Björn Spindler hat sich selbst überrascht. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker üblicherweise, Spindler brauchte nur drei Jahre, machte seine Abschlussprüfung und hat nun einen Job. Als Geselle arbeitet er beim Bosch-Service Holtz an der Dovestraße in Charlottenburg, seinem ehemaligen Lehrbetrieb.

Chefin Carola Zarth war damals schnell klar, dass ihr Azubi mehr als nur durchschnittlich begabt für den Beruf ist, und riet ihm, die Lehre zu verkürzen. "Er hat frühzeitig bereits selbstständig gearbeitet, besitzt eine schnelle Auffassungsgabe, ist teamorientiert und hat nicht nur die Werkstatt im Blick, sondern alle Betriebsteile", lobt sie.

Ein besonders ehrgeiziger Karrierist ist Spindler indes nicht. "Die Noten in der Berufsschule waren einfach erstaunlich gut. Hatte selbst gedacht, dass es schwieriger sein würde", erinnert sich der 20-Jährige. Eigentlich habe er nach der Schule Fluggerätemechaniker lernen wollen. "Fand ich interessant." Doch für seine rund 25 Bewerbungen gab es nur Absagen. Ein Bekannter aus dem Familienkreis, der selbst als Geselle beim Charlottenburger Bosch-Service arbeitete, habe ihn dann gefragt, ob eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker nicht das Richtige für ihn sei.

Die Möglichkeit, vorzeitig eine Ausbildung im Handwerk abzuschließen, besteht bereits seit 1963. Belastbare Zahlen, wie viele Lehrlinge in Berlin davon pro Jahr Gebrauch machen, lägen bislang nicht vor, sagt Wolfgang Rink, Sprecher der Berliner Handwerkskammer. Für eine Zulassung zur vorgezogenen Gesellenprüfung müssen unter anderem das letzte Berufsschulzeugnis und das Zeugnis der Zwischenprüfung mindestens einen Notenschnitt von 2,4 haben.

Die Vorteile für einen schnellen Abschluss: Während seine Berufsschulkollegen noch die Schulbank drücken mussten, verdiente Spindler bereits das Gehalt eines ausgelernten KFZ-Mechatronikers. Ein Vorbild ist er für Dominic Etter aus Falkensee, zumindest was das Engagement in der Berufsschule angeht, trotzdem nicht unbedingt. "Nein, frühzeitig die Lehre abschließen muss ich nicht", findet der 21-Jährige. In der Berufsschule sei er eher Mittelmaß. Wie Spindler ist auch Etter über Bekannte zum Bosch-Service von Carola Zarth gekommen.

Seit 78 Jahren existiert der Familienbetrieb nahe dem Ernst-Reuter-Platz. Derzeit beschäftigt die Werkstatt für Auto-Elektrik sieben Mitarbeiter einschließlich der Lehrlinge. Angeregt durch die Handwerkskammer pflegt Chefin Zarth eine Partnerschaft zu der Elisabeth-Realschule in ihrem Bezirk, stellt dort im Unterricht ihre Branche vor, lädt Schülergruppen zu Besuchen in ihrem Betrieb ein.

Mancher Azubi scheint den Ernst der Lehre nicht erfasst zu haben. Das zumindest zeigen die Erfahrungen von Spindler. "In meiner Berufsschule gab es viele, die einfach keinen Bock hatten, den Unterricht störten und damit die, die wirklich etwas lernen wollten, behindert haben." Die meisten davon seien heute allerdings arbeitslos, berichtet der ehemalige Muster-Lehrling.