Angesichts des hohen Bedarfs an Blutkonserven und Blutplasma wegen der zahlreichen EHEC-Erkrankungen haben erste Krankenkassen zum Blutspenden aufgerufen.

„Wir haben zwar eine gut organisierte, länderübergreifende Versorgung mit Blutkonserven, aber wir sollten nicht vergessen, dass die Urlaubssaison unmittelbar bevorsteht, in der erfahrungsgemäß durch ein erhöhtes Unfallgeschehen auch wieder mehr Blutkonserven benötigt werden“, erklärte der Sprecher des Landesverbandes der Ersatzkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Grübler.

Verläuft die Erkrankung bei Infizierten schwer, muss eine Blutwäsche eingesetzt werden.

Keine neuen Fälle in Berlin

In Berlin sind seit Mittwoch keine neuen Erkrankungsfälle bekanntgeworden. Weiterhin seien 25 Personen erkrankt, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Regina Kneiding, am Donnerstag. Die Zahl der Menschen, die nachweislich oder wahrscheinlich von der besonders schweren Folgeerkrankung HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) betroffen sind, liegt wie am Mittwoch bis zwölf. In mehr als der Hälfte der Fälle gebe es eine Verbindung zu Norddeutschland, wo die Erreger verstärkt auftreten. „Die Quelle muss wohl im Norden liegen“, sagte sie. Erkrankt seien überwiegend Frauen.

Kneiding zufolge ist die Warnung vor dem Verzehr von rohem Gemüse wie Salate, Gurken und Tomaten immer noch gültig. In jedem Fall müsse aber das Gemüse gründlich gewaschen werden. Auch solle auf nicht pasteurisierte Rohmilch verzichtet werden.

In Brandenburg gibt es derweil zwei weitere EHEC-Verdachtsfälle. In den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow sei je ein Patient hinzugekommen, der sich möglicherweise mit dem gefährlichen Erreger infiziert habe, teilte die Sprecherin des Brandenburger Umweltministeriums, Alrun Kaune-Nüßlein, am Donnerstag mit. Damit liege die Zahl der Verdachtsfälle bei elf. Die Zahl der bestätigten Fälle lag laut Kaune-Nüßlein weiterhin bei fünf. Drei von ihnen werden wegen HUS behandelt.

Plasma-Lager sind teilweise leer

Bereits zu Wochenbeginn hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zu Blutspenden aufgerufen. Der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen teilte mit, für die Versorgung der derzeit bekannten Patienten mit dem lebensbedrohlichen sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) in Verbindung mit dem EHEC-Erreger würden Blutbestandteile, insbesondere Blutplasma benötigt. Gerade jetzt seien die Kliniken besonders auf Blutspenden angewiesen.

Die bundesweit zusammenarbeitenden Blutspendedienste des DRK könnten derzeit noch aus ihren vorhandenen Beständen in den Kühllagern die Versorgung sicherstellen, hieß es. Jedoch müssten angesichts der anstehenden Pfingst- und Sommerferien die Lagerbestände wieder aufgefüllt werden, um Versorgungsengpässe zu verhindern, erklärte der Bereichsleiter Blutspende des DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen, Harald Klüte.

„Besonders kritisch ist hier die Versorgung mit den nur kurz zu lagernden Blutbestandteilen, den roten Blutkörperchen und Blutplättchen“, betonte er.

Nachdem in Hamburg das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wegen der vielen schweren EHEC-Fälle zum Blutspenden aufgerufen hatte, verzeichne der dortieg Blutspendedienst großen Andrang an Hilfsbereiten. „Wir haben zur Zeit einen Ansturm von Spendern“, sagte der ärztliche Leiter des Hamburger Blutspendediensts, Lutz Schmidt.

Er erklärte allerdings, dass Plasma von derzeit gespendetem Blut wegen weiterer Tests frühestens in vier Monaten verwendet werden könne. Dennoch gebe es einen Regelbedarf an Blut in Hamburg. „Wir brauchen Blut, wir brauchen auch Plasma, die leeren Reserven müssen aufgefüllt werden“, sagte er.

Derzeit würden täglich zehnmal so viele Plasmen wie normal verbraucht. Wegen des derzeit hohen Andrangs an Spendern empfahl er allerdings, nicht zwischen Himmelfahrt und Pfingsten zu spenden.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (beide SPD) riefen am Mittwoch zum Blutspenden auf – und spendeten gleich selbst.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hatte bereits am Montag mitgeteilt, dass die Plasma-Lager mittlerweile leer seien.

EHEC-Patienten mit dem lebensbedrohlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom werden in der Regel mit einer Plasmaaustausch-Therapie behandelt. Dabei werden nach Angaben des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) täglich drei Liter Plasma benötigt, wobei zehn Vollblutspenden verbraucht werden.

dapd/dpa/omi/sei