Gerichtsmedizin

Neue Methoden gegen Sexualstraftäter

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Foto: ow/hpl / dpa

Haare, Haut, Blut, Speichel, Sperma: Wer ein Verbrechen begeht, hinterlässt fast immer Spuren. Seit Jahrzehnten kann ein genetischer Fingerabdruck mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Person zugeordnet werden. Doch im Falle von Sexualstraftaten reicht das oft nicht.

Biologische Spuren können Gerichtsmediziner mit Hilfe einer Erbguttypisierung einer Person zuordnen. Wird jedoch in einem Fall von sexuellem Missbrauch Zellmaterial sichergestellt, ist es für die Rekonstruktion des Tathergangs nicht nur wichtig, von welcher Person die Zellen stammen, sondern auch von welcher Körperstelle sie sich gelöst haben. Der Biologe Dr. Martin Schulz hat deshalb jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sich in der Gerichtsmedizin feststellen lässt, ob Körperzellen beim Händeschütteln oder bei einem sexuellen Kontakt übertragen worden sind.

In der kriminalistischen Praxis kann es sehr wichtig sein, die Herkunft von Zellen genau zu kennen. Schulz nennt ein Beispiel: "Ist ein Vater im Verdacht, seine Tochter missbraucht zu haben, und findet sich an seinem Penis DNA von dem Kind, könnte er sich etwa damit herausreden, die neugierige Tochter habe ihn unerlaubt mit der Hand berührt, als er sich nackt im Badezimmer aufgehalten habe." Wenn sich nachweisen lässt, dass das Zellmaterial durchaus nicht von der Haut, sondern aus der Scheide oder dem Mund des Kindes stammt, würde das den Missbrauchsverdacht erhärten. "Wir reden hier nicht von ein paar wenigen Fällen", betont Schulz. In der Polizeistatistik fänden sich jedes Jahr Tausende von Fällen von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung.

"Um heute ein genetisches Profil aus einer biologischen Probe anzufertigen, werden nur kleinste Mengen DNA zum Beispiel aus Blut, Speichel oder Sperma benötigt", sagt Martin Schulz. Doch die Unterscheidung, ob eine so genannte Epithelzelle aus der obersten Zellschicht der Haut oder der Schleimhaut stammt, war in der forensischen Medizin bisher schwierig. "Die DNA ist nämlich in jeder Zelle eines Menschen gleich", sagt der Biologe. Und im Gegensatz zu einem Arzt oder einem Pathologen, der für seine Untersuchungen normalerweise sorgfältig gewonnenes und aufbereitetes Zellmaterial in ausreichender Menge zur Verfügung hat, sind die Proben, die in der Gerichtsmedizin landen, winzig, eingetrocknet und durch Lagerung verändert.

Doch für Sexualstraftäter wird es künftig schwierig, sich herauszureden: Denn mit dem neuen Verfahren lässt sich die Herkunft von Körperzellen eindeutig nachweisen, was Rückschlüsse auf den Tathergang zulässt. Die Grundlage dafür hat übrigens ein Ansatz aus der Krebstherapie geliefert, bei dem es darum geht, den Ort von Tumoren zu bestimmen. Bei der Behandlung von Krebspatienten wird das sogenannte Zellskelett untersucht, das aus Eiweißen besteht und der Zelle Stabilität verleiht. Die chemische Zusammensetzung unterscheide sich auch danach, woher die Zelle stamme, erläuterte Schulz. „Das haben wir uns zu Nutze gemacht.“

Da die neue Methode ziemlich aufwendig ist, wird man sie nicht bei jedem Delikt anwenden. Aber bei Kindesmissbrauch, Vergewaltigung oder anderen Kapitaldelikten wird keine Mühe gescheut, die Taten aufzuklären. „Das Probenmaterial, das wir benötigen, wird von Opfern und potenziellen Tätern bei solchen Verbrechen auch bisher schon genommen", sagt Schulz. Sein Forscherehrgeiz ist mit der neuen Methode noch nicht gestillt. "Wir sind noch nicht perfekt, wir wollen aus dem Spurenmaterial in Zukunft noch mehr Informationen herausholen."

( OC )