Gefährlicher Trend

Immer mehr Jugendliche leiden an Depression

Bei immer mehr Jugendlichen treten Depressionen auf. Vor allem einkommensschwache Familien und Einwandererfamilien sind betroffen.

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Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unerkannt und unbeachtet an Depressionen. „Es ist bemerkenswert, dass wir inzwischen einen deutlichen Zuwachs bei jungen Erwachsenen und Jugendlichen haben“, sagte Jugendforscher Heiner Keupp von der Ludwig-Maximilians-Universität am Donnerstag in München.

Früher sei die Depression vor allem eine Krankheit älterer und mittelalter Menschen gewesen. Jugendliche, die ihre Probleme nach innen verarbeiteten, würden kaum wahrgenommen. „Es sei denn, sie unternehmen einen Selbstmordversuch, dann sind wir wieder total erschüttert und überrascht“, sagte der Wissenschaftler in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Nach dem 13. Kinder-und Jugendbericht der Bundesregierung wachsen in Deutschland inzwischen etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit körperlichen und seelischen Krankheiten auf. Besonders betroffen von Depressionen sind nach Keupps Einschätzung Kinder aus ärmeren und Einwandererfamilien. „Wir dachten eine Zeit lang, die Schichtproblematik sei Vergangenheit“, sagte Keupp.

Es gebe aber deutliche Hinweise, dass das Gegenteil der Fall sei. Die Erfahrung, nicht wirklich dazuzugehören oder nicht einbezogen zu werden, führe zum Rückzug ins eigene Schneckenhaus.

Und litten früher eher Mädchen im Stillen, sind Buben inzwischen genauso gefährdet: „Inzwischen haben die Jungs bei den psychosozialen Problemen die Mädchen eingeholt“, sagte Keupp am Rande einer Veranstaltung der Landtags-SPD. Nach Einschätzung des Experten haben sich Mädchen größere Freiräume in Beruf und Bildung erobert. Viele junge Männer seien „eher orientierungslos“ – wegen des geschwächten traditionellen Rollenbilds.

Die Gesellschaft überfordere junge Menschen oft oder lasse sie bei der Bewältigung der hohen Erwartungen allein. „Das führt dazu, dass mehr Kinder und Jugendliche mit dem Druck nicht fertig werden“, sagte der Vorsitzende der Sachverständigenkommission des jüngsten Kinder- und Jugendberichts. Es sei die Rede vom „Erschöpfungssyndrom“, wenn junge Menschen einfach keine Energie und Kraft mehr hätten, die an sie gestellten Anforderungen zu bewältigen.