Angesichts der Kritik am Umgang mit der EHEC-Epidemie hat Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) eine "Manöverkritik“ angekündigt. Zwar habe sie sich nichts vorzuwerfen, dennoch sei „nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte“, sagte Aigner dem „Hamburger Abendblatt“ vom Freitag. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) räumte Probleme bei der Krisenbewältigung ein.

Sie gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen eine "Manöverkritik“ geben werde, sagte Aigner. Dabei werde es um die Frage gehen, wer künftig in ähnlichen Fällen nach außen spricht. Dennoch gebe es bereits klare Absprachen und eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern, sagte Aigner und wies zugleich Kritik am eigenen Umgang mit der Krise zurück. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagte die CSU-Politikerin und warf der Opposition vor, es "sich mit ihren billigen Sprüchen leicht“ zu machen. Die Mitarbeiter des Verbraucherschutzministeriums und der zuständigen Behörden leisteten hervorragende Arbeit.

EHEC-Krise- Bahr kritisiert „selbst ernannte Experten“

Bahr erklärte angesichts des Vorwurfs, von Landesgesundheitsministern verbreitete Meldungen über vermeintliche EHEC-Quellen hätten zur Verunsicherung der Menschen beigetragen: "Ich will ja gar nicht sagen, dass die Kommunikation optimal gelaufen ist.“ Verwirrende Informationen seien jedoch vor allem von "selbst ernannten Experten“ in die Welt gebracht worden, sagte Bahr am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "maybrit illner“. Gegen diese habe er „gar nicht anarbeiten“ können. Er habe sich an das gehalten, was das Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen habe.

Zugleich lehnte Bahr eine sofortige Diskussion über die auf Bund und Länder verteilten Zuständigkeiten für das Krisenmanagement erneut ab. Die Strukturen hätten sehr gut funktioniert, über eine Verbesserung werde nach der Epidemie gesprochen. Dagegen forderte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im ZDF die direkte Weitergabe von Klinik-Informationen an das RKI und kritisierte damit den bislang vorgeschriebenen Informationsweg über die zuständigen Länderbehörden.

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Bei der Suche nach der Quelle der EHEC-Epidemie verdichten sich Aigner zufolge derzeit die Indizien, dass die Sprossen aus dem Hof in Niedersachsen belastet gewesen sein könnten. Es gebe „noch keinen Grund zur Entwarnung – auch wenn es nach Angaben des RKI bundesweit erste Anzeichen einer leichten Entspannung zu geben scheint“, sagte Aigner.

EHEC auch von Mensche zu Mensch übetragbar

Einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe) zufolge gehen Behörden in Hessen zudem inzwischen erstmals davon aus, dass der Keim möglicherweise auch von Menschen übertragen wurde. Eine mit EHEC infizierte Angehörige einer Cateringfirma könnte dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste eine Festgesellschaft in Göttingen an EHEC erkrankten. Es werde nun geprüft, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte.

Angesichts der EHEC-Verunsicherung der Verbraucher auch in Spanien will Madrid derweil eine Image-Kampagne für Gemüse starten. Ab Samstag sollen in allen großen spanischen Handelsketten Plakate aufgehängt und Broschüren verteilt werden mit dem Slogan: „Die Gemüse der Saison sind da – vertrauenswürdig“. Die Behörden in Hamburg hatten ursprünglich fälschlicherweise mitgeteilt, dass der gefährliche EHEC-Erreger auf spanischen Gurken entdeckt wurde, woraufhin der Absatz von spanischem Gemüse einbrach.

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Das juristische Nachspiel für die Hamburger Gesundheitsbehörde wegen der EHEC-Gurkenwarnung hat begonnen. Als Vertreter des spanischen Obst- und Gemüsehändlers Frunet reichte die Kanzlei Lindenpartners am Donnerstag beim Verwaltungsgericht der Hansestadt Eilantrag auf Akteneinsicht ein. Diese hatte die Behörde bis zuletzt verweigert, teilte Rechtsanwältin Sabine Pellens am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mit. Am Ende könnte es um Schadenersatz in Millionenhöhe gehen.

Frunet ist ein großer Öko-Produzent und Händler in der Provinz Málaga. Nachdem die Hamburger Gesundheitsbehörde über EHEC-Funde auf spanischen Gurken informiert hatte, sei das Geschäft eingebrochen.

Nach Angaben der Anwältin soll mit Hilfe der Akten unter anderem der Verdacht bewiesen werden, dass die Gesundheitsbehörde vor der Pressekonferenz die gesetzliche Sorgfaltspflicht vernachlässigt hat und vorgeschriebene Gegenproben nicht entnommen wurden.

Auf den Gurken wurden zwar EHEC-Bakterien nachgewiesen. Diese waren aber von einem anderen Typ als der grassierende Erreger, wie Wissenschaftler später feststellten.

Sollten sich die Vermutungen erhärten, droht nach einem entsprechenden Feststellungsantrag eine Klage auf Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Frunet-Jahresumsatz beträgt laut Pellens rund 15 Millionen Euro. Die Firma beschäftige etwa 120 Mitarbeiter

AFP/dpa/nbo