Forscher der Universität Münster haben nach eigenen Angaben den Darmkeim identifiziert, der die lebensgefährliche EHEC-Darmerkrankung auslöst. Dabei handele es sich um eine seltene und veränderte Variante des Erregers, die gegen viele Medikamente resistent geworden sei, hieß es in der ARD-Sendung „Tagesthemen“ am Mittwochabend. w

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"Wir müssen jetzt prüfen, ob es noch weitere Veränderungen gibt, die ihn so gefährlich machen, die die Ursache sind für seine hohe Virulenz“, sagte der Mikrobiologe Prof. Helge Karch. Er leitet das Konsiliarlabor für die Folgekrankheit HUS, das hämolytisch-urämische Syndrom.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hält die Ausbreitung des EHEC-Keims aber für beherrschbar. „Wenn die Bürger jetzt die Hygiene-Empfehlungen einhalten, dann kann die schnelle Verbreitung des EHEC-Bakteriums gestoppt werden. Ich gehe davon aus, dass das gelingen wird“, sagte Hoppe der „Rheinischen Post“.

Für die Versorgung der Kranken sieht Hoppe das Land demnach gut gerüstet: „Es gibt in Deutschland genug Dialyse-Stationen, so dass alle an dem EHEC-Bakterium schwer Erkrankten versorgt werden können. Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen.“

Seit Mitte Mai breitet sich das EHEC-Bakterium in Deutschland ungewöhnlich rasch aus. Bundesweit wurden laut Robert-Koch-Institut (RIK) bis Mittwoch rund 140 HUS-Fälle gemeldet. Das hämolytisch-urämischen Syndroms kann zu akutem Nierenversagen führen.

Das Robert Koch-Institut hatte am Mittwochabend in Berlin vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten gewarnt: Eine Studie habe gezeigt, dass EHEC-Erkrankte diese Sorten deutlich häufiger gegessen hätten als gesunde Vergleichspersonen. Experten raten darum, vorsorglich auf diese Lebensmittel ganz zu verzichten – besonders, wenn sie aus Norddeutschland kommen.

Dennoch suchen die Experten weiter fieberhaft nach dem Auslöser für die lebensbedrohliche Darmerkrankung. Den Angaben zufolge könnte nur eines oder mehrere dieser Gemüsesorten mit der EHEC-Welle zusammenhängen. Aber auch andere Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Käse kommen nach wie vor als Infektionsquelle infrage – auch wenn dort noch keine EHEC-Keime nachgewiesen wurden.

Bald Alarmstufe 1

Wegen der EHEC-Epidemie in Deutschland könnte bald europaweit die Alarmstufe 1 ausgerufen werden. Dies sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der gefährliche EHEC-Erreger auch auf andere EU-Länder überspringt.“ Bei der Alarmstufe 1 werden alle EU-Staaten aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerungen einzuleiten, hieß es.

Derzeit erlebe Deutschland den stärksten je registrierten EHEC-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger am Mittwochabend. Es gebe so viele Erkrankte pro Woche wie sonst in einem Jahr. Zwei Drittel der Betroffenen seien Frauen.

Infos zum Erreger finden Sie auch unter: So schützen Sie sich vor EHEC

dpa/AFP/mim