Arbeitsvermittlung

BA-Chef Weise findet Jobcenter katastrophal

Schweres Geschütz vom Chef der Bundesagentur für Arbeit: Frank-Jürgen Weise hat die Zusammenarbeit zwischen seiner Behörde und den Kommunen in den Jobcentern als Katastrophe bezeichnet. Deswegen fordert er, dass die Bundesagentur künftig alleine zuständig ist.

Die bundesweiten Arbeitsgemeinschaften, in denen beide Seiten je zur Hälfte Verantwortung trügen, seien „ein Mitternachtsbierdeckelkompromiss von beruflich unerfahrenen Menschen“ gewesen, sagte Weise im Deutschlandradio Kultur.

Er forderte ein neues Modell, in dem die Bundesagentur alleine für Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen zuständig sein solle. Die Kommunen sollten dagegen sozial-integrative Leistungen, die für die Arbeitsaufnahme wichtig seien, zur Verfügung stellen. Als Beispiel nannte er die Kinderbetreuung. Ein klare Aufgabenverteilung sei das viel bessere Modell, als „50 zu 50 über Schreibtischhöhe, Kauf von Briefmarken oder sonst was zu entscheiden“, sagte Weise.


Die Arbeitsgemeinschaften kümmern sich seit der Hartz-IV-Reform um die Leistungen für Langzeitarbeitslose und um ihre Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende Dezember entschieden, dass die bisherige Konstruktion gegen das Grundgesetz verstößt. Es sei eine unzulässige Mischverwaltung von Bundesagentur für Arbeit einerseits und Kommunen andererseits. Bis Ende 2010 muss dies geändert werden. Am Montag treffen sich in Berlin die Arbeits- und Sozialminister von Bund und Ländern zu Beratungen über eine Neuordnung.

Weise zog ansonsten eine positive Bilanz der jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Dauer der Arbeitslosigkeit habe sich in den vergangenen zwei Jahren um ein Drittel verkürzt und liege im Schnitt bei unter drei Monaten. Etwa 900.000 Menschen bekämen allerdings noch immer bis zu zwölf Monate Arbeitslosengeld. Pro Jahr wechselten etwa sieben bis acht Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz.