Medizin

Eisbären helfen bei der Jagd auf Superbakterien

Die Eisbären in der Arktis leben so fern der menschlichen Zivilisation, dass sie ein Rätsel entschlüsseln können: Haben MRSA-Keime ihre bedrohlichen Mutationen durch menschlichen Einfluss bekommen oder nicht? Und wie gelingt es diesen Bakterien, in die entlegensten Orte unseres Globus vorzudringen?

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Die Antwort auf die große, medizinische Frage, von der so viele Menschenleben abhängen, war dort im ewigen Eis zu finden, bei einem Tier, das in seinem Reservat aus Wasser, Kälte und Schnee behütet vor dem Kontakt mit dem Menschen lebt.

Die Eisbären in der Arktis sind eine von wenigen Tierarten, die so fern der menschlichen Zivilisation leben, dass sie ein Rätsel entschlüsseln können: Haben die hochgefährlichen und weltweit verbreiteten MRSA-Keime ihre bedrohlichen Mutationen durch menschlichen Einfluss bekommen oder nicht? Und wie gelingt es diesen Bakterien, in die entlegensten Orte unseres Globus vorzudringen?

Die MRSA-Keime, auch Superbugs genannt, sind vor allem in Krankenhäusern gefürchtet, wo sie geschwächte Patienten befallen. Die Todesrate ist enorm, es gibt keinen Keim, der Krankenhauspatienten gefährlicher werden könnte. Das Bedrohlichste an diesen Keimen ist, dass sie unempfindlich gegen Antibiotika sind. Das waren sie nicht immer. Offenbar haben sie erst im Menschen – und im ständig wachsenden Kontakt mit vielen verschiedenen Antibiotika diese widerstandsfähigen Erbgut-Sequenzen entwickelt, die inzwischen eines der drängendsten Probleme der medizinischen Welt sind.

Manche der Bakterien sind in ihrer genetischen Entwicklung inzwischen sogar so weit, dass sie ohne Antibiotika nicht mehr leben können. Aber wie sie sich verbreiten, wie sie mutieren und warum sie es schaffen, auch an Orte vorzudringen, die vom Menschen kaum betreten werden, stellt für die Medizin immer noch ein Rätsel dar. Brauchen die Keime tatsächlich den Menschen und seine Antibiotika, um ihre tückische Zähigkeit zu entwickeln, oder sind die gefährlichen Mutationen vielleicht natürlichen Ursprungs?

Um diese Fragen zu klären, flogen die italienischen und norwegischen Genetiker in die Arktis. Bewaffnet mit Betäubungsgewehren und Plastikröhrchen, drangen sie bis in die menschenleere Barentssee bei Spitzbergen vor, um dort Kotproben von zehn Eisbären zu nehmen.

Die Ergebnisse beschreibt Trine Glad von der Universität Tromsø in „BMC Microbiology“. Demnach ist der Darm der Eisbären einer der wenigen Orte auf dieser Welt, der kaum oder gar nicht von resistenten Keimen durchseucht ist. Anders bei Hirschen, Füchsen, Schweinen, Hunden und Katzen, die enger beim Menschen leben, schreiben die Forscher: „Dort haben wir diese Keime nachgewiesen – in Fleischfressern seltener als bei den Vegetariern.“

Ihr Fazit: Vermutlich seien die Resistenz-Gene nicht natürlichen Ursprungs. Sie entwickelten sich, wenn die Antibiotika in die Naturkreisläufe geraten und dort von den Tieren gefressen würden. Nur ins ewige Eis seien sie offenbar noch kaum vorgedrungen.