Krankenhauskeime

Infektionsgefahr durch Personalabbau in Kliniken

Immer mehr Krankenhäuser haben ein Hygiene-Problem mit prekären Folgen: Multiresistente Keime breiten sich aus und gefährden die Gesundheit der Patienten. Experten sprechen von einem Teufelskreis und machen mangelnde Sauberkeit durch steigende Arbeitsbelastung bei Ärzten und Pflegepersonal verantwortlich.

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Der Personalabbau in Kliniken und die Überbelegung der Betten gefährden die Gesundheit der Patienten. Die beiden Entwicklungen, die im Zuge der Kostensenkung in den meisten Industrieländern zu beobachten sind, erhöhen das Risiko der Patienten, sich mit Krankheitserregern zu infizieren, warnt der australische Gesundheitsforscher Archie Clements von der Universität von Queensland. Dies gefährde vor allem das Vorhaben, jene Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus einzudämmen, die gegen Antibiotika resistent sind.


Diese MRSA-Keime (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) haben sich in Kliniken vieler Länder stark ausgebreitet, auch in Deutschland. Hierzulande sind derzeit über 20 Prozent der in Kliniken auftretenden Aureus-Staphylokokken gegen verschiedene Antibiotika resistent. Auf Intensivstationen liegt der Anteil sogar deutlich über 30 Prozent.

Damit die Keime nicht zwischen Patienten übertragen werden, ist laut Clements vor allem eine sorgfältige Händehygiene von Pflegepersonal und Ärzten wichtig. Allerdings sei das Waschen der Hände bei Pflegern wenig und bei Ärzten noch weniger verbreitet, bemängelt der Gesundheitsforscher im Fachblatt „The Lancet Infectious Diseases“.

Mit steigender Arbeitsbelastung habe das Personal noch weniger Zeit, den hygienischen Anforderungen nachzukommen. Auch andere Kontrollmaßnahmen, etwa das Identifizieren und Isolieren von Patienten, die MRSA tragen, leiden unter der Überlastung des Personals.

Dies mündet Clements zufolge in einen Teufelskreis, da steigende Infektionszahlen mit MRSA und die folgenden medizinischen Komplikationen die Arbeitslast des Personals wiederum in die Höhe treiben. Als Gegenbeispiel nennt Clements das Vorgehen in den Niederlanden und Skandinavien, wo der MRSA-Anteil in Kliniken unter zwei Prozent liegt.