Soziales Netzwerk

Google stoppt Namenzwang und erlaubt Pseudonyme

Die Nutzer haben sich erfolgreich gegen Google+ durchgesetzt. Das Netzwerk lässt die Verwendung von Pseudonymen und Nicknames zu.

Von Jürgen Stüber

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Google ist mit seinem Versuch gescheitert, ein „Vermummungsverbot“ im Internet durchzusetzen. Der Internetkonzern will in seinem sozialen Netzwerk Google+ demnächst auch Pseudonyme und Nicknames zulassen. Das kündigte Vic Gundotra, Vizepräsident und Produktverantwortlicher des Netzwerkes, jetzt bei der Konferenz „Web-2.0-Summit“ in San Francisco an. Damit endet ein monatelanger, teils polemisch ausgetragener Streit zwischen dem Konzern und Netzaktivisten .

Google hatte mit dem Hinweis, beim sozialen Netzwerk G+ handele es sich um einen „Identity Service“, von allen Nutzern Klarnamen gefordert. Dieser Dienst hänge davon ab, dass Menschen mit ihren echten Namen kommunizieren. Im übrigen werde niemand gezwungen, Google+ zu benutzen, lautete die Position des Unternehmens.

Dahinter dürfte das Interesse stehen, werberelevante Nutzerprofile zu sammeln, die mit echten Namen verknüpft sind. Auch Google-Konkurrent Facebook verbietet – mutmaßlich aus ähnlichen Gründen – Pseudonyme in den Nutzerprofilen. Dass es auch anders geht, zeigt Twitter . Echte Nutzernamen sind dort optional.

Die Absurdität der Klarnamen-Vorschrift zeigte sich am Fall der bekannten amerikanischen Bloggerin Violet Blue, deren Name wie ein Pseudonym klingt, aber – wie sie selbst schreibt – echt sei. Auf dem Höhepunkt des Namensstreits im August hatte das Unternehmen ihr (und zahllosen anderen) eine Sperre ihres Accounts bei Google+ angedroht, weil ihr Name für ein Pseudonym gehalten wurde und damit gegen die Nutzungsbestimmungen des Netzwerks verstoße.

Tatsächlich überprüfen aber weder Google nach Facebook wirklich die Echtheit aller Namen. Normal klingende Pseudonyme werden von den Netzwerken nicht erkannt. Auch dafür gibt es Beispiele. Der Zwang zu echten Namen verkennt die sozialen Funktionen von Pseudonymen. Künstler, Klerus, aber auch politische Aktivisten geben sich seit jeher neue Namen als Zeichen neuer Identitäten. Auch im Alltäglichen sind gewählte Namen durchaus üblich. Sie repräsentieren Rollen und bieten ihrem Träger einen begrenzten Schutz, indem sie erlauben, die eigene Identität zu verbergen.

Pseudonyme haben im Patienten-Forum oder auf der Dating-Plattform ihre Berechtigung, weil sie Personen schützen. Unter Gamern gehören bizarre Nicknames zum guten Ton und Spitznamen im privaten Freundeskreis sowieso.

Doch in sozialen Netzwerken sind sie kontraproduktiv, denn dort suchen sich reale Personen. Ob Pseudonyme aber den Netzwerken schaden (wie die Betreiber behaupten), ist fragwürdig. Sie zu verbieten ist sinnlos. Doch wer sich dort hinter einem Pseudonym versteckt und zur Kunstfigur stilisiert, wird nur noch von einer begrenzten Nutzerzahl entdeckt.

Dieser Artikel erschien im Morgenpost Online-Blog "Upload - Das Social Media Blog" von Jürgen Stüber .


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