Die europäischen Börsen haben mit Kursgewinnen auf die deutlich sinkenden Ölpreise reagiert. Die maßgeblichen Ölpreise rutschten unter die 120-Dollar-Marke und lagen damit nahe dem Dreimonatstief. So fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zeitweilig unter 117 Dollar.
Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg gegen Mittag um 2,25 Prozent auf 6492,39 Zähler und setzte sich deutlich vom Tagestief bei 6342 Punkten ab. Händler verwiesen übereinstimmend auf die Entspannung am Ölmarkt. Ein Händler sagte: „Die Ölpreise sind gestern schon gefallen, am Markt hatte dem aber noch niemand Rechnung getragen. Nun holt die Börse das nach.“ Der US-Rohölpreis war am Vortag zeitweilig um rund fünf Dollar gefallen.
Im Dax ragten die Adidas-Aktien mit einem Plus von 6,6 Prozent auf 40,91 Euro hervor. „Das ist ein starker Satz von Ergebnissen“, kommentierte Equinet-Analyst Ingbert Faust, der seine Kaufempfehlung bekräftigte. Der Sportausrüster hatte im zweiten Quartal den Konzerngewinn um zwölf Prozent auf 116 Millionen Euro gesteigert. Unterstützung bekam der Dax auch von der anspringenden Nachfrage nach Autowerten, die auch vom fallenden Ölpreis ausging. Daimler legten fünf Prozent zu. Immer wieder gebe es Spekulationen, wonach Hedgefonds den relativ günstigen Kurs zum Aufbau von Positionen nutzten. Auch VW stiegen um über drei Prozent und die zuletzt arg gebeutelten BMW-Aktien um 2,9 Prozent.
Der EuroStoxx 50 stieg um 1,80 Prozent auf 3348,31 Punkte. Der Stoxx 50 gewann 1,47 Prozent auf 2865,45 Zähler. Der französische Cac-40-Index stieg um 1,28 Prozent auf 4335,44 Zähler. In London kletterte der FTSE 100 um 1,20 Prozent auf 5383,80 Punkte. Die Börsianer warteten gespannt auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend. Die Notenbanker dürften Analysten zufolge den Leitzins bei zwei Prozent belassen.
Händler begründeten den jüngsten Rückgang der Ölpreise mit der Aussicht auf eine sinkende Ölnachfrage in den USA und auf ein höheres Angebot. Darüber hinaus hatte der Iran auf Vorschläge der internationalen Gemeinschaft zur Beilegung des Streits um das Atomprogramm Teherans geantwortet. Einzelheiten über den Inhalt wurden zunächst nicht bekannt. „Es scheint, als verliere der Markt das Interesse an Themen wie geopolitischen Anspannungen und Entwicklungen des Wetters, die den Ölpreis zuletzt gestützt haben“, erklärte Rohstoff-Analyst Edward Meir von MF Global.
Stattdessen rücke die immer unausgewogenere Angebots-Nachfrage-Situation stärker in den Blick der Marktteilnehmer. Sollten in Zukunft weitere Daten auf eine fallende Nachfrage hindeuten, könnte der Ölpreis schon bald in Richtung 100 Dollar fallen, sagte McPhail. Am späten Dienstagvormittag betrug der Preis für das Fass WTI 119,30 Dollar und damit 1,7 Prozent weniger als am Vorabend.
Mit Spannung warteten die Märkte zudem auf Aussagen der US-Notenbank Fed, die am Abend nach Einschätzung von Analysten die Zinsen unverändert lassen wird. Wie üblich werde aber die Lagebeurteilung zur Konjunktur sehr genau gelesen werden, sagten Händler. Zinsentscheidung und Kommentar werden nach Handelsschluss in Europa veröffentlicht.
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Reuters/dpa/ras/dma




