Kinojahr

2014 bringt DiCaprio als Börsianer und Hanks als Walt Disney

Hollywood reaktiviert seine Klassiker. Von „Robocop“ bis „Godzilla“ gibt es 2014 einige Neuauflagen. Ein Highlight gleich zu Beginn: der neue Scorsese mit Leonardo DiCaprio als Wolf der Wall Street.

Das vergangene Jahr war das der Aliens, Vampire und Weltuntergänge. Zumindest im Kino. Im neuen Jahr ist dieser Trend nicht mehr so stark zu beobachten.

Dafür klammert sich Hollywood an uralte, ja geradezu archaische Erfolgsformeln, wenn es den ollen Bibel- und Sandalenfilm reaktiviert oder Neuauflagen von „Robocop“ bis „Godzilla“ beschert. Viele Stars dürfen wir auch in für sie völlig ungewohnten Rollen erleben.

Wir haben uns einmal umgeschaut, was das Kinojahr 2014 bringt.

Archaische Erfolgsformeln

Der Bibelfilm feiert Renaissance. Erst zimmert Russell Crowe als „Noah“ (3.4.) die Arche, wenn mit der Sintflut der erste große Weltuntergang in die Kinos gespült wird. Und dann führt Christian Bale als Moses in „Exodus“ (4.12.) die Juden aus Israel, unter der Regie des Altveteranen Ridley Scott. Auch sonst setzt man klar auf die Antike: Action-Spezialist Paul W.S. Anderson lässt in „Pompeii“ (27.2.) noch einmal den Vesuv mit den neuesten digitalen Computereffekten ausbrechen, das zweite Endzeitszenario. Und dann bekommt Dwayne Johnson als Halbgott in „Hercules“ (11.9.) gleich noch Konkurrenz von „Twilight“-Schönling“ Kellan Lutz in „The Legend of Hercules“. Dessen Filmstart steht indes noch nicht fest.

Fortsetzung folgt: Teil 1 bis 7

Die sicherste Erfolgsformel ist noch immer die Fortsetzung. Also bilden die Filme mit der Zahl am Ende auch in diesem Jahr wieder eine starke Gruppe. Die „Transformers“ (17.7.) gehen bereits in die vierte, die Reboots von „Planet der Affen“ (14.8.) und „Spider-Man“ (17.4.) in die zweite Runde. In „Expendables 3“ (21.8.) gibt es das dritte Klassentreffen der Alt-Actioner um Sylvester Stallone, diesmal auch mit Harrison Ford, Wesley Snipes und Mel Gibson. Nach „21 Jump Street“ ermitteln Channing Tatum und Jonah Hill in, jawohl, „22 Jump Street“ (21.8.). Die komplizierteste Fortsetzung ist „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (22.5.): Da treffen Patrick Stewart und Ian McKellen aus der Original-Serie auf ihre jüngeren Versionen James McAvoy und Michael Fassbender. Sequel und Prequel zugleich: Wie nennt man das? Presequel? Und „300: Rise of an Empire“ (6.3.) zeigt uns acht Jahre nach „300“, wie man sogar eine Fortsetzung drehen kann, wenn im ersten Teil alle 300 den Heldentod gestorben sind: Jack Znyder schickt einfach ein neues Heer gegen den alten persischen König Xerxes.

Ich trage einen großen Namen

Oliver Hirschbiegel hat es sich mit seiner Wahlheimat England verscherzt: Weil er die letzte große Liebe von Prinzessin Diana zu einem Inder erzählt. „Diana“ mit Naomi Watts eröffnet gleich am 7. Januar das Jahr der Biopics. So kurz nach dem Tod von Nelson Mandela ist ab 30.1. auch die Filmbiographie zu der Anti-Apartheids-Ikone zu sehen, „Mandela“ mit Idris Elba. Luke Evans spielt in „Dracula Untold“ (2.10.) mal nicht den bissigsten aller Vampire, sondern den wahren transsylvanischen Fürsten Vlad Tepes, der Bram Stoker als Vorlage für seinen Gruselroman diente. In „Grace of Monaco“ (13.3.) dürfen wir erleben, wie Nicole Kidman als Grace Kelly zur Fürstin von Monaco wird. die verblüffendste Anverwandlung gelingt aber Tom Hanks als Kinderverzauberer Walt Disney in „Saving Mr. Banks“ (6.3.).

