In der Küche wartet er auf seinen Gast. Links vom „Ampelmann“ an der Friedrichstraße geht es durch eine Holztür, einen langen grauen Gang entlang, vorbei an Graffiti auf Rohren, direkt ins Herz des alten „Cookies“-Club. In die Küche, in der Heinz „Cookie“ Gindullis an babyblauer Kachelwand steht. Bevor er in den alten Clubsaal führt, in dem plötzlich Stühle mit neongelben Füßen und Petrolbezug, Mahagoni-Mobiliar mit Goldbesteck, eine Bar mit Cold Pressed-Cocktails auf die ehemaligen Clubgänger wartet.

Vier Monate nachdem Heinz Gindullis sein „Cookies“ geschlossen hat, eröffnete der Berliner Kult-Gastronom am Dienstagabend den ehemaligen Club neu als Restaurant. Der in London Geborene ist mit 17 Jahren nach Berlin gekommen, hat als Tellerwäscher in einem jüdischen Restaurant in Mitte angefangen, mit 21 seine erste Bar aufgemacht, „hauptsächlich Nachbarn und Freunde kamen“, sagt Gindullis. So hat er es fortgeführt, die persönliche Begrüßung der Gäste, Pflege der Stammgäste und die direkte Ansprache durch Textnachrichten von Gindullis selbst, galt auch knapp 20 Jahre später im inzwischen sieben Mal umgebauten und/oder umgezogenen „Cookies“. Nun soll nicht mehr zu Elektro getanzt werden.

An der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden regiert jetzt anspruchsvolle Küche und Berliner Design. Gemeinsam mit Stammarchitektin Laura Rave hat Gindullis aus dem Tanzsaal, aus dem „Cookies“, das er an verschiedenen Standorten in Berlin über 20 Jahre erfolgreich geführt hat, einen Gastraum mit rund 100 Plätzen, vom Vierer- bis zum Zwölfertisch, gemacht. „Crackers“ heißt es, passend zum „Cookie“-Imperium aus „Cookies Cream“ und „Chipps“. Und passend zum umgangssprachlichen „It was such a cracker last night“ – „Es war einfach unglaublich letzte Nacht.“ Fleisch, Fisch und Vegetarisch bietet das „Crackers“.

„Cookies“ Lieblingsgerichte

Küchenchef Stephan Hentschel, der ein Stockwerk höher bereits gemeinsam mit Gindullis das „Cookies Cream“ , vegetarisch Fine Dining, sowie das „Chipps“ in Mitte und selbstständig das „Volta“ an der Brunnenstraße betreibt, hat es sich nicht nehmen lassen, auch hier das Küchenkonzept zu liefern.

„Cookies“ Lieblingsgerichte und die seiner Freunde koche er hier, sagt Hentschel. Von der Maissuppe mit Chili und schwarzem Knoblauch über Eisbergsalat am Spieß mit Stilton, Charolais-Filet und -Entrecôte aus Mecklenburg-Vorpommern bis zu Amalfizitronensorbet und Quittenstreusel mit Saure-Sahne-Eis. „Metropolitan modern“ nennt Hentschel das, „eine Großstadtküche, wie sie es auch in New York, London oder Paris geben könnte, für die Jet-Lag-Leute dieser Welt, Künstler und Co.“

In Berlin kommen während der Soft-Opening-Phase zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung und dem normalen Betrieb ab Donnerstag, täglich ab 18 Uhr, Menschen wie Designer Michael Michalsky, „Grill Royal“-Betreiber Boris Radczun oder Schauspieler Daniel Brühl vorbei.

Abschied vom Clubleben

Sehr überrascht über die neue Optik des Raumes seien viele gewesen, erzählt Gindullis. Aber alle hätten sich wohl gefühlt, „als gebe es das Leben außen für ein paar Stunden nicht mehr.“ Der Abschied vom Clubleben – das „Crackers“ soll ein reines Restaurant mit Bar, an einigen Abenden mit begleitender DJ-Musik werden – sei ihm schon schwer gefallen, sagt der 39-Jährige. Aber als die Idee Ende vergangenen Jahres da gewesen sei, sei es schließlich doch schnell gegangen mit dem Umbau. „Dank Team, dank meinen Freunden.“ Ob seine Freunde und er, ein Großteil der Berliner Szene der 90er- und 2000er-Jahre, auch älter geworden sei? Er selbst ist vor gut zwei Jahren zum ersten Mal Vater geworden, zum Sohn ist kürzlich noch eine Tochter hinzu gekommen. „Weiß ich nicht“, sagt Heinz Gindullis, „aber ich habe schon immer das gemacht, wo ich mich zu dem Zeitpunkt meines Lebens selbst am wohlsten gefühlt habe.“