So dankbar sei er, sagt Guido Maria Kretschmer. Sein Manager drängelt. „Guido, die Show!“ Doch der „Guido“ bleibt auf dem Teppich vor den Mikros stehen. „Nein, wirklich, wenn der Mauerfall nicht gewesen wäre, wären viele meiner Freunde jetzt nicht meine Freunde“, sagt der Designer. Empört guckt er dabei. In Richtung Manager. Auch Boxweltmeisterin Regina Halmich, die im pinken Basler-Dress ein paar Meter weiter bei den Kollegen vom Radio steht, nickt ernst. Auch wenn das niemand hören kann. „Zum Geburtstag macht‘s total Sinn, dass wir hier feiern“, sagt Halmich. „Absolut, ein schöner Anlass“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mit Frau Susanne. Und Weltmeister Per Mertesacker, neben Sami Khedira und ganz auftrittsbewusst, fügt hinzu, wie unglaublich und unblutig die Revolution doch gewesen sei.

Anlässlich des 25-jährigen Mauerfall-Jubiläums haben „Super Illu“, MDR und RBB die 20. Verleihung der Goldenen Henne am Freitagabend in Leipzig veranstaltet. Der Stadt, in der vor 25 Jahren Hunderttausende den Weg zur Deutschen Einheit ebneten. „Das ist eine Verneigung vor denen, die hier den Umbruch herbeigeführt haben“, so MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Wolfgang Stumph nahm den Award in der Kategorie „Schauspiel“ von Tochter Stephanie entgegen. Peter Maffay hielt die Laudatio auf Helene Fischer, die sich mit einer Grußbotschaft aus Hannover für ihre fünfte Henne bedankte.

Überraschungs-Laudator Frank-Walter Steinmeier dankte Roland Kaiser für 40 Jahre Kraft und Stimme für Deutschland. Und Guido Maria Kretschmer? Zeigte sich auch auf der Bühne, nach dem Weg entlang der Mikrofone der Reporter, mehr als dankbar. Für seine Henne in der Kategorie "Moderation". Im Rollstuhl kam der ehemalige Kapellmeister des Gewandhausorchesters, Kurt Masur, auf die Bühne. Die Laudatio hielt Schauspieler Armin Müller-Stahl. Es war neben anderen Masur, der 1989 den Aufruf „Keine Gewalt“ anlässlich der Leipziger Montagsdemonstrationen verfasst hatte.

Trauer um Udo Reiter

Ein Thema jedoch, so zwanghaft fröhlich sich Moderator Kai Pflaume auch durch die Show grinste, wog schwer. Vor der Gala war der Tod des MDR-Gründungsintendanten Udo Reiter bekannt geworden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Um kurz nach elf Uhr betrat die amtierende MDR-Intendantin Karola Wille die Bühne. "Ich muss heute Udo Reiter zum zweiten Mal verabschieden. Vor drei Jahren habe ich ihn aus dem Amt verabschiedet. Nun muss ich es erneut tun. Udo Reiter ist nicht mehr. Aber wir wollen Danke sagen. Wir haben ihm so viel zu verdanken. Danke, Udo."

„Wie tragisch, ausgerechnet heute“, sagte Regina Halmich. Weniger ernst nun, eher erschüttert. Sie habe bei ihrer Anreise noch nichts vom Tode des Ex-Intendanten gewusst. Im Gegensatz zu Dietmar Woidke. "Reiter hat hier tiefe Spuren hinterlassen, das werden wir ihm nie vergessen." Nun habe er wohl entschieden, gehen zu wollen. Was Olympia-Sieger Matthias Steiner mit Frau Inge dazu veranlasste, zu bemerken, dass diese Entscheidung jedem selbst zustehen dürfen müsse. Reiter sei ein Verfechter der Sterbehilfe gewesen. „Und für das, was er uns gelassen hat, wie zum Beispiel hier die Henne, dafür sollten wir dankbar sein.“