Letzte Chance zum Steuern sparen! Zumindest im Bereich der Zertifikate. Hier haben Anleger nur noch wenige Tage Zeit, um dem Fiskus noch einmal ein Schnippchen zu schlagen. Steuerfrei bleiben die Gewinne bei neu erworbenen Zertifikaten nämlich nur, wenn die Papiere spätestens am 30. Juni 2009 fällig oder verkauft werden und gleichzeitig die Spekulationsfrist von zwölf Monaten überschritten wurde. Bedeutet im Klartext: Wer seine Gewinne ein letztes Mal vor dem Finanzamt schützen will, der muss jetzt zugreifen.

Vor diesem Hintergrund ist es gar nicht so schlecht, dass die Aktienmärkte in den vergangenen Tagen wieder etwas schwächer notiert haben. Zum einen sind die Papiere dadurch günstiger geworden. Zum anderen sorgt die zunehmende Nervosität unter den Marktteilnehmern für attraktive Konditionen. Das gilt insbesondere bei klassischen Produkten wie Discount- und Bonus-Zertifikaten.

Bei einem noch bis zum 19. Juni 2009 laufenden Discounter von Merrill Lynch winkt zum Beispiel eine Rendite von sechs Prozent, wenn der Dax bei Fälligkeit nicht unter dem Cap von 2000 Punkten notiert. Vom aktuellen Niveau aus darf der Index also noch fast 70 Prozent an Wert verlieren, ohne dass die Rendite in Gefahr gerät (WKN: ML0APD). Bei einem vergleichbaren Zertifikat mit einem etwas höheren Cap von 4000 Punkten (mit Risikopuffer von 40 Prozent) liegt die Gewinnchance bei annualisierten 6,9 Prozent (WKN: ML0APJ).


Noch höhere Renditen sind möglich, wenn Anleger auf bestimmte Einzelwerte setzen. Ein von der Commerzbank aufgelegtes Discount-Zertifikat auf ThyssenKrupp bringt es bei einem Sicherheitspuffer von ebenfalls knapp 40 Prozent auf 9,5 Prozent Maximalrendite. Hier darf die aktuell bei über 40 Euro notierende Aktie am Ende der Laufzeit nicht unter 24 Euro stehen (WKN: CB8VDQ).

Aber es geht noch mehr. Ein Infineon-Discounter bietet bei einem Puffer von rund 44 Prozent (Cap bei 3,50 Euro) die Chance auf über zwölf Prozent Jahresertrag (WKN: CB47MB). Und bei noch "exotischeren" Werten wie dem Solaranbieter Q-Cells sind auf Sicht von gut zwölf Monaten sogar fast 15 Prozent Gewinn möglich, wenn die Aktie nicht um 40 Prozent einbricht (WKN: DB3BNE).

Für alle Discounter gilt, dass ausschließlich der Kurs der jeweiligen Aktie am Bewertungstag über die Höhe der Rückzahlung entscheidet. Liegt dieser auf oder über dem Cap, wird der entsprechende Höchstbetrag ausgezahlt. Notiert die Aktie darunter, kommt es zur Einbuchung der Aktie ins Kundendepot oder der Zahlung eines entsprechenden Geldbetrags. Verluste drohen daher nur, wenn der Titel unter dem Einstiegskurs des Zertifikats liegt. Was während der Laufzeit passiert, ist für den Erfolg des Anlegers dabei nebensächlich.

Ganz anders sieht das bei Bonus-Zertifikaten aus. Hier gibt es die anvisierte Bonusrendite nur, wenn der Basiswert während der gesamten Laufzeit über der Barriere notiert. Schon ein einziger Kurs auf oder unter dieser Schwelle zerstört alle Bonusträume. Und dann drohen vergleichsweise hohe Verluste. Während die Discounter nämlich grundsätzlich mit einem Abschlag zum Aktienkurs angeboten werden, entspricht der Kurs eines Bonus-Zertifikats in der Regel ungefähr der aktuellen Aktiennotierung.

Dieses erhöhte Verlustrisiko wird Anlegern aber durch eine spürbar höhere Gewinnchance versüßt. Wer bei ThyssenKrupp statt des hier vorgestellten Discounters ein vergleichbares Bonus-Cap-Zertifikat kauft, kann im Erfolgsfall eine mehr als doppelt so hohe Bonusrendite von über 20 Prozent erzielen. Dafür darf die Barriere bei 24 Euro aber auch nicht ein einziges Mal während der kommenden zwölf Monate verletzt werden. Angenommen diese Wette geht schief und die Aktie notiert am Ende zum Beispiel bei 22 Euro, dann verbucht das Bonus-Zertifikat einen Verlust von schmerzhaften 50 Prozent (WKN: CB05D1).

Der Discounter hingegen wird nahezu zum Kaufkurs zurückgezahlt. Der Rabatt hätte in diesem Fall größere Verluste verhindert.

Alternativ kann der Risikopuffer bei Bonus-Zertifikaten natürlich auch ausgeweitet werden. Bei einer Barriere von 19,50 Euro und einem entsprechenden Puffer von 51 Prozent sind auf Jahressicht immer noch Renditen von 13,6 Prozent möglich, solange sich die Aktie von ThyssenKrupp bis dahin niemals halbiert (WKN: AA0ES4).

Fazit: Anleger, die mit Zertifikaten in den kommenden zwölf Monaten noch steuerfreie Gewinne erzielen wollen, müssen jetzt schnell zuschlagen. Ansonsten verdient das Finanzamt mit. Discount- und Bonus-Zertifikate bieten momentan dank ihres Sicherheitsnetzes attraktive Renditen, auch wenn es an den Börsen nicht nach oben geht. Die Höhe des Risikopuffers bestimmt jeder Anleger selbst. Wer sich dabei verschätzt, muss am Ende jedoch mit Verlusten rechnen.