Klinische Studie

Neuer Auslöser von Panikstörungen entschlüsselt

Endlich Hoffnung für Menschen, die unter quälenden Angstattacken leiden, gegen die es bisher keine Therapien gibt: Max-Planck-Forscher haben eine neue Ursache für Panikstörungen entdeckt – und zwar in den Genen. Für die Entwicklung besserer Medikamente sind die Erkenntnisse von großer Bedeutung.

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Patienten mit einer Angststörung stehen unter enormen emotionalem Stress. Oftmals haben die Betroffenen sogar das Gefühl zu sterben oder Verrückt zu werden. Mehrfach erlebte Panikattacken erzeugen zudem die Angst vor der Angst. Als Folge meiden viele Patienten offene Räume oder unkontrollierbare Situationen. In schlimmen Fällen drohen Arbeitsunfähigkeit und soziale Isolation.

Psychotherapeutische Behandlungen reichen oftmals nicht aus. Seit Jahren arbeiten Forscher am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München an der Erforschung der molekularen Grundlagen von Angsterkrankungen und Depression. Vorrangiges Ziel ist es, bessere Therapien zu entwickeln.

Nun berichten die Wissenschaftler erstmals von der Entdeckung einer neuen genetischen Ursache für krankhaftes Angstverhalten. Verantwortlich ist ein Protein mit dem kryptischen Namen TMEM132D.

Bei betroffenen Patienten konnte eine so genannte Risikovariante des Gens identifiziert werden. Tatsächlich weisen Personen mit dieser Genvariante als auch krankhaft ängstliche Tiere erhöhte Konzentrationen des TMEM132D Genprodukts im Gehirn auf.

Die Forscher gehen davon aus, dass erhöhte Mengen des Genprodukts die neuronale Kommunikation zwischen dem Vorderhirn und dem Emotionszentrum verändern und somit das unkontrollierte Angstempfinden ausgelösen.

Die Wissenschaftler um Angelika Erhardt, Leiterin der Ambulanz für Angststörungen in München, haben im Rahmen einer klinischen Studie die Gene von rund 900 Patienten mit Panikstörung untersucht. Alle Patienten zeigten dabei übereinstimmend eine Besonderheit im TMEM132D Gen, welche auch mit Veränderungen auf Molekülebene in Verbindung gebracht werden können.

“In vielen bisherigen genetischen Studien zu psychiatrischen Erkrankungen werden zwar Genveränderungen identifiziert, welche mit den krankhaften Symptomen korrelieren. Selten jedoch können wir diese mit ursächlichen molekularen Konsequenzen für die Erkrankung in Zusammenhang bringen. Das ist in unserer Panikstudie anders, die Genveränderung scheint zu einer gesteigerten Menge des TMEM132D Produkts selbst zu führen, welches uns hoffen lässt, hier einen ursächlichen Faktor für krankhaftes Angstverhalten gefunden zu haben," erklärt Arbeitsgruppenleiterin Elisabeth Binder.

Die genaue molekulare Funktion von TMEM132D konnten die Forscher indes noch nicht entschlüsseln, das Gen wird jedoch in höchster Konzentration in Nervenzellen des Gehirns produziert. Möglicherweise nimmt es dort eine zentrale Rolle in der Etablierung von Nervenverbindungen zwischen dem Gefühlszentrum und der bewussten Kontrollregion ein.

Durch die Identifikation dieses molekularen Faktors hoffen die Forscher einen neuen therapeutischen Angriffspunkt für zukünftige angstlösende Medikament entdeckt zu haben.