Eins, zwei drei – und ab ins Bett! Wer sich in den USA auf ein Date (Verabredung) einlässt, sollte unbedingt bis drei zählen können – und das nicht nur am Valentinstag . Denn: „Beim ersten Mal bleibt es kurz – beim dritten wird es ernst“ – so will es die verbreitete Dating-Regel in amerikanischen Großstädten. Und die ist für Fremde wie Einheimische mitunter nicht allzu leicht durchschaubar.

Je verbreiteter die Praxis der „losen Verabredungen“ im Gegensatz zur festen Beziehung wird, desto umfangreicher der Katalog der ungeschriebenen Gesetze. „Wer das ABC des Rendezvous nicht ganz beherrscht, muss sich mitunter auf kleine Überraschungen gefasst machen“, weiß die landesweit bekannte TV-Dating-Expertin Lisa Daily.

So sei die Regel vom „dritten Date zwar ein Großstadtmythos, doch leider ein sehr verbreiteter in Metropolen wie New York, Los Angeles oder Washington.“ Daily schwört lachend darauf, dass irgendwann einmal ein Mann diese Regel in die Welt gesetzt hat. „In Großstädten wie New York, wo es Hunderttausende mehr weibliche Singles als alleinstehende Männer gibt, setzt sie Frauen unheimlich unter Druck, denn der Konkurrenzkampf ist einfach gewaltig“, meint sie.

Locker geht es hingegen bei der ersten Stufe zu: der Kontaktaufnahme. Im Land des „small talks“ (Geplauders) denkt sich niemand etwas dabei, wenn er in der Bar oder Bahn von einem Fremden angesprochen wird. Auch ein Austausch von Handy-Nummern ist unriskant. „Schlichtweg, weil die wenigsten Leute zur Abwehr der vielen Werbeanrufe gar nicht erst an ihr klingelndes Handy gehen, sondern warten, bis eine zielgerichtete SMS geschickt wird“, sagt ein Student im Washingtoner Stadtteil Georgetown. Andrew Matthews weiß aus Erfahrung, was auch Dating-Trainer raten: „Das erste Date muss kurz und knackig sein, wenn es ein zweites geben soll.“

„Ein Café, ein Drink – nach drei Minuten weiß man eigentlich schon ziemlich sicher, ob es knistert oder nicht“, weiß „Amerikas Love- Guru“ Daily. „Außerdem haben die Großstadt-Menschen immer weniger Zeit: Da ist einfach Effizienz angesagt.“

In Karrierestädten sei dieser Gedanke für viele Erst-Dater ganz besonders wichtig. „Wenn sie wissen, mit wem sie sich treffen, dann büffeln sie mitunter wie für eine Prüfung, um möglichst schnell viel über den Hintergrund des Rendezvous-Partners zu wissen und vorbereitet in die Situation zu gehen.“

Die Aufforderung: „Du kannst mich mal googeln“, ist daher in den USA auch durchaus nicht als Abfuhr gemeint. Ungeachtet aller Arbeit sollte das Date allerdings wie ein Spaß aussehen, meint Expertin Daily: „Daten ist Fun – und das in erster Linie.“ Politik oder andere schwere Themen sollten daher beim ersten Treffen besser außen vor gelassen werden.

Einsames Amerika – Nach Informationen der Organisation „Unmarried America“ gibt es in den USA rund 104 Millionen unverheiratete Erwachsene und demnach mehr Singles als verheiratete Paare. „Viele sind beruflich so eingespannt, dass sie wenig Zeit zur langen Partnersuche haben.“ Online-Dating, Speed-Dating oder Lunch-Datings für Geschäftsleute erfreuen sich daher immer größerer Beliebtheit, und: Mittags ist es unverfänglicher.

„Von der Frage etwa, wer ein Essen zahlt, hängen oft auch die Erwartungen ab“, meint Student Matthew. Sprich: Wer zahlt, erwartet die Fortsetzung im Bett. Immer beliebter ist daher die unverfängliche Variante des „Dutch Dates“. Da wird die Rechnung von vornherein gesplittet – und somit auch die Chancen fürs Bett.

„Kommt es zu einer Fortsetzung, heißt das nicht unbedingt, dass es nun eine exklusive Partnerschaft ist“, weiß Daily. „Besser immer gleich mehrere Eisen im Feuer halten, dann ist am Schluss die Chance größer, dass einer übrig bleibt“, sei das Motto vieler. Männer hätten damit seit jeher keine Probleme gehabt.

Doch Amerikanerinnen hätten eher zur „Serien-Monogamie“ geneigt – „ein Mann zu seiner Zeit.“ Inzwischen passten sich auch immer mehr Frauen dem Mehrfachdating an. „Für die Männer heißt das: Sie müssen härter kämpfen.“

Der Kampf kann lange dauern. Denn auch nach besagtem dritten Date redeten Amerikaner nicht automatisch von einer Beziehung, sagt Mathew. „Ein richtiges Paar ist man eigentlich erst, wenn man sich über Monate gedatet hat.“ Will sie oder er vorzeitig die Reißleine ziehen – kein Problem: „Einfach durchklingeln lassen und keine SMS erwidern. Die Botschaft kommt spätestens beim dritten Mal an.“

ddp/cor