Ja: Es waren EHEC-Keime auf den spanischen Salatgurken, die auf dem Hamburger Großmarkt gefunden und anschließend in einem Labor untersucht waren – doch es waren nicht die richtigen: Die Infektionswelle, die inzwischen auch außerhalb von Deutschland ein erstes Todesopfer forderte (in Schweden), wurde durch einen anderen Bakterienstamm verursacht. Spanische Bauernverbände beziffern die Verluste, die den Landwirten entstanden sind, auf 200 Millionen Euro pro Woche. Spanien ist einer der größten Gemüseexporteure Europas. Spaniens Regierung fordert nun Schadenersatz – für alle europäischen Landwirte, also auch die deutschen. Die verlieren nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes pro Tag zwei bis drei Millionen Euro.

Und inzwischen ist klar: Auf keiner der – insgesamt vier – untersuchten spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt fanden sich Bakterien, die die Ursache für den Ausbruch der EHEC-Epidemie in Norddeutschland sind. Der gefährliche Stamm O104:H4 sei nicht nachzuweisen gewesen, sagte ein Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung.

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Spaniens Agrarministerin Rosa Aguilar sagte, ihr Land wolle auf EU-Ebene Entschädigungen für alle europäischen Landwirte verlangen, die wegen EHEC Verluste haben. „Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist.“ Niemand habe sich in ihrem Land direkt mit EHEC infiziert. Dies zeige, dass die Ursache auch woanders liegen könne. Madrid schließt auch rechtliche Schritte gegen die Behörden in Hamburg nicht aus, sagte der spanische Vizeregierungschef Alfredo Pérez Rubalcaba. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass Spanien nicht der Ausgangspunkt der EHEC-Darminfektionen gewesen sein könne. „Ein Erreger dieser Art war in Spanien noch nie aufgetreten“, sagte Rubalcaba dem Radiosender Cadena SER. „Das heißt, es gibt die Bakterie hier in Spanien nicht. Und wenn es sie hier nicht gibt, ist die Krankheit auch nicht von Spanien ausgegangen.“

Spanien importiert jedes Jahr Hunderttausende Tonnen gerade solcher Gemüse nach Deutschland, vor denen derzeit gewarnt wird - Gurken, Tomaten, Salat. 558.000 Tonnen Gurken - rechnerisch 6,8 Kilo pro Kopf - verbrauchten die Deutschen in Deutschland von April 2009 bis März 2010. Rund 500.000 Tonnen wurden importiert - vor allem aus den Niederlanden (rund 250.000 Tonnen) und aus Spanien (192.000 Tonnen). Über zwei Millionen Tonnen Tomaten wurden im Berichtsjahr 2009/2010 in der Bundesrepublik verbraucht, importiert wurden 2010 mehr als 681.000 Tonnen - aus den Niederlanden (rund 375.000 Tonnen) und aus Spanien (etwa 145.000 Tonnen). Und an Kopfsalat verspeisten die Deutschen 2009/2010 rund 218.000 Tonnen, pro Bundesbürger rechnerisch etwa 2,7 Kilo. 2009 wurden rund 108.000 Tonnen Kopfsalat nach Deutschland importiert. Mit mehr als 60.000 Tonnen stammte der Großteil davon aus Spanien.

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Die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass Salatgurken aus Spanien als Träger der gefährlichen Darmkeime identifiziert wurden. Daraufhin war der Handel mit Gemüse eingebrochen. Zahlreiche Großabnehmer, auch in Berlin, hatten Rohkost aus dem Programm genommen. Bauern vernichteten ihre Ernte, weil sie unverkäuflich war. Verbraucherministerin Ilse Aigner nahm Hamburgs Gesundheitsbehörden gegen ausländische Kritik am Krisenmanagement in Schutz genommen. „Es wurden ja EHEC-Erreger auch auf spanischen Gurken gefunden. Und deshalb musste nach den europäischen Regularien dazu auch eine Schnellwarnung abgesetzt werden“, sagte die CSU-Politikerin im ZDF-„Morgenmagazin“. Die Hamburger Kollegen hätten sich „wirklich gut verhalten“.

Die Suche nach der tatsächlichen Quelle beginnt nun von vorne. „Man kann derzeit gar nichts ausschließen“, erklärte Aigner. Die Lieferwege müssten zurückverfolgt, Lieferlisten ausgewertet werden. Schnellstmöglich diesen Weg nachzuvollziehen, habe höchste Priorität. Solange die Ursache des EHEC-Ausbruchs unklar ist, gelte weiterhin die Warnung des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Behörde hatte davon abgeraten, Tomaten, Salatgurken und Blattsalate – insbesondere in Norddeutschland – roh zu essen. Spanien forderte indes die sofortige Wiederaufnahme des kompletten Handels mit spanischem Gemüse. Nach der Warnung aus Hamburg hatte ein Land in Europa nach dem anderen seine Grenzen für spanisches Gemüse geschlossen.

Die Zahl der Todesopfer in Deutschland liegt inzwischen bei 15 - davon sind 13 Frauen. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 1500 EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle, vor allem im Norden. Allein in Hamburg wurden bisher fast 600 EHEC- und Verdachtsfälle gemeldet. Viele Patienten leiden unter einem besonders schweren Verlauf, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Es kann unter anderem zu Nierenversagen und Hirnschäden führen.

BMO/dapd/dpa/dino