Wohl dem, der nicht an der Börse ist. Bosch zum Beispiel. Oder die Schaeffler-Gruppe. Für beide hat mit der aktuellen Börsenkorrektur die Einkaufssaison begonnen und die wird weidlich genutzt. Denn während ihnen selbst niemand etwas anhaben kann, weil ihre Firmenanteile in sicheren Händen liegen, können sie an der Börse auf Schnäppchenjagd gehen. Bosch ist mit dem Kauf von Ersol in die Solartechnik eingestiegen und Schaeffler hat in dieser Woche die Übernahme von knapp 50 Prozent an Continental unter Dach und Fach gebracht und steigt damit in die Top-Liga der Autozulieferer auf.

Der Zeitpunkt für die Übernahmeaktivität kommt nicht von ungefähr. Die Börsen leiden unter starken Kursrückgängen und den sonst als Kaufkandidaten auftretenden Private-Equity-Häusern fehlt wegen der schwelenden Finanzkrise die Möglichkeit um das Geld für größere Deals aufzunehmen. Ablesbar ist das auch an den Zertifikaten auf die LPX-Indizes, in denen die größten börsennotierten Private-Equity-Gesellschaften versammelt sind. Bei diesen hat die Finanzkrise böse Spuren hinterlassen. Das LPX Major Markets-Zertifikat von ABN Amro beispielsweise hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 30 Prozent an Wert verloren (WKN: ABN93H). Kaum besser steht es um einige der M&A-Zertifikate, in denen nach bestimmten quantitativen Kriterien eine Auswahl an potenziellen Übernahmekandidaten zusammengestellt wird. Und auch hier führt eine ABN-Strategie die Verliererliste an. Der ABN M&A Europe-Index hat trotz zunehmender Übernahmeaktivität rund 35 Prozent eingebüßt (WKN: ABN40A). Übertroffen wird dies nur noch von einem auf Finanztitel fokussierten M&A-Banken-Basket der Société Générale, der auf Jahressicht um beinahe 40 Prozent eingebrochen ist (WKN: SG02MA).


Als erfolgreicher erwies sich ein von der Deutschen Bank zusammengestellter Basket mit potenziellen Übernahmezielen. Mit einem moderaten Minus von zwölf Prozent ist das Corporate-Event-Zertifikat derzeit das einzige Papier, das sich auf Jahressicht besser behaupten konnte als der Dax. Zu verdanken ist dies auch Continental, die einer von 20 Kandidaten sind, bei denen die Strategen der Deutschen Bank schon vor über einem Jahr entsprechende Aktivitäten erwartet hatten (WKN: DB8AVU).

Als vergleichsweise erfolgreich erweisen sich aber auch die nicht nach mathematischen, sondern nach individuellen Kriterien zusammen gestellten M&A-Portfolios von HSBC Trinkaus und Sal. Oppenheim. Beide haben sich besser gehalten als der Gesamtmarkt und zeigen damit den erwünschten Mehrwert der Strategie. Dass das so ist, liegt daran, dass hier nicht nur aus dem immer gleichen Topf der großkapitalisierten Werte geschöpft wird, sondern nach aussichtsreichen Kandidaten für Übernahmen gesucht wird. Kurzfristiger Ranking-Spitzenreiter ist derzeit der Special-Situations-Basket von HBSC, der im letzten halben Jahr nur etwa vier Prozent verloren hat, während alles andere, was mit Aktien zu tun hat, tief dunkelrot aussieht. Zu den Werten in dem aktiv geführten Portfolio gehören unter anderem Premiere, Stada, MLP und TUI (WKN: TB0KZR).