Geburtstag

Dieter Bohlen will mit 60 noch mal richtig Kohle machen

Der Poptitan Dieter Bohlen ist gestern 60 geworden. Zum Geburtstag wünschte sich der Multimillionär nur Gesundheit - und Geld, Geld, Geld. Ein Blick auf das D.I.E.T.E.R.-Prinzip.

Vor seinem 50. Geburtstag gab er sich noch demütig. „Ich will ein besserer Mensch werden“, kündigte Dieter Bohlen 2004 an. Vor seinem 60. Geburtstag, den er am Freitag feierte, verzichtete der gekonnte Selbstvermarkter und Multimillionär aus Tötensen bei Hamburg auf solche Vorsätze. Nach einer Dekade mit häufigem Partnerwechsel und unzähligen frechen Sprüchen ist dies vielleicht auch besser so. Ein Heiliger ist Bohlen nicht – aber er ist und bleibt ein Erfolgsgarant.

Für den Privatsender RTL ist Bohlen der „Poptitan“ und das Urbild des Fernsehjurors. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde sich Bohlens Casting-Klassiker „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) auslaufen, die Quoten ließen erheblich nach. Doch inzwischen hat sich „DSDS“ stabilisiert. Für Bohlen ist dies auch eine persönliche Anerkennung. In den mittlerweile elf Staffeln der 2002 bei RTL gestarteten Show blieb er die einzige Konstante, längst kann er sich als Urvater einer ganzen Casting-Generation sehen. Kritiker hingegen nehmen von Beginn an Anstoß an seinen demütigenden Sprüche wie „Du klingst, wie wenn ein Schaf an den Elektrozaun pinkelt“.

Mit öffentlichen Aussagen aus Anlass seines runden Geburtstags hielt sich Bohlen weitgehend zurück. Seinen Gemütszustand verrät er vor allem in kleinen Filmchen auf der Internetseite der RTL-Castingshow. Darin gibt sich der einstige Partylöwe geläutert: Statt die Nächte in Discos durchzufeiern, gehe er früh schlafen und sei viel mit der Familie zusammen. Im vergangenen Jahr ist Bohlen zum sechsten Mal Vater geworden. In seiner Villa auf dem Dorf im niedersächsischen Landkreis Harburg lebt er mit Freundin Carina und den beiden Kleinkindern zusammen. Zum Geburtstag wünschte sich Bohlen nur Gesundheit – und im Sinne seiner Lieben, „dass ich noch möglichst lange viel, viel Geld für die ranschaffen kann, dass, wenn ich mal endlich abkacke, es ihnen richtig gut geht“, heißt es auf der Website.

Weltweit erfolgreicher Pop-Musiker

Das Geld ist ein großes Thema für den in Ostfriesland aufgewachsenen Bauunternehmersohn und studierten Diplomkaufmann, der nicht vor Kraftausdrücken zurückschreckt. „Hast du Erfolg, hast du Geld, hast du Geld, hast du Autos, hast du Autos, hast du Frauen ...“, erläutert er in seinem Buch „Der Bohlenweg“. Viel Geld brachten auch seine ersten beiden Bücher ein, in denen er seine Lebensweisheiten verbreitete und Kollegen aus dem Showbusiness verspottete.

„Es gibt wohl in Deutschland keinen Prominenten, der öffentlichkeitsgeiler ist als Dieter“, schlug Bohlens früherer Modern-Talking-Kollege Thomas Anders in einem eigenen Buch 2011 zurück. Zwischen den ungleichen Partnern des in den 80er-Jahren weltweit erfolgreichen Pop-Duos herrscht seit mehr als zehn Jahren Funkstille. Zu der gemeinsamen Zeit sagt Anders: „Ich glaube, wir beide sollten Modern Talking dankbar sein, denn diese Karriere legte den Grundstein für unser weiteres berufliches Leben.“ Modern Talking verkauften über 100 Millionen Tonträger.

