Ein rabenschwarzer Tag für Hertie-Mitarbeiter: Die Kaufhauskette Hertie hat Insolvenz angemeldet. Gespräche über eine finanzielle Restrukturierung des Unternehmens beziehungsweise über eine Zwischenfinanzierung seien gescheitert, teilte der Konzern mit dem Traditionsnamen am Donnerstag in Essen mit. Laut der Gewerkschaft Ver.di sind 4.500 Beschäftigte in 73 Filialen betroffen. Das Unternehmen spricht von 4100 Mitarbeitern. In Berlin gibt es drei Hertie-Warenhäuser: in Tegel an der Berliner Straße, in Moabit an der Turmstraße und in der Schöneberger Hauptstraße.


Die Gespräche über die Finanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter sollten zügig aufgenommen werden, teilte Hertie mit. Unter diesem Namen werden die kleinen Karstadt-Warenhäuser weitergeführt, die der damalige Karstadt-Konzern 2005 verkauft hatte. Die Hertie-Häuser befinden sich vor allem in mittelgroßen Städten mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland.

Hertie-Geschäftsführer Mark Rahman zeigte sich trotz des Insolvenzantrags optimistisch: Die Insolvenzordnung biete zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren "und somit eine gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen". Das Unternehmen habe klare Vorstellungen, wie die operative Restrukturierung in der Insolvenz zügig fortgesetzt werden solle. Man plane, das Konzept des Nachbarschaftskaufhauses neu zu beleben, sagte Vertriebsleiter Erik van Heuven. Dabei habe man die Unterstützung wichtiger Lieferanten.


Im Zuge des Insolvenzverfahrens sollen offenbar einzelne Häuser auf den Prüfstand kommen: Man wolle "die Rentabilität einzelner Standorte gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einer genauen Analyse unterziehen", hieß es in der Hertie-Mitteilung.


Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium teilte mit, man wolle einen möglichen Konsolidierungskurs bei Hertie konstruktiv begleiten. Hertie habe in den letzten Monaten "intensive Anstrengungen zur Umsetzung der notwendigen Restrukturierung unternommen", sagte Sprecher Joachim Neuser. Geschäftsführung, Gesamtbetriebsrat und Mitarbeiter stünden hinter der neuen Strategie.

Durch die maßgeblich von der Immobilienkrise verursachten Insolvenz von Dawnay Day sei Hertie aber die "notwendige Finanzbasis für die laufende Restrukturierung akut weggebrochen". Somit sei Hertie gezwungen gewesen, selbst einen Insolvenzantrag zu stellen.

Scharfe Kritik von Ver.di

Ver.di-Sekretär Johann Rösch hat den Haupteigentümer den Finanzinvestor Dawnay Day scharf kritisiert. „Die Vertreter von Dawnay Day sind in den Aufsichtsratssitzungen zwar dabei, aber sie haben sich nicht aktiv um eine Lösung der Probleme bei Hertie bemüht“, sagte Rösch der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Der Ver.di-Sekretär ist auch Mitglied des Hertie-Aufsichtsrats.

Der Name Hertie geht auf Hermann Tietz zurück, dessen erstes Warenhaus 1882 in Gera eröffnet wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstand aus dieser Keimzelle einer der größten deutschen Warenhauskonzerne. Doch wurde das Unternehmen 1993 von Karstadt übernommen. Damit war der Name Hertie praktisch aus dem deutschen Handel verschwunden. Nur ein Warenhaus des Karstadt-Konzerns am Münchner Hauptbahnhof trug noch diesen Namen.

Im März 2007 wurden die "Karstadt kompakt"-Warenhäuser dann zu "Hertie"-Filialen. Ausschlaggebend für die Wahl des Namens war nach Unternehmensangaben, dass etwa 80 Prozent der Bürger diese Marke kennen.

AP/dma