Der Vorstandsvorsitzende des in Schieflage geratenen Staats- und Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, Georg Funke, tritt zurück. Funke verlasse mit sofortiger Wirkung die Gruppe und habe alle Mandate niedergelegt, teilte der Dax-Konzern mit. Über eine Nachfolge werde noch am selben Tag entschieden.

Politiker und angeblich auch Vertreter der Bankbranche hatten den Rücktritt Funkes gefordert, nachdem bekannt geworden war, dass der Refinanzierungsbedarf des Münchener Hypothekenfinanzierers höher ist als bislang bekannt. Das Rettungspaket von Bund und Banken musste daraufhin am Sonntag neu geschnürt werden und wurde von 35 Milliarden auf 50 Milliarden Euro erhöht.

Aktionärsschützer werfen dem Management schwere Fehler vor und prüfen eine Anzeige. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag. Es bestehe der Verdacht, dass das Unternehmen die Aktionäre in der vergangenen Woche zu spät über die Krise informiert habe.

"Über eine Nachfolge in der Position des Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate Holding AG wird der Aufsichtsrat noch heute entscheiden“, heißt es in der Mitteilung. Nach Informationen mehrere Zeitungen soll der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt neuer Chef des angeschlagenen Immobilienfinanziererswerden. Wieandt ist bei Deutschlands größtem Geldhaus unter anderem für die Beteiligungen des Konzerns zuständig.

Er stammt aus einer angesehenen Bankerfamilie und hat beste Kontakte in der Branche.Sein Vater Paul Wieandt, der im vergangenen Jahr starb, war unter anderem Chef der BfG und Sanierer der Schmidt-Bank. Commerzbank-Chef Martin Blessing ist der Schwager Axel Wieandts.

Lesen Sie auch: Georg Funke wollte das Debakel nicht wahrhaben

.

str/ddp/Reuters/dpa