824 freie Plätze bietet etwa die Ausbildungsplatzbörse der Industrie- und Handelskammer. Mehr als hundert meldet die Handwerkskammer. 8056 Schulabgänger suchen auch nach Beginn des Lehrjahres noch immer einen Ausbildungsplatz.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden zwar um knapp zehn Prozent zurückgegangen, allerdings sank zugleich auch die Zahl der Bewerber. „Die geburtenschwachen Jahrgänge sind bei uns angekommen“, meint Agentursprecher Uwe Mählmann. Gleichzeitig sorgt sich die Wirtschaft um Nachwuchs, denn geeignete Azubis scheinen rar: Oft würden Schulabsolventen die Voraussetzungen für den Berufseinstieg fehlen, klagen viele Betriebe.
„Es ist erschreckend, wie viele Jugendliche zusätzliche Hilfe benötigen, bevor sie fit für eine Ausbildung sind“, meint auch Markus Mücke, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Berlin-Süd. Der größte Teil, der das erste Mal zur Beratung komme, sei auf Anhieb nicht vermittelbar. Auf Defizite stößt Mücke unter anderem bei der Rechtschreibung und beim Rechnen. „Wenn ich einen Jugendlichen nicht einschätzen kann, lasse ich psychologische Tests durchführen, die auch das logische Denkvermögen prüfen.“ Nicht selten zeige sich, dass das Leistungsniveau noch unter der Zeugnisnote liegt: „Es fängt bei den Zensuren an und geht dann bei der Persönlichkeit weiter.“
Jobs für Gering-, oder Nichtqualifizierte gibt es kaum noch
Seit zehn Jahren ist Markus Mücke zuständig für den Bezirk Neukölln. Rund 20 Beratungen pro Woche führt der 45-Jährige durch, zudem betreut er eine Haupt- und zwei Gesamtschulen, die er regelmäßig besucht. „Meine Erfahrungen beruhen auf einer relativ kleinen Auswahl an Jugendlichen und eignen sich kaum für Verallgemeinerungen“, schränkt Mücke ein. Dass sich das Niveau der Schulabsolventen generell verschlechtert habe, könne er nicht bestätigen. „Einen gewissen Anteil an schwer zu vermittelnden Jugendlichen gab es immer.“ Früher jedoch habe die Möglichkeit bestanden, jemanden zumindest „mit einer Schippe auf den Bau“ zu schicken. Doch Arbeitsplätze für Gering-, oder Nichtqualifizierte gebe es kaum noch.
Allerdings machen sich die Jugendlichen offenbar immer später Gedanken über ihre Zukunft – besonders junge Männer. „Einmal kam ein Schulabgänger kurz vor den großen Ferien zu mir und sagte, er bräuchte schnell eine Lehrstelle, weil er gleich für sechs Wochen in den Urlaub fahre.“ Über so eine Einstellung kann sich Mücke nur wundern. „Vielen ist der Ernst der Berufswahl gar nicht klar.“
Auch zwischen Wunschberuf und eigenen Möglichkeiten klaffen häufig erhebliche Lücken. „Der Bezug zur schulischen Leistung wird oft nicht erkannt.“ Als Anregung diene nicht selten das Fernsehprogramm. Sei gerade eine bestimmte Serie angesagt, bei der es etwa um Schönheitsoperationen geht, würden Mädchen trotz eines Hauptschulabschlusses plötzlich Schönheitschirurgin werden wollen, berichtet Mücke. „In der Regel aber sind Mädchen etwas bescheidener als Jungs und nehmen auch eher mal einen Ratschlag an.“
Trotz mancher ernüchternden Erfahrung wird Markus Mücke auch immer wieder positiv überrascht. „Eine Schülerin, die eigentlich Abitur machen wollte, aber die Versetzung nicht geschafft hat, kam mit relativ schlechten Zensuren im August zu mir und suchte eine Lehrstelle“, erinnert er sich. „Nachdem sie sich für eine Ausbildung entschieden hatte, legte sie sich mächtig ins Zeug und bekam noch rechtzeitig eine Lehrstelle als medizinische Fachangestellte.“



