Die EU-Kommission rechnet spätestens am Mittwoch mit Ergebnissen aus den unter EHEC-Verdacht stehenden Agrarbetrieben in Almeria und Malaga. Dort waren bereits vergangenen Freitag Boden-, Wasser und Produktproben entnommen worden. Die Betriebe sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein. „Keine Gurken verlassen die Gewächshauser“, sagte ein EU-Experte in Brüssel mit Blick auf die beiden südspanischen Betriebe. Spanische Behörden hatten zuvor die Aussage der EU-Kommission dementiert, wonach die beiden Betriebe geschlossen worden seien. Natürlich liefen dort die nötigen Alltagsarbeiten weiter, räumte der EU-Experte ein.
Der gefährliche EHEC-Keim breitet sich auch außerhalb Deutschlands und sogar außerhalb Europas weiter aus. Mindestens drei Amerikaner, die zuvor in Deutschland waren, seien erkrankt. In Schweden hat es nach Angaben der EU-Kommission bisher 30 nachgewiesene EHEC-Fälle gegeben, bei 13 davon handele es sich um schwererkrankte HUS-Patienten. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) kann zu schweren Komplikation bei einer EHEC-Infektion führen. In Dänemark gebe es elf EHEC-Erkrankungen, daraus fünf HUS-Fälle, in Großbritannien drei EHEC- und zwei HUS-Fälle, in Österreich zwei EHEC-Patienten und in den Niederlanden einen HUS-Fall.
Eine Lieferung spanischer Gurken, die mit dem riskanten EHEC-Erreger befallen sein könnte, war nach Angaben der EU-Kommission in den vergangenen Tagen aus Deutschland nach Dänemark gegangen. Dänemark habe die Gurken vom Markt genommen, hieß es. Auch in Ungarn, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Tschechien und den Niederlanden seien verdächtige spanische Gurken angekommen. Noch sei aber nicht nachgewiesen, ob sie tatsächlich mit dem EHEC-Keim befallen sind. Dem werde nachgegangen, hieß es.
Spanische Gurken, die möglicherweise den Darmerreger EHEC enthalten, sind auch nach Berlin geliefert worden. Am 12. Mai gingen 676 Kilogramm Gurken an einen Betrieb im Bezirk Mitte, der wiederum in alle Bezirke und ins Land Brandenburg lieferte. Weitere Lieferungen waren am 20. Mai nach Berlin gekommen, teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin mit. Bislang wurde das gefährliche Darmbakterium EHEC bei zwölf Menschen in Berlin nachgewiesen. Bei acht Patienten wurde die schwere Folgeerkrankung Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) gemeldet. Bei den meisten Betroffenen bestehe ein Zusammenhang zu Norddeutschland, hieß es in der Mitteilung. Dort hat sich der Erreger am stärksten verbreitet.
Laut einer Sprecherin überwachen die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter zurzeit den Rückruf der sich noch im Handel befindlichen Gurken. Seit Donnerstag werden zudem in allen Bezirken Proben von Gurken, Tomaten und Salat genommen und im Landeslabor Berlin-Brandenburg auf mögliche Kontaminationen mit dem EHEC-Erreger untersucht. Insgesamt sollen rund 180 Proben im Laufe der nächsten Tage getestet werden. Erste Ergebnisse werden an diesem Dienstag erwartet.
Seit fünf Jahren sei der gefährliche Bakterienstrang, der derzeit vor allem Deutschland in Schach halte, nicht mehr in Europa aufgetreten, sagte der EU-Experte. Deutschlands Aufklärungsarbeit lobte er: Die Behörden hätten schnell herausgefunden, dass es sich beim Überträger nicht um Milch oder Fleisch handele und damit binnen weniger Tage den sonst üblichen Überträger ausgeschlossen. Die EHEC-Diagnose dauert mit herkömmlichen Methoden bis zu sieben Tage. In einem EU-Referenzlabor für das Darmbakterium Escherichia coli in Rom werde derzeit eine schnellere Methode erforscht.
Zum Schlagabtausch zwischen Deutschland und Spanien sagte der EU-Experte mäßigend: „Wir wissen nicht, wo die Gurken infiziert worden sind.“ Ob das Problem in Spanien oder aber in Deutschland liege, sei unklar. Es gebe aber keinen Bedarf, die Einfuhr von Waren aus einem bestimmten Land zu stoppen. Dagegen sei offene Kommunikation ein Muss: „Es ist unsere Pflicht, zurückzuverfolgen wo die Ware herkommt und alle Bürger zu informieren.“
dpa/dino/BMO



