Einzelhandel

Karstadt-Warenhäuser schreiben rote Zahlen

Auch Thomas Middelhoffs Konzept für Warenhäuser scheint nicht aufzugehen. Das dritte Mal in Folge schreiben die Karstadt-Warenhäuser tief rote Zahlen. Ein Programm zur Effizienssteigerung soll es nun richten. Der Mutterkonzern Arcandor muss eine Gewinnwarnung herausgeben und bekommt dafür die Quittung von den Aktionären.

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Das Geschäftsmodell der Warenhäuser geht derzeit hierzulande nicht mehr auf. Nach den Insolvenzen der ehemaligen Karstadt-Töchter Hertie und SinnLeffers in den vergangenen Wochen hat der Handels- und Reisekonzern Arcandor seine Bilanz vorgestellt. Und es könnte kaum schlimmer sein. Die Warenhaustochter Karstadt wird immer mehr zum Sorgenkind für den Touristik- und Handelskonzern Arcandor. Kostenprobleme und die anhaltende Konsumflaute bescherten der Warenhauskette im dritten Quartal tiefrote Zahlen. Das zwang den Essener Konzern, seine mittelfristige Ergebnisprognose deutlich zu senken.

Konzernchef Thomas Middelhoff kündigte deshalb ein neues Effizienzsteigerungsprogramm für den Warenhausbereich an. „Wir sind der Meinung, wir sollten da nochmals richtig durchkehren“, sagte er bei der Vorstellung der Zwischenbilanz. Dies werde nicht ohne Personalabbau gehen, ergänzte Finanzvorstand und Karstadt-Aufsichtsratschef Peter Diesch.

Karstadt hatte sich im dritten Quartal deutlich schlechter entwickelt als erhofft. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) verschlechterte sich auf 51 Millionen Euro. Der Verlust war damit gut sechs Mal so groß wie im Vorjahreszeitraum.


Die Entwicklung der anderen Arcandor-Geschäftsbereiche – der Touristiktochter Thomas Cook und der Versandhandelstochter Primondo - verlief dagegen positiv. Thomas Cook verbesserte das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) trotz des dramatischen Kerosinpreis-Anstiegs der vergangenen Monate um rund 4 Prozent auf 104 Millionen Euro. Primondo steigerte das Ergebnis um 19 Millionen Euro und schrieb eine schwarze Null.


Doch dies kann den Einbruch bei Karstadt nicht kompensieren, so dass das bereinigte Ebitda der operativen Bereiche des Konzerns im dritten Quartal mit 53 Millionen Euro um gut 27 Prozent unter dem Vorjahr lag. Insgesamt wies der Konzern für das dritte Quartal unter dem Strich einen Verlust von 119 Millionen Euro aus. Der bereinigte Umsatz verringerte sich wechselkursbedingt um 4,1 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.


Middelhoff bestätigte zwar das Jahresziel eines bereinigten operativen Ergebnisses von mehr als 800 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2007/2008. Doch senkte der Konzern angesichts der veränderten konjunkturellen Rahmenbedingungen und insbesondere der Ergebnisschwäche im Warenhausgeschäft seine Prognose für das Geschäftsjahr 2008/2009. Hatte der Konzern bisher eine Steigerung des Ergebnisses der operativen Bereiche auf 1,3 Milliarden Euro angekündigt, so erwartet er nun einen „Ergebniszuwachs auf mehr als 1,1 Milliarden Euro“.

Keine großen Belastungen erwartet der Konzern aus den Insolvenzverfahren seiner früheren Tochterunternehmen Hertie, Sinn-Leffers und Wehmeyer. Die Belastung aus Mietgarantien und ausstehenden Zahlungen für Warenlieferungen werde sich maximal auf einen „unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen, sagte Middelhoff.

Die Aussicht auf schlechter laufende Geschäfte hat die Aktien von Arcandor schwer belastet. Die Titel führten mit einem Verlust von 8,7 Prozent die Verliererliste im MDax an. „Der Nachrichtenfluss ist schon seit einiger Zeit nicht unbedingt positiv, jetzt kommt die Gewinnwarnung dazu, und die allgemeine Konsumlaune in Deutschland stimmt nun auch nicht unbedingt optimistisch“, sagte ein Händler.