Kaum wurde die Anlageklasse Rohstoffe totgesagt, scheint ihr bereits wieder neues Leben eingehaucht. Durch ein deutliches Plus zum Wochenschluss markierte der aus 19 Werten bestehende Reuters/Jefferies CRB Index den stärksten Wochenanstieg seit 33 Jahren. Insbesondere der Ölpreis hat sich mit dem Sprung über die 120-Dollar-Marke zurückgemeldet. Nach Meinung der Analysten von Goldman Sachs ist die zuletzt ins Stocken geratene Rallye damit wieder aufgenommen. Bis zum Jahresende soll Rohöl bis auf 149 Dollar steigen. Für 2009 ist wieder von der 200-Dollar-Marke die Rede. Als Grund verweisen Strategen auf eine weltweit steigende Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem Angebot.
Aktuell beflügeln den Ölpreis aber wohl eher die sich zuspitzende Finanzkrise in den USA sowie die Spannungen im Kaukasus und der sich dadurch verschärfende Konflikt zwischen den USA und Russland. Auch das Ende der Olympischen Sommerspiele könnte den Ölpreis stützen. Weil in China zuletzt alles auf dieses Ereignis fokussiert war, rechnen Marktteilnehmer jetzt wieder mit einem deutlichen Anstieg der Rohstoffnachfrage aus dem Reich der Mitte.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Analysten, die aufgrund der sich abkühlenden Weltkonjunktur mit einem fallenden Ölpreis rechnen. Die Commerzbank zum Beispiel sieht das fundamental zu rechtfertigende Preisniveau zwischen 80 und 100 Dollar je Barrel. Auch ein kurzzeitiges Unterschreiten dieses Preisbandes sei möglich.
Solch völlig konträre Prognosen machen es dem Anleger natürlich schwer, die richtige Investitionsentscheidung zu treffen. Wer sich dabei nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen will, findet in Zertifikaten geeignete Alternativen. Zum Beispiel das von der Raiffeisen Centrobank zur Zeichnung angebotene Bonus-Zertifikat 4 auf den Ölpreis der Marke Brent. Hier wird am Ende der dreijährigen Laufzeit ein fixer Bonusbetrag von 140 Euro ausgezahlt, wenn Öl auf Schlusskursbasis zu keinem Zeitpunkt die bei 60 Prozent platzierte Barriere verletzt. Bei einem Ausgabekurs von 102 Euro winkt damit auch bei stagnierenden oder bis zu 40 Prozent fallenden Notierungen eine Rendite von gut elf Prozent pro Jahr. Wird die Barriere allerdings berührt oder unterschritten, drohen Verluste in Höhe des Ölpreisrückgangs (WKN: RCB0SU).
15 Prozent nach 18 Monaten
Deutlich geringer ist das Risiko bei der Korridor-Garant-90-Anleihe der Credit Suisse auf die Ölsorte WTI. In gut 18 Monaten winkt hier ein Bonus von 15 Prozent (8,8 Prozent Rendite), wenn der Ölpreis während der Laufzeit dauerhaft in einem Korridor zwischen 55 und 165 Prozent seines Startwertes schwankt. Sollte einer der beiden Grenzwerte verletzt werden, ist die Rückzahlung auf 900 Euro festgeschrieben. Das maximale Verlustrisiko beträgt damit gut elf Prozent (WKN: CS0ADY).
Sogar 100 Euro Mindestrückzahlung gibt es bei der seit wenigen Tagen bereits an der Börse gehandelten WTI-Öl-Twin-Win-Garant-Anleihe der Schweizer. Sollte Rohöl während der kommenden 3,5 Jahre nicht auf oder unter die Barriere von 62,57 Dollar je Barrel fallen, wird die absolute Performance des Rohstoffs als Bonus ausgezahlt. Egal, ob der Preis bis dahin 30 Prozent gestiegen oder gefallen ist: Die Auszahlung würde dann beispielsweise 1300 Euro betragen. Sollte die Barriere jedoch verletzt werden, muss der Anleger im Anschluss auf eine kräftige Erholung bis über den Startkurs von knapp 114 Dollar hoffen. Nur dann winken Gewinne, die aber grundsätzlich auf 1450 Euro begrenzt sind, was einer maximalen Jahresrendite von 10,8 Prozent entspricht (WKN: SC0ADT).
Einem ähnlichen Muster folgt die Öl-Win-Win-Anleihe der HypoVereinsbank. Bei Fälligkeit in allerdings erst fünf Jahren ist bei einem Emissionskurs von 102 Euro sogar eine Mindestrückzahlung von 110 Euro garantiert. Zudem liegt die Barriere, die möglichst nicht unterschritten werden sollte, bei 50 Prozent des Startkurses (wird am Montag fixiert). Und nach oben hin partizipieren Investoren an einem Ölpreisanstieg von bis zu 155 Prozent. Aufs Jahr bezogen, wird die Rendite bei Fälligkeit damit auf jeden Fall zwischen 1,5 und 8,7 Prozent liegen (WKN: HV5ACL).
Fazit:
Nach einer starken Korrektur hat sich der Ölpreis wieder gefestigt. Die Zukunft scheint aber offener denn je. Denn die Analysten argumentieren in beide Richtungen. In einem solchen Umfeld spielen Zertifikate ihre Stärken aus. Bei den aktuell angebotenen Produkten können Anleger sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Ölpreisen Geld verdienen. Und müssen dabei zum Teil noch nicht einmal ein Risiko eingehen.


