Als wahrscheinlicher Auslöser der EHEC-Epidemie rücken für die Experten Sprossen aus im Verdacht stehenden Hof im niedersächsischen Bienenbüttel immer mehr in den Fokus. „Es läuft alles auf diesen Betrieb hinaus, es läuft alles auf Sprossen hinaus“, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne, am Donnerstag. Trotz der fieberhaften Auswertung zahlreicher Proben von dem Hof im Kreis Uelzen fehle allerdings weiter der konkrete Labornachweis. „Wir müssen warten.“ Ob dies eine Frage von Stunden oder noch etlichen Tagen sei, lasse sich nicht vorhersagen.

Die EHEC-Welle kann auf mehrere Ausbruchsherde zurückgehen. Als Infektionsquellen stehen neben Sprossen auch Gurken, Tomaten und Salat unter Verdacht. Hoffnungen auf neue Erkenntnisse hatte am Mittwoch der Fund einer EHEC-verseuchten Gurke in einer Bio-Tonne in Magdeburg gemacht. Im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergaben Untersuchungen von Gurkenproben aus Magdeburg noch keine neuen Hinweise auf die Infektionsquelle.

Dass Sprossen als besonders anfällig für EHEC-Erreger sind, verdeutlichen Proben in den Niederlanden. Dort wurden nun EHEC-Bakterien auf Rote-Beete-Sprossen nachgewiesen. Dabei soll es sich jedoch nicht um den Stamm handeln, der für die Infektionen in Europa verantwortlich ist. Der Verkauf der Sprossen eines niederländischen Agrarbetriebes wurde gestoppt. Der Name des Betriebs wurde nicht genannt. In Deutschland werden EHEC-Patienten mittlerweile auch speziell nach dem Verzehr von Salatzutaten einschließlich Sprossen befragt. Dadurch könnte sich die Sprossen-Spur noch verdichten.

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Die konkrete Quelle für die jüngste EHEC-Welle wird möglicherweise aber niemals gefunden. Wie bereits das Robert-Koch-Institut (RKI) wies nun auch das BfR erneut daraufhin. Nach BfR-Angaben konnten in der Vergangenheit drei Viertel der EHEC-Ausbrüche in Deutschland nicht aufgeklärt werden. Hauptgrund ist, dass Lebensmittel, die als Überträger in Verdacht gerieten, zum Zeitpunkt der Erkrankungen und späteren Untersuchungen oft restlos verbraucht waren.

EHEC-Welle ebbt ab

Nach der Infektion mit dem gefährlichen Darmkein sind mittlerweile bereits 29 Menschen gestorben. Am Donnerstag meldete Hessen das erste EHEC-Todesopfer: Ein 57-jähriger Mann sein an HUS gestorben, teilte die Stadt Frankfurt mit. Der Mann hatte allerdings mit seiner Ehefrau Ende Mai Hamburg besucht. Auch wenn Politik und Wissenschaft keine Entwarnung geben: Seit mehreren Tagen gehen die gemeldeten EHEC-Fälle zurück. Notaufnahmen registrierten deutlich weniger Patienten mit blutigen Durchfällen, berichtete das RKI.

Das Institut beobachtet die Seuche nun schon im zweiten Monat. Der früheste Beginn der Durchfallerkrankung datiert vom 1. Mai. Insgesamt erkrankten seitdem den Angaben zufolge rund 2800 Patienten nachweislich an EHEC, davon 722 an der lebensgefährlichen Komplikation HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 18 der bisher gemeldeten 26 Toten hatten HUS, die schwere Verlaufsform der Durchfallerkrankung.

Berlin sieht keine akute Gefahr

In Berlin sind seit Anfang Mai 39 Menschen durch den aggressiven EHEC-Keim erkrankt. Das sind sechs Fälle mehr als am Mittwoch, teilte die Senatsgesundheitsverwaltung am Donnerstag mit. Der Anstieg sei aber nicht mit neuen Infektionen zu erklären, sondern vor allem durch Nachmeldungen, erläuterte Sprecherin Regina Kneiding. Es dauere ein paar Tage, bis die Fallzahlen von den Kliniken über die Gesundheitsämter bei der Senatsverwaltung registriert würden. Die Anzahl der schweren Verlaufsform HUS erhöhte sich in Berlin seit Mittwoch lediglich um einen Patienten auf 16.

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Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) betonte, durch die EHEC-Infektionen bestehe weiterhin keine akute Gefahr für die Menschen in der Hauptstadt. „Berlin war und ist nicht Schwerpunkt dieser Epidemie“, sagte sie. Alle bisher analysierten Proben seien negativ gewesen. Von den betroffenen Lebensmittelbetrieben in Deutschland sei bisher keine Lieferung nach Berlin festgestellt worden. Es gebe daher keinen Zusammenhang zu den bislang vermuteten Infektionsherden. „Das Thema ist für Berlin nicht so relevant wie für andere Regionen Deutschlands“, ergänzte die Senatorin.

dpa/dapd/AFP/ap