Im Kampf um die Macht bei Conti entzweit das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe nach Medienberichten die beiden Manager an der Spitze des Konzerns. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ soll sich Conti- Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Unternehmens für die Übernahme durch Schaeffler ausgesprochen haben. Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer kämpft vehement dagegen. Die „FAZ“ beruft sich auf Angaben der Arbeitnehmerseite. Auch das „Handelsblatt“ berichtet von Meinungsverschiedenheiten zwischen Oberaufseher von Grünberg und Conti-Chef Wennemer.

Übereinstimmend von mehreren Kontrolleuren habe die Zeitung erfahren, dass von Grünberg bei der Sitzung des Gremiums Sympathie für Schaefflers Übernahmeplan erkennen ließ. Von Grünberg werde mit den Worten zitiert, eine Übernahme sei nicht mehr zu verhindern und man dürfe jetzt kein Feindbild aufbauen. Er solle dafür geworben haben, Gespräche mit Schaeffler zu führen, berichtete das „Handelsblatt“.


Wennemer hatte das Übernahmeangebot der fränkischen Schaeffler-Gruppe als „opportunistische Offerte“ abgelehnt. „Wir werden die Unabhängigkeit verteidigen und dafür kämpfen“, hatte der der Vorstandsvorsitzende erklärt. Aufsichtsratschef von Grünberg soll dem „Handelsblatt“ zufolge eingeräumt haben, schon vor dem ersten Gespräch zwischen Wennemer und dem Chef der Schaeffler-Gruppe, Jürgen Geißinger, vom Interesse des fränkischen Familienkonzerns erfahren zu haben.


Unterdessen hat Volkswagen-Chef Martin Winterkorn die fränkische Schaeffler-Gruppe vor einer feindlichen Übernahme von Continental gewarnt. Ein Zusammenschluss wäre grundsätzlich positiv, mache aber nur dann Sinn, wenn er nicht gegen den Willen von Conti erfolge, sagte Winterkorn in Wolfsburg. „Was ich nicht positiv sehen würde, wäre wenn hier ein Machtkampf entstünde mit feindlicher Übernahme und solchen Dingen. Das könnte unser Geschäft schädigen.“ Volkswagen ist größter Kunde von Schaeffler und Continental. „Ich hätte ein Problem, wenn die sich ein halbes Jahr lang bekriegen“, sagte Winterkorn.

Der VW-Chef stellte zudem klar, dass sich der Wolfsburger Konzern nicht an einem Zulieferer beteiligen wird. „Sobald wir einsteigen würden, wäre der Zulieferer für andere Automobilbauer blockiert.“ Winterkorn machte damit auch deutlich, dass VW dem Automobilzulieferer und Reifenhersteller aus Hannover nicht als weißer Ritter zur Seite springen wird. Continental sieht die von dem Familienunternehmen aus Franken geplante Übernahme als feindlich an und wehrt sich dagegen. Volkswagen verfügt selbst über mehrere Komponentenwerke mit insgesamt mehr als 30.000 Beschäftigten, in denen Achsen, Motoren und andere Fahrzeugteile produziert werden.

dpa/phj