorte „Light Sweet Crude“ aus dem Novemberkontrakt auf 74,54 Dollar. Im Juli lag der Preis für ein Barrel noch bei 147 Dollar.
Reuters/dpa/AP/lw