Stars, auf die wir uns freuen

Und dann gibt es noch viele andere Star-Filme, nach denen wir geradezu gieren. Nach Julia Roberts im Schneewittchen-Aufguss „Spieglein Spieglein“ spielt nun Angelina Jolie in der Dornröschen-Mär „Maleficent“ (29.5.) die böse Fee. Leonardo DiCaprio bestätigt uns in Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (16.1.) alle Negativ-Klischees, die wir schon immer von Brokern hatten. In Lars von Triers Sexfilmdoppel „Nymphomaniac“ (20.2./3.4.)) lassen Stars wie Charlotte Gainsbourg, Shia LaBeouf und Uma Thurman reihenweise die Hüllen fallen. George Clooney und Matt Damon klauen in „Monuments Men“ (20.2.) von Nazis geklaute Kunstwerke zurück, und Brad Pitt rollt in „Fury (23.10.) mit einem Panzerkommando durch Naziland. Christian Bale und Amy Adams hauen in „American Hustle“ (13.2.) die Leute übers Ohr und könnten damit sogar Oscars verdienen. Und Christoph Maria Herbst beschließt seine Büro-Kultserie nicht im Fernsehen, sondern in „Stromberg - Der Film“ (20.2.) auf großer Leinwand.

Der Film zum Buch

Was sich im Buchladen gut verkauft, könnte auch im Kino funktionieren. Dementsprechend kommen auch dieses Jahr viele Buchbestseller in die Kinos. Die Schweden haben „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (20.3.) adaptiert, Babelsberg den Jugendbuch-Hit „Die Bücherdiebin“ (13.2.) über ein Mädchen, das im Dritten Reich einen Juden versteckt. Der Kinderbuchkultteddybär „Paddington“ (11.12.) wird ebenfalls lebendig und von Tierpräparatorin Nicole Kidman verfolgt. Doris Dörrie zeigt uns, was man macht, wenn sonst keiner dein Buch verfilmt: Sie tut es einfach selbst und adaptiert „Alles inklusive“ (6.3.) mit Hannelore Elsner und Nadja Uhl. „Maze Runner“ (30.10.) nach James Dashners Buchreihe „Die Auserwählten“ soll zum neuen Franchise werden, das die „Twilight“-Lücke schließen will. „Die Tribute von Pamen“ gehen in die dritte Runde (27.11.) und werden schon parodiert in „Die Pute von Panem“ (9.1.). Und Peter Jackson wird nach dem „Hobbit“-Finale (17.12.) wirklich überlegen müssen, was er danach machen soll, wo doch dann alle Tolkien-Stoffe definitv ausverfilmt sind.

Comebacks des Jahres

Es sind keine fast vergessenen Stars, die dieses Jahr wiederzuentdecken sind, sondern alt bekannte Kinomythen, die neu aufgelegt werden. 27 Jahre nach Paul Verhoevens Klassiker gibt es einen neuen „Robocop“ (6.2.), 16 Jahre nach Roland Emmerich wird auch „Godzilla“ (15.5.) reaktiviert. Chris Pine ist in „Jack Ryan: Shadow Recruit“ (27.2.) nach Harrison Ford, Alec Baldwin und Ben Affleck bereits der vierte Darsteller von Tom Clancys Kultfigur. Und mit „Tarzan 3D“ (20.2.) startet die erste deutsche Motion-Capture-Animation, die leider den 100. Geburtstag des Lianenschwingers um anderthalb Jahre verpasst hat. Ein spätes Debüt feiert Robert Redford: In „The Return of the First Avenger“ (27.3.) mischt der inzwischen 78-Jährige, was er bisher stets abgelehnt hat, in seinem ersten Comic-Blockbuster mit. Man ist halt nie zu alt für neue Herausforderungen.