Medizin

Bei Smog besser zu Hause bleiben

Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen von Abgasen – vor allem Menschen mit Herzproblemen sollten bei Smog körperliche Betätigungen im Freien unterlassen. Studien belegen: Zwischen der Luftverschmutzung in den Städten und der Häufung von Herzinfarkten sowie Schlaganfällen gibt es eine auffällige Verbindung.

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Es ist unbestritten, dass Luftverschmutzung auch zum Tod führen kann, so das Ergebnis zweier Untersuchungen mit Menschen und Mäusen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe. Diesel-Abgase können Blutgerinnsel bilden und diese können wiederum zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Die Studien können nachweisen, dass es eine Korrelation zwischen den Herzproblemen und der schlechten Luftqualität in den Städten gibt. Zudem konnten Forscher an Mäusen deutlich machen, dass Smog das Immunsystem beeinflusst.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben allein im Jahr 2000 rund 800.000 Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung, viele davon an Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

"Die wesentliche Botschaft lautet, dass sich Menschen, die schon an Herzproblemen leiden, zwar regelmäßig körperlich betätigen, dies aber vor allem bei Smogalarm im Freien unterlassen sollten", so der Kardiologe David Newby von der University of Edinburgh. Newby hat in einer klinischen Untersuchung 20 Männer, die zuvor an Herzinfarkten erkrankt waren, Dieselabgasen aus einem Traktor ausgesetzt, während sie auf Heimfahrrädern für jeweils zwei Einheiten zu je 15 Minuten trainierten. Die Luftqualität entsprach etwa der eines durchschnittlichen Smog-Tages in London. Das Ergebnis war ein deutlich herabgesetzter tissue Plasminogen Activator (tPA). Der tPA ist ein im ganzen Körper vorkommendes Enzym, das durch Abbau der Blutgerinnsel einen hemmenden Effekt auf die Blutgerinnung hat. Der Kardiologe konnte beweisen, dass dieser Mechanismus durch das Einatmen von Diesel-Abgasen gestört wird und dadurch zu einem vergrößerten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko führt.

Vorangehende Untersuchungen an Hamstern haben deutlich gemacht, dass Thrombosen die Ursachen sind. Eine neue Studie von der Northwestern University in Chicago an Mäusen zeigt nun genau, wie das funktioniert. Gökhan Mutlu von der Feinberg School of Medicine konnte bei Mäusen, die schlechter Luftqualität ausgesetzt waren, feststellen, dass sie bei Verletzungen kürzer bluteten als jene Tiere, die gute Luft atmeten. Die Tiere, die schlechte Luft eingeatmet hatten zeigten zudem deutlich höhere Werte zahlreicher Proteine, die mit der Blutgerinnung zu tun hatten. Als das Forscherteam Immunzellen, die für die Vernichtung von Partikeln aus der Lunge verantwortlich sind, eliminierten, tauchten keine Blutgerinnungsprobleme auf. Das gleiche galt auch für Mäuse, bei denen das Gen für das Immunsignal-Protein Interleukin-6 fehlte. Diese Resultate weisen deutlich daraufhin, dass die Immunreaktion auf die Partikel in der Lunge zu Entzündungen führen. Diese führen zu Blutgerinnseln.

Andere Wissenschaftler wie etwa der Toxikologe Benoit Nemery von der Katholischen Universität Leuven in Belgien gehen allerdings eher davon aus, dass die Partikel einen anderen Weg einschlagen als die beiden Forscher festgestellt haben. Er hat gezeigt, dass kleine Partikel in den Blutkreislauf gelangen und das Herz direkt schädigen.

Techniker wie etwa der Luftschadstoffexperte Gerhard Fleischhacker, Direktor von CEF-Austria, arbeiten seit Jahren daran, die Abgase zu säubern. "Der Dieselpartikelfilter, der von der Autoindustrie derzeit als Allheilmittel angeboten wird, ist nicht in der Lage die gefährlichen Partikel zu beseitigen", erklärt Fleischhacker. "Ein Partikelfilter kann die gefährlichen und schädlichen Nanopartikel gar nicht abscheiden. Eine erhebliche Menge bzw. Masse an Schadstoffen gelangt immer noch in die freie Atmosphäre", erklärt der Experte. "Da Nanopartikel kleiner 100 Nanometer nicht abgeschieden bzw. nicht aus dem emittierten Abgasstrom entfernt werden können, bleibt das enorme, die Gesundheit gefährdende Potenzial der vielen Milliarden kanzerogenen Ultrafeinstpartikel nach wie vor erhalten," argumentiert Fleischhacker. Das Gesundheitsrisiko werde noch dadurch verstärkt, dass dem Laien immer wieder versichert werde, dass mit dem Einbau eines "Rußfilters" die Abgase "sauberer" bzw. die Russ-Emissionen fast zur Gänze eliminiert würden