Gewitterstimmung auf dem roten Teppich. Pünktlich zu Beginn der Verleihung des 63. Deutschen Filmpreises zogen am Freitagabend dunkle Wolken am Berliner Himmel auf. Der Stimmung der Gäste vor dem Friedrichstadt-Palast tat das jedoch keinen Abbruch. „Ich erwarte einen sehr spannenden Abend“, sagte Schauspieler Jürgen Vogel, der in Oskar Roehlers nominiertem Film „Quellen des Lebens“ mitspielt. „Wenn wir gewinnen, stoße ich später mit einer Apfelsaftschorle an“, sagte er lachend. In Champagnerlaune war hingegen Sibel Kekilli. „Ich freue mich immer sehr auf diese Veranstaltung. Ich treffe viele Freunde und Kollegen und habe schöne Erinnerungen an die Gala“, so die zweifache Filmpreis-Gewinnerin.

Premiere für Mirjam Weichselbraun

Mehr als 1800 Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Cutter, Autoren und Filmkomponisten waren zur festlichen Preisverleihung gekommen, durch die in diesem Jahr zum ersten Mal die österreichische Moderatorin Mirjam Weichselbraun führte. Die Schauspielerinnen Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Claudia Michelsen, Sonja Kirchberger, Marie Bäumer, Bettina Zimmermann und Katja Riemann gehörten zu den Gästen, ebenso wie die Schauspieler Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz, Kostja Ullmann und Michael Gwisdek mit seinem Sohn Robert.

Beide waren in der Kategorie Bester Nebendarsteller für eine Lola nominiert, Michael Gwisdek für „Oh Boy“, Robert Gwisdek für „Das Wochenende“. Martina Gedeck, die für ihre Rolle in „Die Wand“ als Beste Schauspielerin nominiert war, gab sich auf dem roten Teppich betont gelassen. „Ich gehe nicht davon aus, dass ich gewinnen werde. Ich freue mich schon sehr darüber, neben so tollen Kolleginnen nominiert zu sein.“

Werner Herzog für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Ein Gewinner stand bereits vor der Verleihung fest. Der 70 Jahre alte Regisseur Werner Herzog („Aguirre, der Zorn Gottes“, „Fitzcarraldo“) wurde in diesem Jahr für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Begleitet wurde er von seiner Frau Lena. Er wurde mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus bedacht.

Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, begrüßte zu Beginn im Saal sympathisch und leicht aufgeregt die Gäste, darunter auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Die begehrten Lola-Statuetten wurden in insgesamt 16 Kategorien verliehen. Zudem gab es den Publikumspreis, der in diesem Jahr von Jan Josef Liefers überreicht wurde. Er ging an die Komödie „Schlussmacher“ von und mit Matthias Schweighöfer. „Krass, wir freuen uns sehr! Vielen Dank an das Publikum und an meinen Freund Milan Peschel – ohne dich wäre der Film gar nichts gewesen“, sagte Schweighöfer auf der Bühne.

Barbara Sukowa setzt sich als beste Hauptrolle durch

In der Kategorie Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle setzte sich Barbara Sukowa („Hannah Arendt“) gegen Martina Gedeck und Birgit Minichmayr durch. „Das ist eine ganz besondere Ehre für mich, besonders, weil ich mit zwei so tollen Kolleginnen nominiert war“, bedankte sich Sukowa gerührt. Als bester Schauspieler in einer Nebenrolle wurde Michael Gwisdek ausgezeichnet und ließ seinen Sohn Robert hinter sich. Dafür machte er ihm auf der Bühne eine launige Liebeserklärung.

Westernhagen rührt Katja Riemann zu Tränen

Für einen weiteren bewegenden Moment sorgte Marius Müller Westernhagen, der mit dem Song „Engel“ der im vergangenen Jahr verstorbenen Kolleginnen und Kollegen gedachte und einige im Publikum, darunter Katja Riemann, zu Tränen rührte. Als Bester Hauptdarsteller wurde Tom Schilling („Oh Boy“) geehrt. Jasmin Gerat, schick im roten Hosenanzug, übergab ihm den Preis und wurde mit Küsschen auf die Wange bedacht. „Oh Mann, oh Boy – vielen Dank! Das war ein besonderer Spirit, mit dem wir diesen Film gedreht haben“, sagte Schilling, der besonders seiner Freundin Anni dankte.

Die Lola in Bronze ging an „Lore“ unter der Regie von Cate Shortland. Über die Silberne Lola durften sich die Produzenten Bettina Brokemper und Johannes Rexin und Regisseurin Margarethe von Trotta für „Hannah Arendt“ freuen. Der große Gewinner des Abends war schließlich „Oh Boy“, der die Goldene Lola gewann und sich gegen „Cloud Atlas“ von Tom Tykwer behaupten konnte.

Nach der Preisverleihung stand bei der Aftershowparty das Feiern im Vordergrund. „Gestern bin ich ganz brav nicht allzu spät ins Bett gegangen, um mich zu schonen. Aber heute wird richtig Gas gegeben“, sagte Josefine Preuß. Auch Anna Loos-Liefers und ihr Mann Jan Josef Liefers wollten die ausgelassene Stimmung bei der Party genießen. Gefeiert wurde im Friedrichstadtpalast noch bis tief in die Nacht.

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