Der Bundesverband der Verbraucherschützer wirft dem sozialen Netz Facebook erneut einen Verstoß gegen den Datenschutz vor und hat das Unternehmen deswegen abgemahnt.
Facebook biete seit dem Sommer die Nutzung von Apps an, mit denen die Weitergabe persönlicher Daten verknüpft sei, kritisierte der Verband am Montag in Berlin.
Bei der Installation dieser Apps müssten die Nutzer nicht der Weitergabe ihrer Daten einwilligen. Außerdem gebe es keine vollständigen Hinweise, wozu die persönlichen Daten verwandt würden. Apps sind Computerprogramme, etwa für Spiele.
Die Verbraucherschützer monieren, die Anbieter der Apps griffen etwa auf Kontaktdaten, die Freundesliste und die Chats zu. „Ein solche umfassende Datenweitergabe an Dritte, aber auch deren Verwendung ist nach deutschem Recht ohne die bewusste und informierte Einwilligung eines Nutzers nicht erlaubt“, erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Es liege ein Verstoß gegen das Telemediengesetz vor. Der Verband habe Facebook aufgefordert, bis zum 04. September eine Unterlassungserklärung abzugeben.
Im vergangenen März hatten die Verbraucherschützer im Datenschutzstreit einen juristischen Sieg über Facebook errungen. Damals erklärte das Landgericht Berlin den Freundefinder von Facebook für unzulässig. Die Anwendung zur Suche von Bekannten und Kollegen sowie die Geschäftsbedingungen von Facebook verstießen gegen Verbraucherrechte, hieß es.
Albig fordert bundesweite Lösung im Facebook-Streit
Unterdessen fordert Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) im Streit über besseren Datenschutz bei Facebook eine bundesweite Lösung. „Wir brauchen eine einheitliche Strategie, wir wollen keine Insellösung“, sagte Albig am Montag in Kiel. Dafür müssten sich sowohl die Facebook-Betreiber als auch Datenschützer den Argumenten der gegnerischen Seite öffnen.
Die Forderung des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert an die Landesregierung, wegen Datenschutzbedenken ihre sogenannte Fanpage auf Facebook zu entfernen, wies Albig zurück. Der Internetauftritt sei wichtig, um mit Bürgern in Kontakt zu treten. Stattdessen müssten die Internetnutzer verstärkt im kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium geschult werden.
rtr/dpa/bee



