Es gab gratis Kaffee und Wasser. Sogar Animateure hatte der Apple-Konzern engagiert, um die Wartenden bei Laune zu halten. Denn sehr kühl war es, als am Freitagmorgen rund 400 Menschen vor dem Apple-Store am Münchner Marienplatz ausharrten, um das neue iPad des Herstellers zu ergattern .
Ein Österreicher, der seit gestern früh gewartet hatte, erhielt schließlich das erste der neuen Geräte. Ähnliche Szenen spielten sich in den vergangenen Stunden rund um den Globus ab, wo die Geräte jeweils um 08.00 Uhr Ortszeit in den Läden zu haben waren. Die Weltpremiere fand in zehn Ländern statt, darunter auch Frankreich, Japan und Großbritannien.
Vor dem Hamburger Apple Store stellten sich die ersten bereits am Donnerstagabend an. Auch bei anderen Geschäften wie dem Gravis-Store in Berlin bildeten sich lange Schlangen. Etwas verhaltener war die Resonanz in Sydney und Tokio.
Auch Apple-Mitbegründer Steve Wozniak stellte sich in einem Einkaufszentrum in Los Angeles an, um auf sein iPad zu kaufen. „Meine Frau war die erste, ich bin die Nummer zwei“, sagte er in einem nächtlichen Video-Interview des Web-Portals „whatstrending.com“. Er hätte das Gerät zwar auch online bestellen können, aber so habe er die Möglichkeit, ganz normale Leute zu treffen.
Das iPad der dritten Generation bekam unter anderem einen deutlich verbesserten Bildschirm und einen schnelleren Grafik-Prozessor. Videos kann es in voller HD-Auflösung (1080p) aufnehmen. Experten des Web-Portals „ifixit.com“ nahmen das Gerät auseinander und kamen zu dem Schluss, dass das Display mit sogenannter „Retina“-Technik wahrscheinlich von Samsung hergestellt wurde – obwohl Apple sich vor mehreren Gerichten, darunter auch in Düsseldorf, einen erbitterten Patentstreit mit dem koreanischen Hersteller liefert.
Neuordnung des Preisindex
Was Technikfans begeistert , lässt auch Statistiker nicht kalt – zumindest jene, die für die Berechnung der Inflation zuständig sind. In Großbritannien etwa wurde in dieser Woche der neue Preisindex, mit dem auch die Inflation gemessen wird, vorgestellt. Und in diesen Index, bestehend aus 700 Produkten und Services, schaffte es erstmals das iPad. Aber auch der Tablet-Konkurrent Samsung Galaxy ist beliebt genug bei den Briten, um künftig den Preisindex mitzubestimmen.
Viele weitere Produkte zeugen davon, was auf der Insel zurzeit besonders angesagt ist. Die Twilight-Buchsaga um die schöne Bella, die sich in einen 104 Jahre alten Vampir Edward verliebt, gehört schon länger zu den erfolgreichsten Teenagerbuchreihen der Geschichte. Jetzt hat es die Besteller-Reihe in den britischen Preisindex geschafft. Wie in jedem Jahr mussten einige Produkte wegen zunehmender Bedeutungslosigkeit weichen, andere neue Produkte wurden aufgenommen.
Als weitere Neuerungen führten britische Statistiker frische Ananas, Guinness in der Dose, „Weichkäse vom Kontinent“ und Wegwerf-Babytücher ein. Ebenfalls erstmals dabei sind Fritten und Hühnchen zum Mitnehmen. Die Statistiker begründeten die zunehmende Nachfrage nach billigem Fastfood-Essen mit der schlechten wirtschaftlichen Lage in Großbritannien. Wie dabei die Ananas ins Bild passt, erklärten sie nicht.
Das Zeitliche segnen musste dagegen die Trittleiter. Sie wird so selten gekauft, dass sie im britischen Warenkorb keinen Platz mehr findet. Ebenfalls aus dem Preisindex geflogen sind in diesem Jahr die Entwicklung von Fotofilmen, „modische Wanderschuhe“, Kabel-Gebühren und Auflaufformen.
Um die Kaufgewohnheiten der Briten mit dem deutschen Konsumverhalten zu vergleichen, muss man sich noch bis zum kommenden Jahr gedulden. Das Statistische Bundesamt aktualisiert den Warenkorb nur alle fünf Jahre. 2013 ist es wieder soweit.
Das iPad wird jedoch schon heute beim deutschen Verbraucherpreisindex dazugerechnet. „Wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung eine kritische Masse erreicht, wird es sofort in den Warenkorb aufgenommen“, sagt Ute Egner, Verbraucherpreisexpertin beim Statistischen Bundesamt. Das iPad gehöre ebenso zu diesen Durchstartern wie auch Studiengebühren.
mit dpa



