Schauspieler

Lenn Kudrjawizki, der mit Kevin Costner spielt

Lenn Kudrjawizki ist Schauspieler und lebt sei 1999 im Kollwitzkiez. In dem Hollywood-Fim „Jack Ryan: Shadow Recruit“ spielt er an der Seite von Kevin Costner, Keira Knightley und Chris Pine.

Foto: Amin Akhtar

Mit der Vergabe des Prädikats „ein echter Berliner“ tun sich die Hauptstädter angesichts der vielen Zugezogenen bekanntermaßen schwer. Für Lenn Kudrjawizki könnte man – obwohl in Leningrad geboren – aber fast eine Ausnahme machen. Der Schauspieler kam als Kind nach Ost-Berlin, wuchs in Lichtenberg auf, zog später nach Friedrichshain und ist seit 1999 dem Kollwitzkiez treu.

Dort wohnt er zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern in einem Haus, das komplett von einer Gruppe seiner Freunde bewohnt wird. „Wir sind sozusagen eine kleine Enklave in Prenzlauer Berg und genießen das Musiker- und Künstlerleben“, sagt der 38-Jährige. Auch als er von Ende der 90er-Jahre bis 2002 in Dresden studierte, entschied er sich deshalb fürs Pendeln. „Ich habe hier einen super Freundeskreis, meine Familie und bin ungern allein. Deshalb bin ich immer hin und her gefahren“, so Kudrjawizki. „Berlin ist meine Burg, meine Kraft.“

Die Chancen stehen demnach gut, dass er seinen alten Mietvertrag mit einem Quadratmeterpreis unter Bezirksdurchschnitt auch dann nicht aufgibt, wenn demnächst noch mehr Anfragen aus Hollywood kommen. Denn seit der Deutsche mit den russischen Wurzeln unter der Regie von Kenneth Branagh und an der Seite von Kevin Costner, Keira Knightley und Chris Pine für den Action Thriller „Jack Ryan: Shadow Recruit“ vor der Kamera stand, kann er sich über mangelnde Angebote nicht beschweren.

Szenen für E-Casting zu Hause aufgenommen

In den USA läuft der Film bereits seit Mitte Januar erfolgreich, in Deutschland kommt er am Donnerstag in die Kinos. „Es haben sich schon ein paar schöne Sachen ergeben, die gerade noch in der Entstehungsphase sind. Das macht alles sehr viel Spaß, mehr kann ich dazu noch nicht sagen“, gibt sich Kudrjawizki noch verschwiegen. Nur so viel ist klar: „Jack Ryan“ ist als Trilogie angelegt und er gehört zum Team um die Figur von Kevin Costner.

Auch zu der Rolle des CIA-Agenten Constantin kam der Schauspieler, ohne Berlin zu verlassen. Bei einem E-Casting nahm er zu Hause zwei Szenen auf und schickte diese nach London. „Ich habe die Szenen nach einem zwölfstündigen Drehtag aufgenommen. Das scheint ein gutes Omen zu sein. Wenn man so kaputt ist, denkt man nicht so viel nach. Zwei Tage später bekam ich die Nachricht, Kenneth Branagh will mich kennenlernen und eine Woche später bin ich rüber geflogen, drei oder vier Wochen später ging es los“, erinnert er sich. „Das ging Schlag auf Schlag. Auf einmal stand ich neben Kevin Costner.“

Neben den aufwendigen Action-Szenen, die er für den Film drehen durfte, hat Kudrjawizki vor allem die Freundlichkeit und Professionalität seiner Hollywood-Kollegen beeindruckt. „Kenneth Branagh zum Beispiel ist einfach unfassbar toll“, so der Schauspieler, der bereits 2009 in „Die Päpstin“ an einer internationalen Produktion beteiligt war. „Der hat bei ‘Jack Ryan’ ein Team von 250 Leuten gehabt und er hat nicht ein einziges Mal die Stimme gehoben. Es wurde nicht einmal laut, unhöflich oder respektlos miteinander gesprochen.“

Drei berufliche Leidenschaften

Mit Kevin Costner teilt Lenn Kudrjawizki, der neben der Schauspielerei auch Violine und Klavier studiert hat, die Musikerseele. „Wir haben tatsächlich unsere freie Zeit damit verbracht, in seinem Trailer zu jammen. Wir haben uns gegenseitig unsere Songs vorgespielt“, erzählt der Schauspieler. Trotzdem habe er vor Beginn der Dreharbeiten doch gehörigen Respekt vor seinem Idol gehabt. „Ich hatte Tränen in den Augen, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Ich dachte, das kann alles nicht wahr sein – er ist ‚Der mit dem Wolf tanzt’“, sagt Lenn Kudrjawizki und ist noch heute ganz benommen. „Das war wirklich ein wunderbarer Glücksmoment. Ich werde das nie vergessen. Er ist ein sehr bescheidener und toller Kollege, der noch dazu das Herz am richtigen Fleck hat.“

Derart ins Schwärmen gerät er sonst nur, wenn es um seine drei beruflichen Leidenschaften geht: Schauspielerei, Musik und Drehbuchschreiben. Neben Rollen im „Tatort“, „Polizeiruf 110“ oder der Udo-Jürgens-Biografie „Der Mann mit dem Fagott“ hat der Wahlberliner gerade sein zweites Album „Colors of Life“ veröffentlicht und mit „Business as usual“ einen Kurzfilm gedreht, der im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis läuft. „Das sind alles Dinge, die mich glücklich machen. Kreativ sein zu dürfen, ist einfach ein großes Geschenk“, sagt der Schauspieler. „Musik, Schauspiel, Drehbücher schreiben – das ist eine Symbiose, die mir sehr gut tut.”

Kein Wunder also, dass er sein Talent auch an seine beiden Kinder weitergeben möchte. „Meine Frau ist auch Musikerin. Und unsere Kinder bekommen alle Instrumente um die Ohren gehauen, die sie haben wollen“, so Kudrjawizki. „Mein Ältester hat sich genau das Instrument ausgesucht, das wir nicht zu Hause hatten – das Schlagzeug. Jetzt haben wir eins. Es muss schließlich geübt werden.“ Wenn es deshalb schon mal morgens um halb neun Lärm gebe, werde das glücklicherweise von den Nachbarn verziehen. Wie unter echten Berlinern eben.