Sensationeller Durchbruch

30 Jahre alte Erinnerungen wiedererweckt

| Lesedauer: 2 Minuten
Pia Heinemann

Foto: pa

Es klingt wie ein Science-Fiction-Gag: Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, Erinnerungen wieder zu Leben zu erwecken. Mit Hilfe von Elektroden, die sie in das Gehirn eines 50 Jahre alten Patienten implantierten, haben sie seine erloschen geglaubten Erinnerungen wieder geweckt.

Die Sensation gelang Forschern des Toronto Western Hospital in Ontario: Ein 50 Jahre alter Patienten konnte eine Szene seines Lebens detailliert wieder erinnern, die bereits 30 Jahre zurück lag. Wie die Forscher in den „Annals of Neurology“ schreiben, erkannte er in seiner Erinnerung eine Szene in einem Park. Er erkannte Freunde und seine damalige Freundin und konnte bis ins Kleinste die Kleidung der Leute beschreiben.

„Die Erinnerung war sehr detailliert“, sagt Andres Lozano, der die Untersuchungen leitete. „Der Patient erkannte die Szene sogar in Farbe.“ Die Forscher hoffen jetzt einen Weg gefunden zu haben, wie sie Menschen mit Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz ihre Erinnerungen zurückgeben können.


Erstaunlich sei, so Forscher Andres Lozano, dass die Detailtreue der Erinnerung eng an die Stärke der Hirnstimulation gekoppelt war. Die Wissenschaftler wiederholten ihre Versuche bei zwei weiteren Patienten – mit ähnlich frappierenden Ergebnissen.


Beim ersten Patienten wollten die Wissenschaftler eigentlich etwas ganz anderes erreichen: Er wog 190 Kilogramm und durch die elektronische Stimulation einer bestimmten Hirnregion sollte eigentlich sein Appetitzentrum so stimuliert werden, dass er weniger Hunger hatte. Doch nicht sein Appetit wurde geringer, sondern seine Erinnerung frischte sich auf.

Der Patient unterzog sich zudem verschiedenen Lerntests, bei denen er unter anderem Listen von zusammengehörenden Objekten auswendig lernen sollte. Nach drei Wochen kontinuierlicher Stimulation eines „Hypothalamus“ genannten Areals im Gehirn hatten sich seine Leistungen in diesem Lerntests deutlich verbessert. Er konnte sich zudem immer dann besser an die Objektlisten erinnern, wenn die Elektroden angeschaltet waren, als wenn keine Stimulation erfolgte.

Die so genannte Tiefenhirnstimulation, bei der Patienten feine Elektroden in das Gehirn implantiert werden, wird bereits seit über zehn Jahren eingesetzt, um schwer kranken Menschen zu helfen. Auch in Deutschland werden Patienten, die beispielsweise unter sehr schweren Formen der Depression oder Parkinson leiden, damit behandelt.

Weltweit wurden bisher etwa 40.000 Parkinsonpatienten Elektroden ins Tiefenhirn implantiert. Die Elektroden werden bei der Behandlung unter lokaler Betäubung in das Gehirn eingeführt. Während der Operation ist der Patient bei vollem Bewusstsein. So können die Operateure kontrollieren, in welcher Hirnregion genau sie sich gerade befinden.