Ein dreiköpfiges Team der Uniklinik in Marburg und ein vier Kräfte aus Nürnberg sind am Montag nach Kiel aufgebrochen, um dort bei der Behandlung von lebensbedrohlich erkrankten EHEC-Patienten zu helfen.

Alle norddeutschen Universitätskliniken hätten derzeit außergewöhnlich viele schwere EHEC-Fälle, die alle maximale Therapieverfahren benötigten, begründete der Leiter der Klinik für Innere Medizin, Joachim Hoyer, am Montag den Schritt. Es handele sich um spezialisiertes Pflegepersonal unter anderem für Spezialdialyse, sie sollen an der Kieler Uni-Klinik bei HUS-Patienten den notwendigen Plasmaaustausch vornehmen. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere Komplikation bei EHEC-Kranken. Beim Plasmaaustausch wird das durch die Erreger vergiftete Plasma durch Spenderplasma oder Ersatzmittel ersetzt.

Trotzdem seien die Standorte der Uniklinik in Gießen, Marburg und dem Klinikum Nürnberg für die mögliche eigene Aufnahme von EHEC-Patienten bestens vorbereitet und personell ausgestattet, hieß es. Die Uniklinik in Marburg reagierte nach eigenen Angaben auf eine Anfrage der Uniklinik Kiel vom Sonntag.

Unikliniken brauchen dringend Blutspenden

Für die Versorgung von HUS-Patienten brauchen die Kliniken an den Standorten Kiel und Lübeck dringend Blutspenden. Die Plasma-Lager seien mittlerweile leer, teilte man am Montag mit. Um den hohen Bedarf zu decken, würden Plasmen aus ganz Deutschland zugekauft. „Wir rufen aktive Spender auf, unsere Patienten mit ihrer Blutspende in dieser Krisensituation zu unterstützen“, sagte Dagmar Steppat, ärztliche Leiterin des UKSH-Blutspendezentrums in Kiel.

HUS-Patienten benötigen täglich drei Liter Plasma, wobei zehn Vollblutspenden verbraucht werden. Am Montag war die Zahl der HUS-Patienten am UKSH auf 82 gestiegen. Am Freitag lag die Zahl noch bei 50.


Vergangene Woche hatte auch das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wegen der vielen schweren EHEC-Fälle zum Blutspenden aufgerufen. Dort reicht der Vorrat nach eigenen Angaben zwar noch für die kommenden Wochen. Anschließend sei allerdings mit einem „deutlichen Engpass“ zu rechnen.

Nach zwei neuen Todesfällen in Nordrhein-Westfalen und einem in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Zahl der in Deutschland an einer EHEC-Infektion verstorbenen Menschen am Montag auf 13 erhöht.

Ärzte fordern Notfall-Fonds

Die wachsenden Engpässe in Kliniken bei der Behandlung von HUS-Fällen zeigen nach Ansicht des Marburger Bundes, wie problematisch der Abbau an Krankenhaus-Kapazitäten ist. Seit Jahren würden die Kapazitäten in Deutschland verschlankt, um eine möglichst hohe Auslastung zu haben und möglichst kostengünstig zu arbeiten, kritisierte der Marburger Bund am Montag nach seiner Frühjahrs-Hauptversammlung in Kiel.

Das könne in normalen Zeiten zwar ausreichen, aber in Extremsituationen wie jetzt als Folge des grassierenden EHEC-Durchfallkeims seien viele Kliniken wie zum Beispiel das Hamburger Universitätsklinikum überfordert. Notwendig sei außerdem ein bislang fehlender Notfall-Topf zur Bezahlung für solche Leistungen.

ddp/dpa/toto