Das Duo landete Hits mit Schmuse-Titeln wie „You’re My Heart, You’re My Soul“. Die stimmlichen Qualitäten des großen Blonden mit der Föhnfrisur waren überschaubar. Er habe immer gesagt, dass er sich nicht als größter Sänger fühle, gab der „Poptitan“ später freimütig zu. Kein Wunder also, dass Plattenfirmen zunächst alle Songs ablehnten, die der aufstrebende Musiker ungefragt eingesandt hatte. Doch dank seiner Hartnäckigkeit schaffte Bohlen den Einstieg ins Musikgeschäft, schrieb Hits für diverse Interpreten und sammelte Hunderte Goldene Schallplatten.

Andrea Berg holte mit Bohlen als Produzent Platin, C. C. Catch, Chris Norman oder Bonnie Tyler landeten ebenso wie viele der „DSDS“-Gewinner mit seinen Kompositionen Charterfolge. Für seinen früheren Jury-Kollegen Thomas M. Stein gehört Bohlen dagegen zu den erfolgreichsten Produzenten in Deutschland. „Er hat mit vielen seiner Titel die musikalische Landschaft geprägt“, sagt der Musikmanager.

Auch Wissenschaftler beschäftigten sich schon mit seiner Erfolgsgeschichte. In dem Buch „Die Casting-Gesellschaft“ heißt es: „Dieter Bohlen verkörpert perfekt den Zeitgeist, den die vergangenen zwei Dekaden mit ihrer Börsengier, mit entfesselten Finanzmärkten und erodierenden Sozialsystemen hervorgebracht haben.“ Leistung, Talent und Ausbildung seien in diesem System keine zwingende Voraussetzung mehr für Erfolg. Auch Medienwissenschaftler Bernd Gäbler kritisiert Bohlen: „Wenn Pop gefragt ist, macht er Pop. Wenn gerade Schlager gefragt ist, produziert er eben den.“ Der „Erschnüffler des Mainstreams“ habe zudem im Umgang mit den jugendlichen Kandidaten „autoritäre Gesten wieder hoffähig gemacht“.

Was Oma wohl dazu sagen würde

Ob Oma Bohlen wohl solch einen Auswuchs gewollt hat, als sie ihrem im niedersächsischen Berne geborenen Enkel vorgesungen und so seine Liebe zur Musik geweckt hat? Jeden Abend habe seine Oma ihm christliche Lieder wie „Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn“ vorgesungen, erinnerte sich Bohlen. Falls Jesus vor Bohlen vorangegangen sein sollte, hat er sich aber vor Scham sicher nicht getraut, sich umzugucken: Nach einem bürgerlichen Familienleben mit Ehefrau und drei Kindern begann Bohlen ab Anfang der 90er-Jahre ein Liebes-Wechselspiel.

Einer mehrjährigen Liaison mit Nadja „Naddel“ abd el Farrag folgte eine Affäre mit Spontanhochzeit und fast umgehender Scheidung mit Verona Feldbusch, darauf eine Beziehung samt Kind mit Estefania Küster. Dazwischen gab es immer mal wieder Gerüchte über Frauengeschichten. Seit 2006 ist Bohlen mit der 30 Jahre jüngeren Carina liiert. Von ihr hat er seine Kinder fünf und sechs.

Er habe das D.I.E.T.E.R.-Prinzip, sagte Bohlen einmal. D für Disziplin, I für Intuition und Intelligenz, E für Ehrgeiz, T für Taten, E für die Extrameile laufen und R für eine gewisse Rücksichtslosigkeit. Die Rücksichtslosigkeit bezog Bohlen dabei allerdings nur auf sich selber. „Du hast nix. Am liebsten würde ich dir ’nen Euro geben. Das ist alles Mitleid.“ Auch das ist eine seiner Gaben: auszublenden, wie er die Adressaten mit seinen gnadenlosen Äußerungen verletzen kann.