Muss man unbedingt einen Flachbild-TV kaufen, wenn man einen Röhrenfernseher besitzt? Nein, eigentlich nicht. Aber wenn man erst einmal umgestiegen ist, fragt man sich, wie es vorher ohne ging. Mit dem neuen iPad verhält es sich ähnlich. Das iPad2 ist ein sehr ordentliches Tablet, der Nachfolger aber spielt in einer anderen Kategorie. Und dort spielt er die meiste Zeit erstklassig.

Wir hatten das neue iPad, das wir hier der Einfachheit halber iPad3 nennen, eine Woche lang zum Test. Äußerlich ist das iPad3 kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Es ist 0,6 Millimeter dicker, was kaum jemandem auffallen wird. Und es ist 50 Gramm schwerer, was ebenso wenig auffällt. Die Befürchtung, dass ein Großteil des iPad-2-Zubehörs nicht mehr passen wird, hat sich nicht bestätigt.

Display zeigt Texte gestochen scharf

Die wichtigste Neuerung im iPad3 ist das hochauflösende Display, das nun 1536 mal 2048 Pixel darstellt, was eine Vervierfachung zum Vorgängermodell bedeutet. Insgesamt zeigt der Bildschirm also 3,1 Megapixel, Apple nennt das Retina-Display. Damit zwängt der Hersteller aus Cupertino mehr Details in seinem 9,7 Zoll großen Bildschirm als jeder seiner Konkurrenten. Während auf dem Retina-Display einzelne Pixel nicht mehr wahrzunehmen sind, wirkt die Darstellung des iPad2, als befände sich die Schrift hinter einem feinen Sieb. Auf dem neuen iPad ist die Darstellung hingegen mit gedruckter Schrift auf Hochglanzpapier zu vergleichen, wie es von Magazinen genutzt wird. Um mehr als drei Megapixel auf dem Display darstellen zu können, hat das iPad einen neuen Chip bekommen, dessen Grafikeinheit nun vier Rechenkerne umfasst. Das soll eine flüssige Grafik garantieren. Im Test ist das nicht nachvollziehbar, weil uns keine Anwendung zur Verfügung stand, die diesen Vorteil wirklich ausnutzt.

Spiele machten nur wenig Vergnügen

Wir hatten im Gegenteil bei einigen Anwendungen Schwierigkeiten. So ließ sich das grafisch aufwendige Rennspiel Real Racing 2 HD auf dem neuen Gerät erst gar nicht starten. Und auch das Simulationsspiel Tiny Zoo hatte erhebliche Darstellungsfehler. Beim Lesen von E-Paper-Ausgaben einiger Medien bauten sich die Seiten ständig neu auf, was sehr störend ist. Wegen des Chips und Displays benötigt das neue iPad mehr Strom als der Vorgänger. Die Akku-Kapazität wurde daher um 70 Prozent erhöht, was am Ende zu dem etwas dickeren Gehäuse geführt hat. So hat sich die Akkulaufzeit nicht verkürzt. Hochauflösende Filme zeigt das neue iPad ruckelfrei, und zwar in Full-HD, was einer Darstellung von 1920 mal 1080 Pixel entspricht. Beim Hochfahren des iPads hängt das Vorgängermodell seinen Nachfolger allerdings ab. Es bootet innerhalb von 23 Sekunden, beim iPad3 sind es 37 Sekunden.

Nach wie vor lassen sich übrigens auch iPhone-Applikationen auf dem iPad ausführen und auch in doppelter Größe darstellen. Erwartungsgemäß hat Apple die Kamera des neuen iPads verbessert, leider nur die Kamera an der Rückseite des Tablets. Sie hat nun fünf Megapixel und filmt in Full-HD, das Vorgängermodell kam auf nicht einmal einen Megapixel. Allerdings ist es bei der mäßigen Qualität der Kamera auf der Display-Seite geblieben, sie hat lediglich eine VGA-Auflösung, was 640 mal 480 Pixel entspricht. Dabei ist auf einem Tablet diese Kamera wichtiger, weil sie für Video-Telefonate via Skype oder Facetime genutzt werden kann.

