Galaxy Nexus

Neues Google-Handy erkennt Besitzer an der Nase

Mit dem neuen Android-System "Ice Cream Sandwich" kontert Google zur rechten Zeit gegen Apples iPhone 4S und liefert erstaunliche Funktionen mit.

Von Kritsanarat Khunkham

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Google neues Smartphone trägt den Namen "Galaxy Nexus", wird wie sein Vorgänger "Nexus S" vom koreanischen Elektronikkonzern Samung gebaut und wird als erstes Handy mit dem neuen Betriebssystem Andoid 4.0, Codename "Ice Cream Sandwich" ("Eiswaffel"), ausgeliefert.

Die Google-Fans hatten eine Woche länger auf das neue Handy und die neue Android-Version warten müssen, da Google sich entschlossen hatte, aus Rücksicht auf den Tod des Apple-Gründers Steve Jobs die Präsentation zu verschieben.

Das Galaxy Nexus hat einen schnellen, auf 1,2 Ghz getakteten Doppelkern-Prozessor und einen Super-AMOLED-Display mit einer Bildschirmgröße von 4,65 Zoll (11,8 cm), das neue Apple iPhone 4S hat nur 3,5 Zoll (8,89cm). Android 4.0 sei speziell auf die hohe Bildschirm-Auflösung des Galaxy Nexus von 1280 mal 720 Bildpunkten zugeschnitten worden, hieß es.

"Das Galaxy Nexus und das neue Betriebssystem wurden in enger Zusammenarbeit der Ingenieure von Google und Samsung entwickelt", sagte Andy Rubin, Vizepräsident der Google-Mobilsparte, bei der Präsentation in Hongkong.

Das Beste aus zwei Systemen

"Ice Cream Sandwich“ bringt den Nutzern und Entwicklern neue, lang herbeigesehnte Funktionen und kann so mit iOS5 von Apples iPhones konkurrieren. Man habe dafür alle bei Google verfügbaren Innovationen zusammengepackt.

Android 4.0 verbessert unter anderem den Umgang mit diversen Google-Diensten, hat aber auch ganz neue Funktionen. So können Besitzer von Smartphones mit NFC-Funktechnik darüber sehr einfach Dateien miteinander austauschen. „Face Unlock“ heißt die Sicherheitsfunktion, bei der das Telefon mit Hilfe seiner Kamera prüft, ob es tatsächlich von seinem Besitzer gehalten wird und sich erst dann entsperrt. Allerdings funktionierte das Entsperren mit dem eigenen Gesicht bei der Demonstration auf der Bühne nicht reibungslos.

Android bleibt ohne "Siri"

Einen persönlichen Assistenten wie "Siri" bei der neuen Version des iPhone gibt es nicht. Mit Siri hat Apple viele Nutzer begeistert . Google-Manager Hugo Barra hält jedoch nicht davon. Sie setze nicht auf das richtige „Interaktionsmodell“, sagte er. „Ich habe die Befürchtung, dass die Nutzer frustriert werden.“ Denn die Erwartungen an den Assistenten, der Sprachanweisungen erkennt und umsetzt, seien sehr hoch: „Es ist so, als ob man mit einem Menschen redet.“

Google verfolge bei der Spracherkennung einen anderen Ansatz, erklärte Barra, der bei der Entwicklung des Betriebssystems Android eine führende Rolle spielt. Die Funktion stehe allen Geräteherstellern und Software-Entwickler zur Verfügung: „Das ermöglicht ihnen, die Spracherkennung in so ziemlich jeder Anwendung einzubauen.“


Sichtbarste Neuerung ist die überarbeitete Benutzeroberfläche – sie sei „viel polierter“, sagte Barra. „Das ist aus unserer Sicht ein gigantischer Schritt.“ Damit habe man auf die Bedürfnisse der Nutzer reagiert: „Sie mögen und nutzen Android, aber sie lieben es nicht unbedingt“, sagte er. Man wolle nun eine „stärkere emotionale Verbindung“ herstellen.

Android 4.0 führt die bislang separaten Versionen für Smartphones (Gingerbread) und Tablet-Computer (Honeycomb) zusammen und vereine das beste der jeweiligen Seite. Barra sieht darin Vorteile für das „gesamte Ökosystem“: Die Hardware-Hersteller könnten sich auf eine Software-Version konzentrieren, Software-Entwickler ihre Programme auf allen Geräten anbieten. Davon profitiere auch der Nutzer: „Es gibt eine größere Auswahl von Geräten mit dem gleichen Oberfläche, dem gleichen „look and feel“. Außerdem gibt es mehr Apps, die auf den verschiedenen Geräten prima funktionieren.“

Android beherrscht den Smartphone-Markt

Google-Gründer Larry Page ist völlig überzeugt von dem neuen hauseigenen Handy, wie er im sozialen Netzwerk Google+ schrieb : "Es ist wirklich wunderschöne Hardware mit einer unglaublichen Software."

Schnelles Internet ist mit dem Galaxy Nexus garantiert durch die Fähigkeit in Hochgeschwindigkeitsnetzen LTE und im HSDPA+ zu arbeiten. Das Gerät wird ab November in den USA, Europa und Asien verfügbar sein.

In den vergangenen Tagen beherrschte Apple mit dem starken Start seines neuen iPhone 4S die Nachrichten aus der Smartphone-Welt. Apple brachte das Telefon mit neuen Funktionen dem „persönlichen Assistenten“ Siri heraus, mit dem sich der Nutzer unterhalten kann.

Der Smartphone-Markt wird inzwischen von Android beherrscht, auf das mehrere Hersteller zugreifen. Auf über 190 Millionen Geräten weltweit es mittlerweile als Betriebssystem installiert. Wettbewerber wie Apple und Microsoft greifen die Partner der Plattform aber mit Patentklagen an.

( mit dpa )