Gefährliche Darminfektion

EHEC steckt auch in Biogemüse

Das Hamburger Hygiene-Institut hat EHEC-Bakterien auf Salatgurken aus Spanien nachweisen können - darunter auch eine Bio-Gurke. Spanien ist für Deutschland einer der größten Importeure gerade solcher Gemüse, vor denen nun gewarnt wird - Gurken, Salat, Tomaten.

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In Hamburg wurde der Errger außerdem identifiziert. Es ist ein Typ, der in Deutschland nur sehr selten vorkommt.

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Offenbar wird der gefährliche EHEC-Keim durch Gemüse aus dem Ausland übertragen. Gesundheitsexperten haben eine erste Infektionsquelle für den gefährlichen Durchfallerreger EHEC nachgewiesen. Salatgurken aus Spanien sind nach Untersuchungen des Hamburger Hygiene-Instituts mit dem gefährlichen EHEC-Erreger belastet. Bei drei Proben, darunter einer Bio-Gurke, sei der Erreger eindeutig festgestellt worden, teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) mit. Eine weitere Salatgurke mit EHEC-Keimen könne noch nicht sicher zugeordnet werden. Deshalb rät die Senatorin derzeit vom Verzehr von Salatgurken ab.

Betroffene Ware werde vom Markt genommen, sagte Prüfer-Storcks. „Wir ziehen alles aus dem Verkehr, was wir diesen Quellen zuordnen können.“ Die Hamburger Gesundheitsbehörde gehe allen denkbaren Vertriebswegen nach. Die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Die aktuellen Untersuchungen beziehen sich nach Angaben der Senatorin auf Hamburg und hätten deshalb nur bedingten Aussagewert für andere Orte. „Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen“, sagte die Senatorin.

Den Mikrobiologen des Hamburger Hygiene-Instituts sei es zudem gelungen, den Erreger zu spezifizieren: Es handele sich um den Serotyp O104, der in Deutschland sehr selten vorkomme. „Vielleicht ist das die Erklärung für den Verlauf der Erkrankungen“, sagte Prüfer-Storcks. Es gebe eine hohe Anzahl von Komplikationen.

Spanien importiert jedes Jahr Hundertausende Tonnen gerade solcher Gemüse nach Deutschland, vor denen jetzt etwa die Experten des Robert-Koch-Instituts warnen - Gurken, Tomaten, Salat. 558.000 Tonnen Gurken - rechnerisch 6,8 Kilo pro Kopf - verbrauchten die Deutschen in Deutschland von April 2009 bis März 2010. Rund 500.000 Tonnen wurden importiert - vor allem aus den Niederlanden (rund 250.000 Tonnen) und aus Spanien (192.000 Tonnen). Über 2 Millionen Tonnen Tomaten wurden im Berichtsjahr 2009/2010 in der Bundesrepublik verbraucht, importiert wurden 2010 mehr als 681.000 Tonnen - aus den Niederlanden (rund 375.000 Tonnen) und aus Spanien (etwa 145.000 Tonnen). Und an kopfsalat verspeisten die Deutschen 2009/2010 rund 218.000 Tonnen, pro Bundesbürger rechnerisch etwa 2,7 Kilo. 2009 wurden rund 108.000 Tonnen Kopfsalat nach Deutschland importiert. Mit mehr als 60.000 Tonnen stammte der Großteil davon aus Spanien.

Zahl der Infektionen steigt

In Berlin gibt es weiterhin nur drei bestätigte schwere HUS-Infektionen mit dem aggressiven Darmkeim EHEC. „Diese Krankheit ist in Berlin noch nicht angekommen“, sagte Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamts für Gesundheitsschutz. HUS ist die Abkürzung für hämolytisch-urämisches Syndrom, das zu schweren Nierenschäden führen kann. Bundesweit, vor allem in Norddeutschland, hat die Zahl der HUS-Fälle innerhalb einer Woche auf 214 zugenommen. Das sind weitaus mehr Patienten als sonst in einem ganzen Jahr gemeldet werden.

An der Charité bleiben EHEC-Verdachtsfälle weiter die Ausnahme. Die Zahl stieg bis Donnerstag von drei auf fünf Patienten. Unter ihnen ist ein Kind aus Hamburg. Bei zwei Patienten verlaufe die Infektion schwer, sagte Charité-Sprecherin Stefanie Winde. Bei den neun Vivantes-Kliniken haben sich zwei Verdachtsfälle nicht bestätigt.

Für Gemüse aus dem eigenen Garten gab das Berliner Landesamt für Gesundheit Entwarnung. Wenn das Gemüse nicht mit Rinderdung gezogen worden sei, bestehe keine Gefahr. Rinder sind oft Träger von EHEC-Bakterien. Vor dem Verzehr sollte aber auch eigenes Gemüse immer gründlich gewaschen werden.

Bauernbund empfindet Berichterstattung als unverantwortlich

Der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), sagte unterdessen, die Entwicklung in der Bundesrepublik werde sehr ernst genommen. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der gefährliche EHEC-Erreger auch auf andere EU-Länder überspringt“, sagte Leinen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten in Stockholm sei bereits eingeschaltet worden. Bei der Alarmstufe 1 werden alle Mitgliedsländer der EU aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerung einzuleiten. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss wurde vermutet, dass der Erreger über eine Salatsorte verbreitet werde. Genaue Erkenntnisse fehlten aber noch, sagte Leinen.

Der Präsident des Deutschen Bauernbundes (DBB), Kurt-Henning Klamoth, kritisierte die Berichterstattung über den Krankheitserreger EHEC. Spekulationen, dass die Darmbakterien durch organische Düngemittel verbreitet würden, seien völlig unbegründet, würden von den Medien jedoch „als bare Münze verkauft“, sagte Klamoth. Die Berichterstattung schüre auf unverantwortliche Weise Panik bei den Verbrauchern. Ernsthafte Sorgen um Absatzeinbrüche bei heimischen Agrarprodukten mache er sich trotzdem nicht, sagte Klamoth. „Es ist immer die gleiche Sau, die in Halbjahres-Abständen durchs Dorf getrieben wird“, sagte er. In ein paar Tagen werde das schon wieder vergessen sein.

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