Stolz verkündet Apple, das neue iPad könne im LTE-Standard der vierten Mobilfunkgeneration (4G) funken. Das mag für Nordamerika gelten. In Europa und besonders in Deutschland aber geht das nicht, weil hierzulande dafür andere Frequenzen genutzt werden. So bleibt hiesigen Nutzern nur das 3G-Netz, in dem das iPad mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde unterwegs sein soll.

Gute Geschwindigkeit im Netz

Wir haben das iPad3 an mehreren Standorten in Bonn und Berlin und in verschiedenen Handy-Netzen getestet. In den meisten Fällen erreichten wir mit dem Gerät eine Geschwindigkeit zwischen zwei und vier Megabit pro Sekunde, einmal waren es neun Megabit. Meist konnte das neue iPad Daten in höherer Geschwindigkeit laden als das iPad2. Apple hat sich dazu entschieden, das iPad3 ohne den digitalen Sprachassistenten Siri anzubieten, der im iPhone 4S beispielsweise Fragen nach dem Wetter beantwortet. Stattdessen hat die virtuelle Tastatur auf dem Display eine neue Mikrofon-Taste bekommen. Nach dem Antippen übersetzt das Gerät gesprochene Wörter in Schrift. Die Spracherkennung findet wie auch bei Siri allerdings nicht auf dem Gerät, sondern auf Apples Großrechner statt. Besteht also gerade keine Internet-Verbindung, lässt sich die Spracherkennung auch nicht nutzen.

Apples starke Konkurrenz

Das neue iPad ist ohne Zweifel ein starkes, ausgefeiltes Gerät, doch die Mitbewerber schlafen nicht. Auch andere Technikschmieden bauen leistungsfähige Tablet-Computer – und bringen sie meist zu etwas günstigeren Preisen in die Läden oder in den Internethandel. Dies sind auf dem hart umkämpften Markt der Flunder-PCs Apples ärgste Konkurrenten:

Huawei Mediapad - Huawei liefert sein Mediapad mit einem Full-HD-Display aus. Gespannt sein darf man, ob der Preis von knapp 400 Euro noch sinken wird. Immerhin gibt es die Smartphones des chinesischen Herstellers für 90 Euro.

Xoom 2 - Motorola hat mit der ersten Version des Xoom-Tablets enttäuscht. Ob der zweite Versuch glückt, darf bezweifelt werden, schließlich läuft der Rechner nicht unter Android 4.0 und braucht bald eine Auffrischung. Außerdem kostet er fast 600 Euro.

Galaxy Tab - Das Galaxy-Tab ist einer der ärgsten Apple-Konkurrenten. Das Tab ist schlank und schnell, läuft aber derzeit nur mit der älteren Android-Version. Auf dem neuesten Stand ist dagegen Samsungs Galaxy Note 10.1 (ab 700 Euro).

Amazon KindleFire - Noch nicht in Deutschland erhältlich ist Amazons KindleFire, das nach Apples iPad am häufigsten verkaufte Tablet. Das Unternehmen bietet es in den USA für unschlagbare 199 Dollar an und verspricht sich Einnahmen durch den Verkauf von E-Books.

Asus Transformer Pad - Das zehn Zoll große Display löst mit 1920 mal 1200 Bildpunkten auf und ist mit kratzfestem Gorilla-Glas abgedeckt. Im Gehäuse werkelt außerdem ein Vierkern-Prozessor. Der Speicher fasst je nach Version 16, 32 oder 64 Gigabyte. Der große Vorteil dieses Gerätes liegt darin, dass es sich in Windeseile zu einem kleinen Laptop umbauen lässt.

Das neue iPad wird ab Freitag (16. März 2012) verkauft, je nach Ausstattung für 479 bis 799 Euro.