Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental ist Ziel eines Übernahmeangriffs. Die Herzogenauracher Schaeffler-Gruppe, zweitgrößter Wälzlagerhersteller der Welt, bestätigte ihr grundsätzliches Interesse an einem Engagement bei Conti. „Es hat ein kurzes Gespräch gegeben, und es wird möglicherweise noch weitere Gespräche geben“, sagte Schaeffler-Unternehmenssprecher Detlef Sieverdingbeck. Auch Conti bestätigte einen ersten Kontakt. Details nannten beide Seiten nicht. Medienberichten zufolge plant Schaeffler ein Übernahmeangebot von mehr als 10 Milliarden Euro und soll bei Zurückweisung auch zu einer feindlichen Übernahme entschlossen sein.

Der überraschende Vorstoß des „stillen Riesen“ aus Mittelfranken, der sich als familiengeführtes Unternehmen aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückhält, beim Conti-Konzern beflügelte die Börse. Conti-Papiere setzten sich an die Spitze des Leitindex Dax. Der Aktienkurs, der nach dem Kauf von Siemens VDO im Sommer 2007 um fast die Hälfte geschrumpft war, sprang zwischenzeitlich um fast ein Viertel auf rund 67 Euro. Zugleich wurden Befürchtungen laut, Schaeffler könnte nach einer Übernahme den Konzern zerschlagen, um etwa durch den Verkauf der Reifensparte die Übernahme zu finanzieren.


Die Arbeitnehmervertreter befürchten eine Zerschlagung im Fall einer Übernahme. Angesichts der hohen Schulden von über zehn Milliarden Euro durch die VDO-Übernahme sei eine Übernahme kaum anders zu finanzieren, ist die Sorge.


Der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine kündigte massiven Widerstand der Gewerkschaften an. „Wir werden mit allen Mitteln verhindern, dass ein völlig intransparentes Unternehmen möglicherweise die Continental AG übernimmt und zerschlägt.“ Diese Absicht sei allein finanzpolitisch motiviert. „Den Kauf kann die Familie wahrscheinlich nur schultern, wenn sie die Reifensparte zum Kauf anbietet.“ Auch industriepolitisch mache das keinen Sinn. „Automobilhersteller wollen Komplettanbieter, die den aktuellen Herausforderungen gewachsen sind.“ Conti-Aufsichtsrat Werner Bischoff von der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sagte, er sei von den Berichten überrascht worden, gehe aber davon aus, dass es nun kurzfristig weitere Informationen geben werde.

Die von Maria-Elisabeth Schaeffler kontrollierte Schaeffler-Gruppe ist der weltweit zweitgrößte Wälzlager-Konzern. Der Konzern fertigt Lager unter anderem für Maschinen, Anlagen, die Automobilindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt. Im Jahr 2007 erwirtschaftete die Schaeffler-Gruppe mit ihren drei Marken INA, LuK und FAG und ihren weltweit 66.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro.

Der Continental-Konzern ist wesentlich größer und gehört mit einem anvisierten Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro im Jahr 2008 weltweit zu den fünf führenden Automobilzulieferern. Zu den Produkten zählen Bremssysteme, Systeme und Komponenten für Antrieb und Fahrwerk, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik und Reifen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 150.000 Mitarbeiter an nahezu 200 Standorten in 36 Ländern.

dpa/dma