Das deutsche Krisenmanagement seit dem Ausbruch der EHEC-Infektion ist im EU-Parlament scharf kritisiert worden. Aber auch die EU hat nach Ansicht zahlreicher Volksvertreter zu langsam reagiert und sollte die Lehren aus dieser Krise ziehen – „schnell und effizient“. Die EU-Agrarminister wollten am Dienstag bei einem Sondertreffen über Hilfen für betroffene Landwirte entscheiden.

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt prangerte in Straßburg ein „Kommunikationschaos“ in Deutschland an. Ihr Fraktionskollege Jo Leinen fand es „inakzeptabel, dass man drei Wochen nach Ausbruch der Krise immer noch nicht weiß, woher der Erreger kommt“.

EU-Gesundheitskommissar John Dalli warnte vor vorschnellen Informationen durch Behörden. Infektionsquellen sollten nicht angegeben werden, solange diese nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt seien, sagte er.

Auch Dalli plädierte für effizientere Warnsysteme. „Im Binnenmarkt müssen wir schnell und entschieden reagieren, die Kommunikationswege müssen schnell und flexibel gestaltet werden“, sagte der EU-Kommissar.

Keine EHEC-Keime auf alter Sprossen-Probe

Unterdessen gab Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) bekannt, dass die von einem Hamburger EHEC-Patienten bei den Behörden abgegebene Sprossen-Probe des gesperrten Hofs in Niedersachsen keine EHEC-Keime aufweist. Der 42-jährige Hamburger hatte das Sprossengemüse im Kühlschrank vergessen. Die mehrere Wochen alte Packung hätte den Behörden dabei helfen können, die Infektionsquelle zweifelsfrei nachzuweisen.

Erste Laborproben von Sprossengemüse von dem betroffenen Hof in Bienenbüttel waren am Montag ebenfalls negativ ausgefallen.

dpa/tj