Technik getestet

Wie gut kann die Kamera im Handy sein?

Viele Handys schießen lausige Fotos. Als ernstzunehmende Kamera taugen die Telefone nicht. Mehr Pixel und Qualität verspricht jetzt Samsungs neues Mobiltelefon SGH-i850, auch innov8 genannt. Morgenpost Online hat das Gerät getestet – und unser Redakteur war begeistert.

Foto: Amin Akhtar

Bisher war Fotografieren eine erwünschte, aber nur selten ernst zu nehmende Zusatzfunktion von Handys. Soft- und Hardware boten zu wenige Funktionen, zu geringen Bedienkomfort und vor allem eine oft scheußliche Bildqualität. Mehr Pixel und Qualität verspricht Samsungs neues Mobiltelefon SGH-i850, auch innov8 genannt. Tatsächlich lässt sich das Modell so halten wie eine Kompaktkamera, und der Wert der Auflösung ist groß auf dem Gehäuse zu sehen, damit auch alle es sehen können: acht Megapixel. Hier entsteht also keine grießelige, verwischte Aufnahme, sondern ein Foto, auf dem auch Details zu erkennen sind.

Im ersten Moment war ich vom hohen Gewicht (140 Gramm) und den Maßen von 10,7 mal 5,4 mal 1,7 Zentimetern ein wenig abgeschreckt. Trotz der Größe liegt das Samsung-Handy angenehm in der Hand. Gesteuert wird die Software über die Fünf-Wege-Navigation in der Mitte. Mit dieser optischen Maus hatte ich leider meine Probleme, und das nicht nur in den ersten Stunden. Bis die Software auf meine Eingabe reagiert hatte, war ich mit der schon einen Schritt weiter. Daher musste ich die Eingabeschritte häufig mühsam wieder rückgängig machen.

Nach dem Hochschieben legt die Klappe eine herkömmliche Tastatur frei. Die Dateneingabe darüber habe ich als sehr angenehm empfunden. Die Tasten sind leichtgängig, verfügen aber über einen deutlichen Druckpunkt. Sie reagieren präzise und schnell. Sehr praktisch finde ich den Knopf, über den man zwischen Kamera sowie Video- und Musikspieler wechseln kann.

Samsungs innov8 kann auf vielfältige Weise Daten mit anderen Geräten austauschen. Dazu gibt es zum Beispiel einen TV-out-Anschluss für den Fernseher, Bluetooth, WiFi für kabellose Netzwerkverbindungen und eine USB-2.0-Buchse. Die Ausstattung des Telefons kann sich sehen lassen: Das Quadband-Handy beherrscht UMTS und ermöglicht schnelles Websurfen über HSDPA-Mobilfunk. Der Speicher fasst acht oder 16 Gigabyte und lässt sich über eine microSD-Karte um 16 Gigabyte erweitern. Eingebaut ist ein GPS-Empfänger. Samsung hat jedoch keine entsprechende Software vorinstalliert. Ich habe es mit einem Programm getestet, und die Antenne hat gut funktioniert.

An Software liefert Samsung das Programm Fring mit. Damit lassen sich Instant-Messenger wie der von MSN, Google Talk sowie Internettelefon über Skype nutzen. Alle diese Anwendungen haben auf Anhieb funktioniert, ohne dass ich eine weitere Software hätte installieren müssen. Außerdem installiert sind die vollen Versionen der Videospiele „Fifa 08“ und „Asphalt 4“. Nicht schlecht für ein Handy.

Sogar Visitenkarten lassen sich einlesen

Das Besondere am innov8 ist jedoch die eingebaute Kamera, die mit einem zweifachen LED-Blitz und einem Bildstabilisator ausgestattet ist sowie Visitenkarten einlesen kann. Recht gute Ergebnisse lieferte das Motivprogramm Blink-Detection. Ich habe zahlreiche Probeaufnahmen gemacht, und nur in zwei Fällen hatten die abgebildeten Personen die Augen geschlossen.

Möglich ist es auch, acht Aufnahmen zu einem Panoramabild verbinden zu lassen. Das funktioniert sowohl mit Bildern im Quer- als auch im Hochformat. Ein Problem ist die geringe Geschwindigkeit. Der Autofokus hat fast zwei Sekunden zum Scharfstellen gebraucht. Recht gut ist die Bildqualität. Die Farben scheinen natürlich und klar, auch der Weißabgleich ist stimmig.

Bei hohen ISO-Werten stößt die eingebaute Linse an ihre Grenzen, und ein optischer Zoom sowie ein echter Blitz fehlen allerdings. Die Blitz-LEDs produzieren ein häufig zu grelles Licht. Eine Fülle an Formaten wie H.263 und H.264 sowie WMV, aber auch MP4 und DivX unterstützt der eingebaute Videoplayer. Bei DivX hatte ich jedoch mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen, vor allem schien mir die Software unangenehm häufig die Daten konvertieren zu müssen. Die Wiedergabequalität war aber insgesamt recht hoch.

Das gilt auch für den Musikplayer, der nicht nur UKW-Radio spielt, sondern auch alle gängigen Formate unterstützt, von MP3 über AAC und AAC+ bis zu WMA und Real Audio. Ganz besonders gefallen hat mir, dass Samsungs innov8 über einen 3,5-Millimeter-Anschluss verfügt, um hochwertige Kopfhörer anzuschließen. Das ist auch ratsam: Die eingebauten Stereolautsprecher sind nicht erste Wahl.

Die Funktionsvielfalt des innov8 hat mich überzeugt. Für den dafür notwendigen Speicherplatz hat Samsung gesorgt, und für den Akku gibt Samsung eine Betriebszeit von 310 Stunden an, mit 8,5 Stunden Sprechzeit. Wie bei fast allen Herstellern scheinen auch diese Angaben ein wenig zu optimistisch. Ich habe bei der Sprechdauer eine Stunde weniger gemessen. Hatte ich Bluetooth eingeschaltet, über das lokale Netzwerk gesurft, Musik gehört und Fotos geschossen, musste das Handy nach einigen Stunden schon wieder ans Netz. Trotzdem bietet das etwa 650 Euro teure Handy so viel Multimedia wie kaum ein Konkurrenztelefon.